09-07-2004, 19:26
Ekkard schrieb:...Es spricht unendlich viel dagegen und meines Wissens fast nichts für eine Geistinspiration oder sonstige außerweltliche Einflüsse. ... Unter allen Menschen, die je gelebt haben, gibt es keinen einzigen, der von sich behaupten könnte, geistig inspiriert worden zu sein - und schon mal gar nicht in der Menge, von denen man so hin und wieder gehört hat....
Wenn du es objektiv sehen willst, Ekkard,
stimme ich dir voll zu.
Ich meine aber dennoch,
dass jemand, der behauptet, er sei geistig inspiriert worden, das für sich mit gutem Recht glauben kann.
Wenn das Erlebnis alles bisher Dagewesene für ihn übersteigt, dann hat er seine subjektive Transzendenz.
Eine objektive lässt sich wohl nicht feststellen.
Den anderen, denen er davon erzählt,
nützt die subjektive "Geistoffenbarung" wenig,
denn das behaupten zu viele und niemand kann es überprüfen.
In meiner Sicht sollte gerade das Christentum,
das den Gott der Geschichte des alten Israels verehrt,
auf Erfahrung und Realismus, auf kritisches Denken und Skepsis gegenüber Mythen und transzendentalen Bildern setzen.
Wir verkünden die Botschaft:
Gott offenbart sich in dem Menschen Jesus von Nazareth. An seinen Taten der Liebe können wir mit allen Sinnen erfahren, dass seine Botschaft der Bergpredigt funktioniert, Segen bringt, Frieden und Gerechtigkeit schafft usw.. Alles Merkmale, die man erlebt, hier und heute in unserer Welt.
Ebenso können wir objektiv zeigen,
dass die Welt vor die Hunde geht und die Menschheit in Ungerechtigkeit verkümmert, die Schöpfung verrottet, wenn wir die Botschaft Jesu nicht in die Tat umsetzen (siehe Matthäus 5-7; oder Matthäus 25,31-46).
Und was machen die religiösen Dogmatiker?
Sie erklären Jesus zum Gott, nehmen ihm damit die Vorbildfunktion (wer will schon auch Gott werden?), nehmen ihm seine realistische Offenbarung des Vaters und katapultieren alles wieder in einen mythischen Bereich, der die Bilder des alten Heidentums benutzt:
Ein blutiges Opfer soll Gott versöhnen, der schon den alten Israeliten Vergebung ohne jedes Opfer zugesagt hat, Geisterscheinungen tun Gottes Willen kund, Reliquien werden im kath. Bereich angebetet, Monstanzen über die Felder getragen usw.. Das Heidentum mit seiner mythischen Transzendenz feiert fröhliche Urständ!
Wenn Gott das gewusst hätte,
hätte er es sich vielleicht anders überlegt! :P
"Tradition ist die Weitergabe des Feuers, nicht die Anbetung der Asche!" (Gustav Mahler nach Thomas Morus)


