10-12-2004, 12:54
cerridwen schrieb:....diese Vebalinspiration der 10 gebote etc. scheint mir weder logisch noch glaubenswert. Und das zeigt mir immer wieder, dass ich die Bibel nicht wörtlich nehmen darf, sondern sie interpretieren muss. Und wenn ich das tue, stelle ich fest, dass doch allen Religionen etwas gemein ist und auch, dass hinter den worten eine andere, tiefsinnigere Wahrheit steckt....Cerridwen (eine Sie)So sehen das auch kritische Theologen beider christlicher Konfessionen, cerridwen,
deine Sicht ist also alles andere als "heidnisch".
An die Stelle der "Verbalinspiration"
oder anderer Axiome und Konstruktionen,
die sowieso niemand belegen oder beweisen kann,
sollte man lieber den nach Gott, d.h. nach seiner Lebensbasis Suchenden setzen,
der seine Erfahrungen und Erkenntnisse bekennt.
Die 10 Gebote sind dann die Antwort,
die die Stämme Israels auf ihre Frage nach dem, was ihr Leben garantiert, von dem der Bestand ihres Volkes abhängt,
gefunden haben
und dann auch als "Heiligtum" in einer Holzkiste (Bundeslade) mit sich trugen und verehrten.
Man sollte sich das auch religionsgeschichtlich als Entwicklung vorstellen:
Da setzt ein Stämmebund an die Stelle, an der seine Nachbarvölker Tierbilder u.ä. verehren, einen Katalog von Gesetzen, die soziale Gerechtigkeit und die Verpflichtung zu deren Verehrung mit der ganzen menschlichen Person setzen!
Damit ist gesagt:
Leben entsteht und wird erhalten, wenn es sozial gerecht zugeht, niemand "tötet, stiehlt, lügt" usw..
Hier erfahren wir unseren Gott: Im Halten der Gesetze, d.h. in der Praxis der Gerechtigkeit, nicht in einem konstruierten Kult (der allerdings später dazu kam und für das Gemeinschaftsgefühl wohl auch wichtig ist).
Du hast auch hier Recht: Da entdecken wir viele Gemeinsamkeiten mit anderen Religionen
(siehe das "Welt-Ethos-Projekt von Hans Küng:
www.weltethos.org)
Dass die Verehrer der 10 Gebote dann die Bilderwelt der damaligen Zeit
für ihre Mythen u.a. Formen des Glaubensbekenntnisses zur Veranschaulichung nutzten,
ist zwangsläufig, sie wurzelten in ihrem Bewusstsein und sonst hätte sie niemand auch verstanden.
Aber es sind Bilder und Symbole, nicht Tatsachenberichte.
Du hast völlig Recht,
dass sie zu interpretieren, d.h. in unsere Vorstellungswelt zu übertragen sind, sonst erfasst man ihren Sinn nicht.
Jesus will laut Bergpredigt keine andere Gottesvorstellung,
sondern die alte Tora (Gesetz) erfüllen, die Gottes- und Nächstenliebe als Kern und Zusammenfassung allen Umgangs mit Gott sehen und leben.
Die christlichen Kirchen können da vom Judentum einen hilfreichen Realismus lernen:
Wenn wir von Gott reden, sollten wir immer von unseren Erfahrungen auszugehen, statt uns in mythischen Konstruktionen zu ergehen.
Wir erkennen nur, was uns und unseren Erfahrungen zugänglich ist!
Nur darüber können wir etwas sagen. Darüber hinaus Gehendes muss nicht geleugnet werden, sondern offen bleiben.
"Tradition ist die Weitergabe des Feuers, nicht die Anbetung der Asche!" (Gustav Mahler nach Thomas Morus)


