(11-01-2010, 07:17)Dornbusch schrieb: historischer Jesus...
Das umfangreichste Quellenmaterial zum historischen Jesus sind die Evangelien und die Briefe des Neuen Testamentes.
Darüber hinaus gibt es praktisch keine.
Auch wenn man noch so lange Listen außerbiblischer Erwähnungen von einem Chrestus, der gekreuzigt worden sei, Christen, Chestianern, Christengemeinden und einige christlich interpolierte Stellen in historischen Schriften anführt.
All das gibt über den historischen Jesus keine Auskunft.
Dornbusch schrieb:Wir können davon ausgehen, daß die den Autoren bekannten Fakten über Jesus auch in ihren Texten verarbeitet sind.
Kann man davon ausgehen?
Nur dann, wenn man annehmen will, dass das, was ihnen aus der Gemeindetradition bekannt war, auch Fakten waren.
Dornbusch schrieb:Für die Bewertung historischer Quellen ist auch wichtig, wie groß der zeitliche und der örtliche Abstand zwischen Aufzeichnung und Ereignis war.
Für die Quellenbewertung ist es vor allem wichtig, zu berücksichtigen, zu welchem Zweck die Texte hergestellt wurden.
Dornbusch schrieb:Abstand zwischen Aufzeichnung und Ereignis war. Für die älteren Texte des NT haben wir einen zeitlichen Abstand von etwa einer Generation! Das ist nahe dran.
Wären die Evangelien als geschichtliche Texte verfasst worden, hätte das Argument Gewicht.
So ist es aber nicht!
Selbst innerhalb der theologischen Wissenschaft ist die Geschichtlichkeit Jesu das Ergebnis eines Verhandlungsprozesses. Die Annahmen, was nun gewesen ist oder gewesen sein könnte, liegen noch immer weit auseinander.
Auch in der historischen Wissenschaft sind Geschichtsbilder immer Ergebnisse der wissenschaftlichen Diskussion. Im Gegensatz zu Theologen orientieren sich Historiker in ihrer Forschungsarbeit aber weniger oft an den eigenen Erwartungen.
Als Instanz für theologische Letztbegründungen kann der historische Jesus jedenfalls nicht dienen, dafür muss man sich des kerygmatischen bedienen.
MfG B.
MfG B.

