(22-06-2010, 08:15)Lhiannon schrieb: Organisiertes Verbrechen hat für mich andere Kriterien als die Einflußnahme der Konzerne und Banken.
[...] Konzerne bedienen sich eher der Justiz.
Sie bedienen sich vor allem jener, die die Gesetze machen. Es ist das die eleganteste und risikoärmste Methode, sich ungerechtfertigt Geld und Gut anderer anzueignen.
Menschen legal auszuplündern, ist in der Sache nichts Neues. Davon abgesehen, dass das Fürsten und Adel über die Jahrhunderte betrieben hatten, war auch das, was (ab etwa dem 19. Jh) als Raubrittertum bezeichnet wird, unter Anwendung des Fehderechts im Grunde legales Handeln.
Vor nicht allzu langer Zeit rechtfertigten Politiker milliardenschwere Auffangnetze für marode Banken damit, dass ohne Banken die Weltwirtschaft nicht funktionieren könne.
Das stimmt natürlich! Die Banken werden gebraucht. Auf sie kann nicht verzichtet werden.
Die Frage, die sich stellt, ist eine andere: Braucht man auch raffgierige, unverantwortliche, machtbesessene Manager? Braucht man abgehobene, am Erfolg des Augenblicks orientierte, nur dem schnellen Geld und den Strategen der Chefetage verpflichtete Finanzjongleure? Darf sich ein dem Volk verpflichteter Politiker offenen Auges in die Hand von gewissenlosen Lobbyisten begeben?
NEWS.ORF.at schrieb:In den Verhandlungen über die Reform der Finanzmärkte haben führende Europaabgeordnete vor einer Übermacht der Lobbyindustrie gewarnt.
"Wir, die für die Regulierung der Finanzmärkte und des Bankgewerbes zuständigen europäischen Abgeordneten, stehen täglich unter dem Druck des Finanz- und Banksektors", hieß es in einem Aufruf von 22 Europaabgeordneten von Grünen, Sozialdemokraten, Liberalen, Linken und Konservativen.
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Es sei zwar in Ordnung, dass die Branche ihre Standpunkte bekanntmache. Aber "der Mangel an Gegenexpertise erscheint uns als eine Gefahr für die Demokratie". Denn es gehe um einen Kontext, "in dem die politische Elite und Finanzelite einander sehr nahestehen".
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Unabhängiger Sachverstand sei zu selten, betonte der Abgeordnete. "Ein Großteil der Experten steht bei Banken, Fonds oder anderen Finanzmarktakteuren in Lohn und Brot."
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Bereits im Herbst des Vorjahres kam die Studie des Netzwerkes Alter-EU zum Ergebnis, dass die Kommission gerade im Bereich der Finanzindustrie vor allem von Vertretern dieser selbst beraten wird. Die Studie wies erstmals den Einfluss der Finanzindustrie auf die europäische Finanzmarktregulierung nach.
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Der Mitautor der Studie und Experte der Lobby-Kontrollorganisation Corporate Europe Conservatory (CEO), Yiorgos Vassalos, warf Brüssel Anfang des Jahres in einem Interview mit der Website Euractiv Brüssel vor, völlig einseitig Berater zu engagieren. Sie versuche nicht einmal, unabhängige Ökonomen, die es sehr wohl gebe, zu finden. Sie überlasse sich den "Gelüsten der Finanzindustrie".
Kein Politiker darf behaupten, er wisse nicht, mit wem er sich einlässt!
Warum tun sie das, die Damen und Herren Volksvertreter? Welchen guten Rat meinen sie von jenen zu erhalten, um deren Privilegien es geht? Was für Vorteile erwartet die politische Elite für sich selbst?
Früher einmal waren sie dem Herrscher verpflichtet, dem Souverän, die Staatsdienerschaft, Politiker ebenso wie der Beamtenapparat! Im 20. Jh war es dann soweit. Das Volk war der Souverän (zumindest in Europa)! Das durfte man sich jedenfalls eine Weile lang einbilden.
Die eigentliche Macht, so scheint es, haben Volksvertreter (und Volk) abgegeben. An wen? Das ist nicht so ohne weiteres auszumachen! Wie mächtig multinational tätige Konzerne (und deren Manger) geworden sind, wurde Deutschland durch "General Motors" kürzlich vorgeführt.
Die Frage ist: Haben internationales Finanzkapital und multinational tätige Konzerne die "Weltregierung" bereits übernommen oder sind wir erst auf dem Weg dahin?
Wenn es um die Interessen jener Mächtigen an der Spitze von Großbanken und Konzernen geht, kann ihren Wünschen, ihrer Gier, davon bin ich überzeugt, kaum jemand mehr Einhalt gebieten. Kein Obama, kein Putin, keine Merkel, und politische Zwerge aus Klein- und Mittelstaaten, wie beispielsweise Österreich, schon gar nicht.
MfG B.

