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Masoreten - Sadduzäer oder Pharisäer ?
#1
Vertraten die Masoreten die sadduzäische Position der Priesterpartei oder die pharisäische Tradition ?


Immer wieder stößt man auf die berühmten Masoreten.
Ich suchte nun und fand einen Wikipedia Artikel dazu, möchte aber anmerken, daß bei derartigen heiß umstrittenen Spezialfragen (die die Thematik
des Talmud berühren) auch Lexika oft nicht sehr verläßlich sind, da niemand für Objektivität garantieren kann.


"Die Masoreten
Als Masoreten bezeichnet man zwei mittelalterliche Gruppen jüdischer Kopisten und Bearbeiter von Bibelhandschriften: zum einen Schreiber aus der babylonischen Diaspora (östliche Masoreten), zum anderen Rabbiner aus Galiläa (westliche Masoreten).

Die östlichen Masoreten waren Nachfolger gelehrter Juden, die schon vor 100 einflussreiche Lehrhäuser im Zweistromland gebildet hatten: vor allem in Sura, Nehardea (bis 259) und Pumbedita. Sie standen den Karäern nahe, die die in Mischna und Talmud gesammelte rabbinische Auslegungstradition ablehnten und nur den Tanach selbst als Heilige Schrift gelten ließen. Sie breiteten sich seit dem 8. Jahrhundert von Babylonien aus im Mittelmeerraum aus und gewannen auch in Palästina Einfluss.

Unter den westlichen Masoreten wurden die zwei Familien Ben Ascher und Ben Naftali aus Tiberias besonders bekannt. Sie entwickelten zwischen 780 und 930 ein eigenes System, um den ihnen überlieferten Bibeltext zu prüfen, gegen Abschreibfehler zu sichern, seine Aussprache festzulegen und vor willkürlichen Eingriffen zu schützen. Dieses System wurde in Europa vorherrschend." Masoretischer Text - Wikipedia

Sollte der Wikipedia Artikel die Wahrheit sagen, so gab es zwei gegensätzliche Linien von Masoreten
1.) Eine Linie von Masoreten, die den Talmud ablehnten, somit keinesfalls Pharisäer waren und von den Sadduzäern (die Partei der Hohepriester des Tempels bis 70) stammten.

2.) Eine Linie von Masoreten, die in den Jahren 700 bis 1000 wirkte, dem talmudischen Judentum angehörte, und später vom Rabbi Maimonides unterstützt wurden.
Das von ihnen zwischen 780 und 930 entwickelte System (zählen der Buchstaben pro Zeile mit Notiz am Rande) hatte die Absicht, Abschreibfehler zu verhindern.

----

Einen interessanten Hinweis gibt die Jewish Encyclopedia
MASORAH:
Origin.
"Origin.
From the statements in Talmudic literature to the effect that there was deposited in the court of the Temple a standard copy of the Bible for the benefit of copyists, and that there were paid correctors of Biblical books among the officers of the Temple (Ket. 106a); from the fact that such a copy is mentioned in the Aristeas Letter (§ 30; comp. Blau, "Studien zum Althebr. Buchwesen," p. 100); from the statements of Philo (preamble to his "Analysis of the Political Constitution of the Jews") and of Josephus ("Contra Ap." i. 8) that the text of Scripture had never beenaltered; finally, from the fact that there seem to have been no differences of readings between Pharisees and Sadducees, it may be concluded that the Scriptural text, at least as much as then belonged to the canon, was already fixed, at the latest, about 200 B.C. and perhaps a century earlier"

Interessant das Statement "the fact that there seem to have been no differences of readings between Pharisees and Sadducees" im obigen Text

Laut Jewish Encyclopedia gab es also keine unterschiedlichen Lesarten zwischen pharisäischem und sadduzäischem Text.

Die Masoreten beider Linien ("Östliche" Sadduzäer und "Westliche" Pharisäer) verwendeten wohl denselben alten hebräischen Urtext zur Abschrift.
Die "Östlichen" (sadduzäischen) wirkten etwa ab dem Jahre 80 bald nach der Zerstörung des Tempels
Die "Westlichen" (pharisäischen) wirkten ab dem Jahre 700 und entwickelten dann zwischen 780 und 930 ihr System der Rechtschreibkontrolle

Die griechischsprachige Septuaginta aus Alexandria wurde abgelehnt.

Zum oben erwähnten Philo fand ich folgende Anmerkung:
Philon von Alexandria - Wikipedia
Vermittlerrolle zwischen Judentum und Hellenismus
"Interessant ist, dass Philo wohl kaum Hebräisch konnte"

Daß die griechischsprachige Septaguinta abgelehnt wurde, ist nachvollziehbar, denn sie holte vor lauter Vermittlerrolle zwischen Judentum und Hellenismus Wörter der indogermanischen Begriffswelt in den Tanach, die hier nicht paßten. Ein Angelos ist eben kein Malach, die Psyche ist was anderes als Nephesch (Seele im religiösen Sinn des Tanach), Hades ist ganz was anderes als der Scheol der altsemitischen Begriffswelt

Interessant wäre, ob die Eingangs gestellte Frage "Vertraten die Masoreten die sadduzäische Position der Priesterpartei oder die pharisäische Tradition ?" sinnvoll beantwortet werden kann.

War der Begriff "Masoret" ein systemindifferenter Begriff ?

Masoret als neutraler Gattungsbegriff ?

Masoret stammt von Masorah und ist schwer verständlich
"For a full discussion of the meaning and history of the word see Bacher in "J. Q. R.," iii. 785, and C. Levias in the "Hebrew Union College Annual" for 1904."
Jewish Encyclopedia
MASORAH:
Etymology of the Name

Vielleicht sollte man wirklich die genannten Studien lesen.
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#2
Da die 30 Minuten Korrekturzeit vorbei sind, nun ein Nachtrag:

Selbstverständlich waren die Sadduzäer als Partei der ehemals mächtigen Tempelpriesterschaft mit der Zerstörung des Tempels ruiniert, denn die Tempelpriester konnten außerhalb Jerusalems keinen Tempelkult ausüben.
In Mesopotamien (Sura, Nehardea,  Pumbedit) durften sie keine Opfer bringen.
Sie wurden alsbald zur bedeutungslosen Oppositionsgruppe gegen die immer mächtiger werdende rabbinische Auslegungstradition, die schließlich im Talmud mündete

Die Schüler der Sadduzäer waren keine Angehörigen der Sadduzäer Partei mehr, da diese mit der Zerstörung des Tempels untergegangen war

Die Lehre der Sadduzäer lebte jedoch hartnäckig als Minderheitsmeinung weiter und der Talmud setzte sich mit ihr auseinander:
"Da zudem die rabbinischen Texte gegen die Sadduzäer polemisieren, ist es nicht unwahrscheinlich, dass es auch nach 70 noch Menschen gegeben hat, die sich Sadduzäer nannten."
Sadduzäer - Wikipedia

Die Jewish Encyclopedia gibt hier Auskunft:
SADDUCEES:
In Literature.
"In rabbinical literature careful discrimination must be made between the tannaitic period and that of the Amoraim."

Ein lange Studie, zu lange um hierher kopiert zu werden. Wer sich interessiert, kann das ja selbst in der Jewish Encyclopedia lesen.
Interessant jedenfalls die Trennung in tannaitische und amoräische Periode
Die Bruchlinie war etwa im Jahre 220

Die Meinung des rabbinischen Judentums zu den SADDUCEES änderte sich um 220 stark
Vor etwa 220 wurden sie noch respektiert (die Erinnerung an den Tempel wirkte im kollektiven Gedächtnis noch nach) - aber nach 220 wurden sie zunehmend als Herätiker gebrandmarkt.
Grund: Ablehnung der "mündlichen Lehre" der Rabbiner, Leugnung der Auferstehung, Leugnung der Existenz von Malachim
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#3
(20-10-2018, 20:50)Sinai schrieb: Die griechischsprachige Septuaginta aus Alexandria wurde abgelehnt.

Zum oben erwähnten Philo fand ich folgende Anmerkung:
Philon von Alexandria - Wikipedia
Vermittlerrolle zwischen Judentum und Hellenismus
"Interessant ist, dass Philo wohl kaum Hebräisch konnte"

Daß die griechischsprachige Septaguinta abgelehnt wurde, ist nachvollziehbar, denn sie holte vor lauter Vermittlerrolle zwischen Judentum und Hellenismus Wörter der indogermanischen Begriffswelt in den Tanach, die hier nicht paßten. Ein Angelos ist eben kein Malach, die Psyche ist was anderes als Nephesch (Seele im religiösen Sinn des Tanach), Hades ist ganz was anderes als der Scheol der altsemitischen Begriffswelt.

Du wiederholst diese These zwar dauernd, sie ist aber abwegig. Die Septuaginta beruhte auf einer der drei separaten hebraeischen Texttraditionen des Tanach, wie wir aus Qumran wissen.

Der Grund fuer die spaetere Ablehnung der Septuaginta durch das neu entstandene rabbinische Judentum ist viel banaler. Mit dem Untergang eines Grossteils des Judentums im Roemischen Reich, vor allem der Venichtung einiger juedischer Hauptsiedlungsgebiete wie Aegypten, der Kyrenaika oder Zypern im 2. jüdisch-römischen Krieg, wurde die Septuaginta nur noch von Christen verwendet und ueberliefert, denn hellenistische Juden gab es nicht mehr. Die Septuaginta wurde also zur Zeit der Masoreten als christliches Buch betrachtet, und deshalb wurde sie abgelehnt. Diese Ablehnung gab es in den Zeiten davor nicht.

Man sollte sich generell davor hueten, Ideen und Konzepte des rabbinischen Judentums auf die Zeit des 2. Tempels zurueckzuprojizieren. Das fuehrt haeufig zu vollkommen falschen Ideen und vergisst, dass das rabbinische Judentum genau so eine neuartige Religion war wie das Christentum. Insofern muss man auch nicht dauernd versuchen, Gruppierungen des rabbinischen Judentums in das Korsett untergegangener Parteien Judaeas zu zwaengen.
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#4
(21-10-2018, 00:55)Ulan schrieb:
(20-10-2018, 20:50)Sinai schrieb: Daß die griechischsprachige Septaguinta abgelehnt wurde, ist nachvollziehbar, denn sie holte vor lauter Vermittlerrolle zwischen Judentum und Hellenismus Wörter der indogermanischen Begriffswelt in den Tanach, die hier nicht paßten. Ein Angelos ist eben kein Malach, die Psyche ist was anderes als Nephesch (Seele im religiösen Sinn des Tanach), Hades ist ganz was anderes als der Scheol der altsemitischen Begriffswelt.

Du wiederholst diese These zwar dauernd, sie ist aber abwegig.


Die Bezeichnung "abwegig" ist hier schon etwas dick aufgetragen
Es ist zwar bekannt und wohl auch selbstverständlich, daß die griechischsprachige Septuaginta auf einem original hebräisch- und stellenweise aramäischsprachigen Tanach basierte, worauf denn sonst, aber sie ging in ihrer Übersetzung zu weit.
Daß die 70 Gelehrten den Text vom Hebräischen und stellenweise Aramäischen ins Griechische übersetzten, war für die griechischsprachigen Juden Alexandrias wünschenswert und sinnvoll, aber es wurden auch mythologische Begriffe verbogen
Die Jenseitsvorstellung der Griechen war keineswegs vergleichbar mit der Vorstellung der altsemitischen Begriffswelt.
Unter Scheol stellten sich die Hebräer etwas ganz anderes vor, als der durch Homer in der Odyssee beschriebene Hades der griechischen Begriffswelt war.

Und die nicht wenigen Griechisch sprechenden Juden verwendeten die bereits in zwei Versionen existierende Septuaginta noch jahrhundertelang nach Entstehung des Christentums.
"Beide Versionen des griechischen Textes waren im Griechisch sprechenden Judentum bis ans Ende der Antike in Gebrauch. Erst am Ende der Antike wurde unter palästinisch- bzw. babylonisch-rabbinischem Einfluss das Griechische durch das Hebräische als gottesdienstliche Sprache verdrängt." Septuaginta - Wikipedia

Das heute noch geltende Wort "Synagoge" stammt aus dieser Zeit
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#5
Das ist jetzt wieder nur eine Wiederholung der Behauptung. Zitiere doch mal einen Gelehrten, der Deine These verteidigt, dass die Uebersetzung vom Hebraeischen ins Griechische bei Begriffen zur Unterwelt oder Engeln irgendwie als Problem gesehen wurde.

Dass die Septuaginta nur noch christlich ueberliefert wurde, ist klar. Sie wurde schon in antiken Zeiten durch christliche Kreise dem masoretischen Text naehergebracht, so dass wir die Septuaginta in der Originalform sowieso nicht mehr haben. Was Du da von Wikipedia zitierst, ist mit meiner Aussage vereinbar. Das Ende der Antike wird irgendwo zwischen den Jahren 395 (Reichsteilung) und 632 (islamische Eroberung) angenommen; meist wird der Tod Justinians (565) als Datum genannt. All das ist lange vor den Masoreten.

Diese Wertschaetzung des Hebraeischen ist so quasi ein neues Phaenomen des Mittelalters. Da Hebraeisch seit etwa 200 n.Chr. eine tote Sprache war, bekam es als Sakralsprache eine ueberhoehte Sonderstellung. Das ist aehnlich wie manche Katholiken, die gerne Latein im Gottesdienst sehen wuerden, weil das so "heilig" wirkt.

Bitte die Frage nach dem Zitat fuer Deine Aussage nicht uebersehen.
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#6
"Doch je länger je mehr lehnt das rabbinische Judentum eine griechische Übersetzung der Tora grundsätzlich ab." Septuaginta :: bibelwissenschaft.de


----------------


Nun wieder zum Thema des Threads, den Masoreten:
(21-10-2018, 11:07)Ulan schrieb: Was Du da von Wikipedia zitierst, ist mit meiner Aussage vereinbar. Das Ende der Antike wird irgendwo zwischen den Jahren 395 (Reichsteilung) und 632 (islamische Eroberung) angenommen; meist wird der Tod Justinians (565) als Datum genannt. All das ist lange vor den Masoreten.

(20-10-2018, 20:50)Sinai schrieb: "Die Masoreten
Als Masoreten bezeichnet man zwei mittelalterliche Gruppen jüdischer Kopisten und Bearbeiter von Bibelhandschriften: zum einen Schreiber aus der babylonischen Diaspora (östliche Masoreten), zum anderen Rabbiner aus Galiläa (westliche Masoreten).

Die östlichen Masoreten waren Nachfolger gelehrter Juden, die schon vor 100 einflussreiche Lehrhäuser im Zweistromland gebildet hatten: vor allem in Sura, Nehardea (bis 259) und Pumbedita. Sie standen den Karäern nahe, die die in Mischna und Talmud gesammelte rabbinische Auslegungstradition ablehnten und nur den Tanach selbst als Heilige Schrift gelten ließen. Sie breiteten sich seit dem 8. Jahrhundert von Babylonien aus im Mittelmeerraum aus und gewannen auch in Palästina Einfluss.

Unter den westlichen Masoreten wurden die zwei Familien Ben Ascher und Ben Naftali aus Tiberias besonders bekannt. Sie entwickelten zwischen 780 und 930 ein eigenes System, um den ihnen überlieferten Bibeltext zu prüfen, gegen Abschreibfehler zu sichern, seine Aussprache festzulegen und vor willkürlichen Eingriffen zu schützen. Dieses System wurde in Europa vorherrschend." Masoretischer Text - Wikipedia

Wir sehen, daß die östlichen Masoreten schon vor 100 einflussreiche Lehrhäuser im Zweistromland gebildet hatten.
Jahrhunderte vor dem Ende der Antike
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#7
(21-10-2018, 12:57)Sinai schrieb: ..., daß die östlichen Masoreten schon vor 100 einflussreiche Lehrhäuser im Zweistromland gebildet hatten.
Jahrhunderte vor dem Ende der Antike

Diese Schlussfolgerung ist falsch.

Das Regelwerk für die korrekte Lese- und Schreibweise des Konsonantentexts der hebräischen Bibel u. seiner Punktation trägt die Bezeichnung "Masora".

Die Arbeiten, die zum verbindlichen Text der hebräischen Bibel geführt haben, fanden vom 5. bis  ins 9. Jh statt. Nur die Gelehrten, die in diese Arbeiten eingebunden waren, tragen die Bezeichnung "Masoreten".
MfG B.
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#8
(21-10-2018, 13:48)Bion schrieb: Diese Schlussfolgerung ist falsch.

Natürlich kann ich nicht garantieren, daß die Aussage im Wikipedia, wonach die östlichen Masoreten "schon vor 100 einflussreiche Lehrhäuser im Zweistromland gebildet hatten", richtig ist.

(20-10-2018, 20:50)Sinai schrieb: "Die Masoreten
( . . . )
Die östlichen Masoreten waren Nachfolger gelehrter Juden, die schon vor 100 einflussreiche Lehrhäuser im Zweistromland gebildet hatten"
Masoretischer Text - Wikipedia
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#9
(21-10-2018, 12:57)Sinai schrieb: "Doch je länger je mehr lehnt das rabbinische Judentum eine griechische Übersetzung der Tora grundsätzlich ab." Septuaginta :: bibelwissenschaft.de

Das war nicht die Frage. Das geforderte Zitat steht noch aus.

(21-10-2018, 14:11)Sinai schrieb:
(21-10-2018, 13:48)Bion schrieb: Diese Schlussfolgerung ist falsch.

Natürlich kann ich nicht garantieren, daß die Aussage im Wikipedia, wonach die östlichen Masoreten "schon vor 100 einflussreiche Lehrhäuser im Zweistromland gebildet hatten", richtig ist.

(20-10-2018, 20:50)Sinai schrieb: "Die Masoreten
( . . . )
Die östlichen Masoreten waren Nachfolger gelehrter Juden, die schon vor 100 einflussreiche Lehrhäuser im Zweistromland gebildet hatten"
Masoretischer Text - Wikipedia

Das Zitat von Wikipedia beweist, dass Deine Aussage falsch war. Versuche doch mal, richtig zu lesen.
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#10
(20-10-2018, 20:50)Sinai schrieb: "Die Masoreten
( . . . )
Die östlichen Masoreten waren Nachfolger gelehrter Juden, die schon vor 100 einflussreiche Lehrhäuser im Zweistromland gebildet hatten"
Masoretischer Text - Wikipedia


Meine Folgerung lautete:

(21-10-2018, 12:57)Sinai schrieb: Wir sehen, daß die östlichen Masoreten schon vor 100 einflussreiche Lehrhäuser im Zweistromland gebildet hatten.
Jahrhunderte vor dem Ende der Antike
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#11
Ja, und die Folgerung ist offensichtlich falsch, wie ich bereits festgestellt habe. Das Zitat besagt etwas anderes. Wie Bion bereits sagte, gab es keine Masoreten vor dem 5. Jhdt. n. Chr., und das Wikipedia-Zitat passt zu Bions Aussage, nicht zu Deiner.

Deine Argumentation, bzw. das Fehlen derselben, wird uebrigens langsam aber sicher aergerlich.
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#12
Schalom allerseits Icon_lol 
- generell ueberlebte das rabbinische Judentum ab 70 ndZ im Roemerreich dadurch, dass der Feldherr von der Eroberung dem gelehrten, alten Pharisaeer Johhanan ben Zaqqaj ein Stueckchen Land, das zur "Schatulle" der Kaiserin gehoerte, aus herodianischen Landbesitz her, nicht zum Staat Judaea gehoerte, zuwies, um dort seine "Weinerg" genannte Schule zu errichten samt einem Frei-Gericht, um die juedische Lehre der Zeit vor Herodes I Koenig v Judaea, welche dieser autokratische Koenig (40 vdZ eingesetzt von Republik Roms "Gnaden") juristisch entmachtet hatte (der Hohe Rat, Sanhedrin der Herodianer, war nicht mehr rechts-relevant, es wurde nach dem Tod von Hillels Kollegen-Schul-Oberhaupt Schammaj kein "Aw Beth Din" mehr nach-bestellt, der auch zur weltlichen Rechtsprechungs-Regelung fungierte), wieder anzuknuepfen. So erreichte 1 Nachkomme Patriarch Hillels spaeter auch noch einen roemisch anerkannten Fuersten-Status zu Tiberias in Galilaea. Das kaiser-christliche Rom zog den Patriarchen-Titel ein und vergab ihn an den roem.-kath. Bischof v Jerusalem. 
- Um nach roemisch-jurist. Prinzip Glaubens-Gemeinschaft mit eignem Hl Buch sein zu koennen, wurden nur Bibel-Buecher, welche in Hebraeisch vorlagen, "kanonisiert". Schon vorher waren zwar griechische Uebersetzungen, vom Aegypter-Koenig als "weise Lehre" befuerwortet, und aus hellenistischem Aspekt zur Missionierung verwendet worden, wurden aber schon z.Zt. Rabbi Aqiwas (1.Jhd ndZ) mit Skepsis gesehn, weil jede Uebersetzung eine etwas Willkuer-anfaellige Inhalts-Angabe sein kann, ebenso die aramaeische und alle andren, worin man rabbinische Gebots-Belege und einige Auslegungs-Regeln (7 logische Beweis-Regeln, welche nicht auf die 4 des Aristoteles kuerzbar sind) nach Hillel d.A. (er lehrte ca 40 vdZ bis ca 10 ndZ in Jerusalem, plus Jericho, je 1/2 Jahr im Wechsel - der riet schon vom Missionieren der uebersetzten Lehre ab, weil es Neulingen kaum moeglich sein wuerde, das Thorah-Gesetz so wie am Sinai abgemacht, zu halten, was aber noetig sei, um Fremd-Besatzer mit G0TTES Hilfe loszuwerden), spaeter 13 nach Rabbi Ischmael (der auch hebr. Formulierungs-Praxis als Beweis fuer etwas "im Text-Gemeintes" gelten laesst) nicht nachvollziehen und nicht erstellen kann, weil diese sich oft auf kleinste Hinweise im Original-Text beziehen. 
"Hellenistische" Juden (in Apostel-Zeit wohl als "Philosophen" aufgefasst, egal ob vom Heiligtum oder vom Volk her) gingen spaeter wohl fast alle ins Christentum auf, dem ja die Septuaginta genuegte, zumal alle Provinzen Roms Griechisch als Amts-Sprache herumbrachten, und wie von Euch schon erwaehnt: "Sadduzaeer" hatten ohne das Heiligtum ja keine Basis mehr als Schule oder Partei, so blieben als eigentliche "Juden" im Roemer-Reich die Pharisaeer des "Westens" und "Ostens" uebrig, und ausserhalb dessen die Babylonische Judenschaft als "oestliche", in Mischna und Talmud ja stets und auf immer eng verknuepft - was eben auf dem Hebraeischen Thanahh basiert. 
Den Masoreten verdanken wir die Aussprache-und-Singe-"Puenktchen" am hebr. Text, worin es dann Unterschiede bei "Sephardim" (ueberwiegend suedlich des Roemer-Reichs) und "Aschkenazim" (wir hier im Norden bis nach Russland hinein) gibt, beide sind korrekt rabbinisch, "pharisaeisch", man rechnet das zu "Minhag", Sitte, Brauch, da hat der Gast aus Hoeflichkeit den vorgefundenen Brauch vor Ort zu befolgen, statt auf seinem zu beharren. 
- Uebrigens - "Karaeer /Karaiten" sind ein im spaeteren Wieder-Jerusalem entstandener Sonderfall von "sola scriptura" (aehnlich Sadduzaeern, aber personell eher nicht von denen ableitbar), die sich zunaechst im Osmanen-Reich in der heutigen Tuerkei als regionale "Sekte" erhielten (es gibt sie noch, ich traf einen in Frankfurt /Main, es ist heute doch kein Problem, ansonsten am juedischen Gemeinschafts-Leben teilzunehmen - interne "Oikumene" gibt es ja auch auf juedisch, *g*) 
Dass Sadduzaeer zur Apostel-Zeit eine andre Theologie vertraten, zeigt sich auch daran, dass die "Zelotes" (Eiferer), die um des Tempels willen das Hl Land in 2 Untergangs-Kriegen gegen Rom aufstaendisch machten, aus deren Partei kamen, waehrend Pharisaeer aus der Schule Hillels es immer wieder zu verhindern suchten, einen Kampf zu fuehren, wenn man im juedischen Volk ueberwiegend die "613"-Gebote nicht beachtet - es war doch vor Moses und vor Josua 2x versprochen vom ganzen Volk, sie "mit Bedingung beiderseits" zu befolgen, d.h.wenn Israel hoert, dann wird Der HERR auch Fremd-Herrschaften abzuschuetteln helfen. Daher gab es auch bekannte pharisaeische Cohanim nebst sadduzaeischen. - Der Tempelschaft war ja zeitweise die Parallelitaet zu andren Hohepriestern z.B dem roemischen, bedeutender und wertvoller als die eigne Thorah-Lehre (ein paar Hohepriester von Roms "Gnaden" konnten nichtmal soviel Hebraeisch, um die wenigen Hl Texte am Hoechsten Feiertag Jom Kippur aufzusagen, die nur er sagen kann, da setzten sich die Tage und Naechte vorher Rabbinen mit ihm zusammen und uebten das ein). 

- das wollte ich nur nochmal vor-sortieren helfen. 
Schalom - Pax - Salaam 
mfG Wit 
(/*-*]  ,)));
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