24-02-2009, 01:08
(23-02-2009, 23:42)Presbyter schrieb: Nein wird sie eben nicht. Der Glaube ist Zentrum und Ausdruck der Kirche. Zum Folkloreverein wird sie, wenn sie ihren Glauben negiert!
Wir sehen doch gerade bei den Evangelikalen, die mit Kreationismus und Intelligent Degsin versuchen vom Glauben aus Natur zu bestimmen, dass die naturwissenschaftlich Unhaltbar ist und philosophisch und theologisch sehr mangelhafte Konzepte sind. Theologie kann nichts über den Urknall oder die Evolution oder die Beschaffung der Stratossphäre aussagen, dies wäre eine methodische Grenzüberschreitung.
Aber entsteht dadurch nicht eine Art Doppelglauben im Bezug auf die Punkte , in denen sich religiöse Aussagen mit den wissenschaftlichen überschneiden und von ihnen unterscheiden ?
Oder wird da gefordert , die religiösen Aussagen immer soweit zurecht zu interpretieren , daß sie irgendwie mit den wissenschaftlichen Aussagen zusammenpassen ?
Also etwa beim Thema Kreationismus die religiöse Entstehungsgeschichte der Menschheit soweit umzuinterpretieren , daß sie sich nicht als historisches Ereignis darstellt , sondern als Metapher oder halt allgemein so , daß man Gottes Wirken immer noch irgendwo "draufsetzt" .
Aber ist dann nicht die komplette Religion eine Metapher ?
Sie relativiert sich doch damit selbst zu einem Versuch der Weltdeutung ; was sie m.E. ja auch ist , aber mir fehlt die Bescheidenheit im Bezug auf den Wahrheitsanspruch .
Ich verstehe nicht ganz , wie man religiös das eine glauben kann , aber wissenschaftlich das andere .
Das funktioniert doch eigentlich nur im Rahmen eines "Folklore-Vereins" innerhalb dessen man sich eben auf ein Weltbeschreibungsspiel einlässt , welches außerhalb des Vereins nicht gilt ...
Ich habe deinen "älteren Beitrag" damals schon gelesen , und immer wieder versucht , das zu begreifen . Ich komme da aber zu keinem Schluß .
Es wirkt auf mich wie ein arg konstruierter Versuch , die religiösen Aussagen doch noch irgendwie zu rechtfertigen .
Dabei muß ich sagen , daß sie m.E. durchaus gerechtfertigt sind , allerdings nicht im Maße dieses Wahrheitsanspruches , sondern lediglich als ein Weltbild von vielen , welches Menschen zu einer Einbettung in diese Welt verhelfen soll .
Vielleicht ist es mir ja entgangen , aber ich habe noch nirgendwo etwa den Papst sagen hören , daß das Christentum und die Bibel keinerlei Aussagen über die biologische Herkunft der Menschen und die physikalische Entstehung der Welt machen , sondern nur versuchen , die Rolle des Menschen in dieser Welt zu interpretieren , und dazu ein Glaubenskonstrukt anbieten .
Ich sehe da einfach einen Konflikt , und versuche zu begreifen , wie gläubige Menschen damit umgehen .
So hänge ich persönlich zwar noch dem Islam an , aber eher im Rahmen einer traditionellen Zugehörigkeit und im Rahmen eines Gefühls der Verbundenheit mit den Muslimen , was natürlich familiär und kulturell geprägt ist .
Die religiösen Weisheiten des Islam benutze ich aber tatsächlich nur "folkloristisch" , also bildlich im Bezug auf das jeweilige Thema .
Keineswegs aber sehe ich darin eine übergeordnete Wahrheit und auch keine Überlegenheit gegenüber anderen Religionen .

