06-06-2009, 22:11
(06-06-2009, 13:37)Saldo schrieb: Ich möchte zunächst einmal hinterfragen, wieso "erfolgreich" (im letzten Absatz) jeglichen Zweifel ausschließt, dass die Axiomatik "angemessen" sei.
Und von welchem Wertmaßstab hier "erfolgreich" beurteilt wird
na, vom ergebnis her
daß die naturwissenschaft unsere realität äußerst zuverlässig beschreibt, wirst ja wohl auch du nicht leugnen
Zitat:Beispiel:
Ein Familienvater kann das Ziel haben, seine Kinder dazu zu bringen, Höchstnoten in der Schule zu bekommen.
Er beschneidet die Freizeit der Kinder, überprüft täglich ihre Tätigkeiten (wie weit sie den schulischen Zielen entsprechen) und Ähnliches.
Mit dieser Methode ist er sehr "erfolgreich", denn alle seine Kinder haben nun die Höchstnoten erreicht.
Dass seine Kinder aber einen Hass auf die Schule und das Lernen bekommen haben und psychisch schwer leiden, ist aus der Bewertung ausgeklammert, denn der "Erfolg" wird nur daran gemessen, ob die Methode das Ziel erreicht hat und nicht daran, welche unangenehmen Begleiterscheinungen sie mit sich führt.
Die "Angemessenheit" der Axiomatik" wäre also auf Grund einer anderen Perspektive in dem Fall gerade durch den Erfolg widerlegt
hat nur leider mit naturwissenschaft nicht das geringste zu tun
Zitat:Angewandt auf die naturwissenschaftliche Methode:
Sie kann theoretisch dadurch, dass sie "Wirklichkeit" nur auf Grund der genannten Kriterien definiert, eine ganze Kultur zum Zusammenbruch führen. Wobei selbstverständlich hier "Zusammenbruch" definiert werden müsste.
Die westliche Kultur wird von verschiedenen Kritikern als hochgradig neurotisch eingestuft, deren Ursache nicht zuletzt die Technisierung und Totalrationalisierung sei. Der westliche Mensch habe so sehr das Konkurrenzdenken verinnerlicht, dass er sich psychisch immer mehr schädige und immer häufiger "Behandlung" brauche.
Kulturkritiker sehen nicht selten einen geschichtlichen Zusammenhang, in dem die "Aufklärung" sich irgendwann in ihr Gegenteil verkehrt habe und nun genau diese Aufklärung verhindere.
Das bedeutet: "Erfolg" ist ein zweischneidiges Messer. Was in gewissen historischen Abschnitten sinnvoll und notwendig erschien, kann in späteren historischen Abschnitten die Weiterentwicklung der Kultur der Menschen drosseln.
Alarmzeichen sind unter anderem: steigende Radikalismen, die sich mit der "offiziellen Kultur" nicht mehr identifizieren können.
Die Gegenbewegungen gegen einen starren Rationalismus waren in der Geschichte stets neue Irrationalismen.
Statt diese Irrationalismen einfach zu verurteilen, wäre es sinnvoller, den starren Rationalismus zu hinterfragen und dessen Einseitigkeit zu erkennen.
Das zu dem "Erfolg" einer Methodik
deine mehr als spekulative (was dessen mutmaßliche folgen betrifft) ablehnung des rationalismus ändert nichts daran, daß die naturwissenschaft eben sehr erfolgreich und zuverlässig unsere realität beschreibt
der rest ist meinetwegen soziologie, auch wenn mir die einstufung der westlichen kultur als hochgradig neurotisch schon eher in die psychopathologie zu spielen scheint
(06-06-2009, 13:37)Saldo schrieb: Welchen Unterschied seht Ihr zwischen Geschichtswissenschaft und Naturwissenschaft? Oder seht Ihr keinen?
hast du das nicht grade versucht, auszuführen?
deer wesentlichste unterschied scheint mir zu sein, daß reproduzierbarkeit nicht möglichist, also keine experimentelle bestätigung möglich ist. es handelt sich ja immerhin um eine rein deskriptive wissenschaft ohne den anspruch, allgemeingültige gesetze formulieren und daraus auch vorhersagen treffen zu können
