15-07-2004, 11:50
th0rn schrieb:hmm, nur verstehe ich nicht, wieso ein geist gottes, was auch immer das sein soll, aktualisiert werden muss, wenn ich regeln aufstelle, dann gelten die bis ans ende, ob der mensch irgendwann mal anders denkt spielt doch eigentlich keine rolle, oder wie?:)Daran siehst du, lieber Thorn, und auch du, liebe Selene,
dass ihr die Lebendigkeit und Dynamik einer Religion wie das Christentums noch nicht durchschaut habt.
Gottes Geist, der ewig gleich wirkt,
ist der Geist der Liebe und Gerechtigkeit.
Aber Liebe und Gerechtigkeit müssen sich doch aktuell unter den Bedingungen einer Gesellschaft und eines Weltbildes bewähren und dort die Probleme lösen.
Schade, dass du die Bergpredigt nicht gelesen hast,
dann würde dir klar, warum Jesus vielen Geboten sein "Ich aber sage Euch..." entgegenhält.
In der Zeit der Landnahme Israels (ca. 1200 v.Chr.) war es schon sehr gerecht und von Liebe getragen, zu verlangen, es dürfte nur "Auge um Auge, Zahn um Zahn" gerichtet und bestraft werden. Damals wurden für die kleinsten Vergehen Todesstrafen vollzogen und Rache kannte keine Grenzen.
In der Zeit Jesu, in der "Auge um Auge, Zahn um Zahn" die Regel und diese Praxis auch im Alltag gebräuchlich war (wie ja auch bei uns), da verlangt Jesus mehr von seinen Anhängern, nämlich lieber Unrecht zu erdulden, als Gleiches mit Gleichem zu bestrafen.
Entsprechend ist es mit den Appellen des Paulus.
Zu seiner Zeit der Sklavenhaltergesellschaft und des Untertanentums forderte er: "Ein jeder sei untertan seiner Obrigkeit, denn es gibt keine außer von Gott!"
In unserer Demokratie ist das sinnlos geworden oder muss anders interpretiert werden, sonst werden wir unserer Verantwortung nicht gerecht.
Es gibt noch Unmengen solcher Aktualisierungsbedürfnisse.
Da liegt unsere Verantwortung als mündige Kinder Gottes. Einfach machen, was vor 3000 Jahren gerecht war, ist nicht immer im seinem Geist und Sinn.
Wer von Gott ein Gesetzbuch erwartet,
das kleinste Details auflistet und für alle Ewigkeiten festschreibt, der liegt falsch! Das wäre genau die sog. jüdische Kasuistik, gegen die Jesus vorgeht.
Glaube ist lebendig und entwickelt sich.
Was erstarrt, stirbt.
"Tradition ist die Weitergabe des Feuers, nicht die Anbetung der Asche!" (Gustav Mahler nach Thomas Morus)


