19-03-2009, 13:23
(03-03-2009, 16:28)donots schrieb: Ich habe hier ein Text von den deutschen Bischöfen (schon etwas älter, 10-20 jahre) und darin steht folgendes:
"Der Mensch versteht sich als die Spitze der irdischen Schöpfung und die Welt als sein Haus, das er sich zu seinem Nutzen und Gewinn einrichtet. Aber in vermeintlich berechtigtem Eigeninteresse läuft er Gefahr, mit diesem Haus so umzugehen, dass es über ihm zusammenbricht und er hilflos und wehrlos alleinsteht. Nur in der Solidarität mit der anderen Schöpfung, nur im verantwortlichen Umgang mit Tier-, Pflanzen- und Sachwelt, kann er sich auf Dauer als Herr der Schöpfung erfahren, wird er nicht zum aus der Schöpfung ausgetriebenen Sklaven seines Herrenwahns. Man könnte über diese Situatuion das Wort schreiben: Schöpfungskrise"
Was denkt ihr, wodran liegt diese Schöpfungskrise?
es handelt sich lediglich dann um eine schöpfungskrise, wenn wir von einer schöpfung ausgehen. und zwar wäre das dann eine schöpfung, die „als ihre spitze“ ein wesen geschaffen hat, das zum einen so dumm und zum anderen auch wirklich in der lage ist, sich den eigenen ast abzusägen (so „dumm“ sind auch tiere – nur haben sie nicht die mittel des menschen, sodaß ihr beitrag zur „zerstörung der schöpfung“ per gnadenloser ausbeutung derselben ohne rücksicht auf längerfristige folgen in aller regel eben nicht zu ihrem eigenen aussterben führt)
was da als „schöpfungskrise“ bezeichnet wird, ist also nur eine krise der schöpfungsidee…
viel schlauer wäre es, den menschen nicht als „Spitze der irdischen Schöpfung“ zu betrachten und ihm damit irgendwelche sonderrechte einzuräumen (denn gerade diese vorstellung vom sich die erde untertan machen ist doch mit ursächlich für die ausbeutung der natur durch den menschen, ohne rücksicht auf die konsequenzen), sondern ihn als teil eines komplexen systems begreifen. welches im übrigen so komplex ist, weil es sich eigenständig und unter vielfachen rückkopplungen entwickelt hat, und eben nicht vorgedacht und hingebaut wurde
begreift sich der mensch tatsächlich als teil des unendlich komplexen systems „natur“ oder meinetwegen organismus „gaia“, so leuchtet ihm unmittelbar ein, daß alles, was er tut, folgen hat – welche er nie in ihrer vollständigkeit überblicken kann. es gilt also, vorsichtig zu sein mit allem, was man tut – und vor allem, gegenzusteuern, wenn man denn die problematischen folgen des eigenen handelns sogar schon erkennt (wir wissen ja nun z.b. schon alle, was die zunahme von co2 in der atmosphäre bewirkt, und machen trotzdem mit seiner produktion weiter). dem entgegen steht die typisch menschliche (also naturgegebene?) eigenschaft der spezies homo sapiens, eigennützig zu handeln.
„der klimawandel läßt den meeresspiegel steigen? mir doch egal – weder lebe ich in bangla desch, noch wird zu meinen lebzeiten europa überflutet…“
wir menschen denken (in aller regel) weder vernetzt noch langfristig. das ist das problem. und entweder lösen wir es (per flickschusterei, denn der große wurf eines neuanfangs ist uns nicht mehr möglich), oder die evolution rollt über uns hinweg und geht ohne uns weiter. der „schöpfung“ (nicht im christlichen sinne) wird es egal sein – die natur besteht weiter, entwickelt sich weiter, das leben wird überleben
