Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Musiktheorie
#1
(27-08-2021, 22:32)petronius schrieb: ich habe "keinen Schimmer vom Aufbau der Musik-Gesetze" und weiß doch ein gutes jazzstück seht zu schätzen. auch und vor allem, wenn es sich nicht um "musik-gesetze" schert. aber manche sind halt bei glenn miller stecken geblieben...

nein, das ist ein irrtum. jazz ist nicht formal festgelegt - ganz im gegenteil. beim jazz gehts ums gefühl, nicht um das abspielen von "musik-gesetzen"

Hallo petronius,

wer so ehrlich wie Du anmerkt, dass er keinen Schimmer vom Aufbau der Musik-Gesetze hat, dem höre ich (praktizierender Gitarrenlehrer) besonders aufmerksam zu, wenn er völlig laienhaft "daherfabuliert", Jazz sei nicht formal festgelegt. -
Jazz hat als Basis stets eine festgelegte Akkordfolge, welche vom Spieler streng beachtet werden muss, da sonst kein gemeinsames Musizieren in einer Band oder einem Orchester möglich wird.

Zu einer vom Komponisten vorgegebenen Akkord-Folge, über welche dieser das sog. "Thema", als festgelegte Solo-Stimme geschrieben hat, kann nun jeder Musiker seine eigene Improvisation spielen. Dabei muss er aber nicht nur die gegebenen Takteinteilungen der Akkorde genauestens beachten, sondern auch die entsprechenden Modi verwenden - kann also z.B. über einen Dur-Akkord nicht eine Aeolische Skala spielen, welche nur über einen Moll-Akkord gut klingt. Bei einem Septim-Akkord wird z.B. gerne die Pentatonik-, die Blues- od. die Mixolydische Skala gespielt.
Selbst das Ohr eines Laien würde es sofort als "falsch/schräg" empfinden, würde ein Musiker einen solchen Septim-Akkord mit einer Aeolischen Skala "bespielen".

Die 7 Modi (ionisch, lydisch, mixolydisch, dorisch, aeolisch, phrygisch, lokrisch) haben ihre Wurzeln in den traditionellen Kirchentonleitern. Sie unterscheiden sich durch Halbtonschritte. Ihre Namen gehen auf das alte Griechenland zurück, wo diese Ton-Ordnung bereits festgelegt worden war.

Man kann als Musiker noch so viel "Gefühl" mitbringen, was ja (nicht nur hier) eine gute Voraussetzung ist - - - ohne entsprechendes Theorie-Wissen und einer jahrelang eingeübten flotten Fingertechnik, wird man nicht einmal eine schnelle Polka in einem Musikverein bewältigen - und schon gar keinen Jazz, der einem Publikum vorgetragen oder auf CD gespeichert werden soll.
Die meisten Studio-Musiker kommen heute von den Musik-Hochschulen und sind für ihren gut bezahlten Job bestens ausgebildet, denn Tonstudio-Stunden sind sehr teuer und jeder Musik-Produzent lässt seine Aufnahmen von "Profis" verwirklichen, welche ihren Part zu entsprechenden Titeln flott und sauber in das Mischpult einspielen (können).

(In L.A. haben Musik-Produzenten auf ihren Smartphones sog. "first call" und "second call"-Musiker gespeichert.
Zuerst bemüht man sich um die erst genannten. Wenn diese keine Termine frei haben, muss es ein Name auf der "zweiten" Anruf-Liste tun. Dieser ist aber wohlgemerkt immer noch ein absoluter Profi!)

Im Jazz kommen z.B. völlig andere Akkorde vor, wie in der Klassik, der Pop- oder der Volksmusik!

Hier stößt der Musiker auf sehr viele Akkordnamen, wie z.B. G7#9, Am7b5, B7/13, Gmaj7, Eb 6/9 ...... etc.

Für die Gitarre gibt es z.B. an die 1200 Akkorde, zudem noch "Umkehrvarianten".

Damit will ich keinen Laien verwirren, sondern nur anmerken, dass anspruchsvoller Jazz ohne ein gründliches Studium nicht gespielt werden kann. Den Blues, eine "einfachere" Jazz-Form, kann man schon mit 4 Akkorden spielen und als Solist dabei lediglich die Pentatonik-Skala verwenden, was aber nach 6 Minuten natürlich "langweilig" zu klingen beginnt. Also erweitert man sein Spiel z.B. mit der Blues- und der Mixolydischen Skala, fügt dazu aber auch kurz chromatische Übergangstöne ein, die theoretisch zwar nicht zum Akkord gehören, aber, weil nur kurz angespielt, vom Ohr akzeptiert werden.
Ein sehr wichtiger Teil des Jazz sind vor allem die Längen der gespielten Töne - also die sich daraus ergebende Rhythmik, mit welcher sich die Musiker unterscheiden, aber auch auszeichnen, sich gerne über diese "Marke" zu erkennen geben, vom geübten Hörer auch schnell erkannt werden.

Glenn Miller (Posaunist, Komponist und Arrangeur) studierte an der Uni von Colorado, beschäftigte sich zudem schon früh mit den unterschiedlichsten "Kompositionssystemen". Ein melodisches Meisterstück, wie z.B. sein bekanntes Stück "String of Pearls" schüttelt man ohne theoretische Musik-Kenntnisse nicht einfach so aus dem Ärmel. Auch nicht in der Ära des Swing, einer Hauptstilrichtung im Jazz, welche vom weitaus komplizierteren Bebop Anfang der 1940er Jahre abgelöst wurde und somit den Ursprung des Modern Jazz bildete.

So kann zwar jeder den genialen Bebop-Saxophonisten Charlie Parker "hören", seine Musik über komplexe Harmonie-Schemata zu verstehen, verlangt aber nun mal ganz andere Voraussetzungen.

Der/die Interessierte kann ja mal bei youtube reinhören.

Gruß von Reklov

*https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/musik/artikel/kirchentonarten
Zitieren
#2
(28-08-2021, 17:38)Reklov schrieb: Jazz hat als Basis stets eine festgelegte Akkordfolge, welche vom Spieler streng beachtet werden muss, da sonst kein gemeinsames Musizieren in einer Band oder einem Orchester möglich wird

ach?

wissen das die free jazzer denn auch?

und welche akkordfolge wäre das denn?

und warum klingen dann jazzstücke der verschiedenen stile derart unterschiedlich?.

Zitat:Man kann als Musiker noch so viel "Gefühl" mitbringen, was ja (nicht nur hier) eine gute Voraussetzung ist - - - ohne entsprechendes Theorie-Wissen und einer jahrelang eingeübten flotten Fingertechnik, wird man nicht einmal eine schnelle Polka in einem Musikverein bewältigen - und schon gar keinen Jazz, der einem Publikum vorgetragen oder auf CD gespeichert werden soll.

vollkommen klar, daß musikalische (gern auch entsprechend akademische) bildung und beherrschung des instruments guter musik förderlich ist

nur ging es ja um etwas anderes - du hast behauptet, der zuhörer müsse die "gesetze der musik" verstehen, um jazz genießen zu können. und das - behaupte ich musikalischer laie - ist einfach unsinn. als fördermitglied eines jazzvereins besuche ich recht viele und sehr unterschiedliche konzerte, die alle möglichen stile widerspiegeln. und ich spüre ganz einfach, wenn der groove auf de bühne stimmt, und auf die zuhörer überspringt - ohne mir die geringsten gedanken um akkordfolgen oder so was zu machen

und so ist es wohl auch mit "gott" - die (imho wahrhaft) gläubigen, die ich kenne, "wissen" ganz einfacch, daß da etwas ist, was sie beschützt, hält und auffängt. also sie empfinden das so, es ist ein gefühl (wie mein gefühl für jazz) - und sie müssen nicht andere davon überzeugen, indem sie auf irgendwelche gesetze pochen, die man erst zu verstehen hätte, oder (wie gläubische deines schlags so gern tun) (natur)wissenschaft vergewaltigen, um ihren gott zu "beweisen". sie empfinden ihn, sie glauben a ihn - und wer wäre ich, ihnen das ausreden zu wollen

ich als jazzfan gehe ja auch nicht hin und zwinge meine frau, die dem jazz leider nichts abzugewinnen weiß, in konzerte oder erkläre ihr, nach welchen gesetzen es bewiesen sei, daß jazz ganz großartige musik sei. du aber tust genaus das, nur eben nicht auf jazz-, sondern religionsebene

Zitat:So kann zwar jeder den genialen Bebop-Saxophonisten Charlie Parker "hören", seine Musik über komplexe Harmonie-Schemata zu verstehen, verlangt aber nun mal ganz andere Voraussetzungen

drauf gesch...

ich hör mir einfach "bird" an und genieße ihn - du magst ihn von mir aus gern in akademische akkordfolgen zerlegen

nur, wer von uns beiden jetzt eher an "bird" "glaubt", sein werk also so zu schätzen weiß, wie dieser es (mitteilen) wollte - da würde ich nicht a priori auf dich setzen
einen gott, den es gibt, gibt es nicht (bonhoeffer)
einen gott, den es nicht gibt, braucht es nicht (petronius)
Zitieren
#3
(28-08-2021, 17:38)petronius schrieb: ach?
wissen das die free jazzer denn auch? und welche akkordfolge wäre das denn?

und warum klingen dann jazzstücke der verschiedenen stile derart unterschiedlich?.

Hallo petronius,

im "Free Jazz" sind 2 Namen hervorzuheben JOHN COLTRANE (1926–1967) und

MILES DAVIS (1926–1991).
Sie entwickelten eine modale Spielweise (Modal Jazz), bei der nicht mehr über eine Akkordfolge, sondern über eine vorher festgelegte Tonskala improvisiert wurde/wird, auf der dann beliebige Akkordbildungen möglich waren. Das führte den Jazz nicht nur aus der tonalen Bindung heraus, sondern brachte ihn auch an außereuropäische Tonsysteme. COLTRANE begann Anfang der 1960er-Jahre in der Folge dieser Entwicklung mit arabischen und indischen Skalen zu experimentieren und wurde damit zum Initiator einer Richtung des Free Jazz, die sich bewusst und intensiv mit den Musikkulturen Asiens und Afrikas auseinandersetzte.

Aber auch hier gilt: Kein Musiker kann dabei einfach frei "herumdudeln", muss also schon die Gesetze der Skalen beachten,  -  welche auch immer er wählt. Deswegen stimmt er sich vorher mit seinen Kollegen ab, damit diese auch in der gleichen Skala spielen, was natürlich auch erfordert, sich über die Tonart zu einigen!
Würde z.B. die Band die Tonart C-Moll - und der Solist sein Solo in Ab-Dur spielen, würde ein derartiger "Katzenjammer" entstehen, der jedes Publikum zum sofortigen Pfeifen und einer Saalflucht brächte.



Zitat:petronius
nur ging es ja um etwas anderes - du hast behauptet, der zuhörer müsse die "gesetze der musik" verstehen, um jazz genießen zu können. und das - behaupte ich musikalischer laie - ist einfach unsinn. als fördermitglied eines jazzvereins besuche ich recht viele und sehr unterschiedliche konzerte, die alle möglichen stile widerspiegeln. und ich spüre ganz einfach, wenn der groove auf de bühne stimmt, und auf die zuhörer überspringt - ohne mir die geringsten gedanken um akkordfolgen oder so was zu machen

ich hör mir einfach "bird" an und genieße ihn - du magst ihn von mir aus gern in akademische akkordfolgen zerlegen

nur, wer von uns beiden jetzt eher an "bird" "glaubt", sein werk also so zu schätzen weiß, wie dieser es (mitteilen) wollte - da würde ich nicht a priori auf dich setzen

Man kann z.B. auch ein gutes Essen genießen, ohne selbst etwas vom Kochen zu verstehen, oder Weinsorten probieren, ohne selbst Winzer zu sein. Nur werden diese Leute eben mit einem vollkommen anderen Verständnis an solche Sachen herangehen.

Auf ahnunglsose Zuschauer (das weiß ich aus langer Bühnenerfahrung!) springt schnell das über, was sie vom Radio her als "Hörgewohnheit" mitbringen. So reißt z.B. ein im Shuffle-Beat gespielter Rock-Blues jeden/jede vom Sitz, auch wenn er/sie gar nicht weiß, was hier eigentlich für Töne über welche Basis-Akkorde gespielt werden.

Auch auf Rock-Konzerten ist dies ähnlich. Die Freaks dort fangen sofort mit dem Kopf zu wackeln an, sobald die Band einen straffen Rock-Beat aus ihren Amps von der Bühne fetzt. Nur der Verständige kann, auch bei dieser Musik, ein "gutes" Solo von nur tonlich aufgeblasener Effekthascherei unterscheiden und checkt schnell die Ideenlosigkeit von Spielern, die musikalisch "wenig zu sagen haben",  - obwohl sie sich mächtig ins Zeug legen und absolut richtig spielen tragen sie lediglich schon oft gehörte "Schablonen" vor ihr Publikum. Dieses aber reagiert immer gerade auf das sehr positiv, was ihren "Hörgewohnheiten" entspricht.
Für eine Band ist es deswegen immer besser, bekannte Titel zu spielen, als die Zuhörer mit völlig unbekanntem "Ton-Material" überraschen zu wollen.-

Auf Deine Art kannst Du also "Bird" durchaus schätzen - nur, mach Dir da keine Illusionen - "verstehen" ist noch mal etwas anderes! Musik ist eine festgelegte, lang entwickelte "Tonsprache" und derjenige, der diese "Fremdsprache" nie gelernt hat, ähnelt jemandem, der zu englischen Songs laut und begeistert mitzusingen versucht, obwohl er gar kein Englisch kann. Icon_razz 

So verstehen z.B. die meisten, welche den bekannten Welt-Hit der EAGLES "Hotel California" immer nur ansatzweise beim Start des bekannten Refrains eifrig mitsingen, überhaupt nicht, dass es sich hier nicht um einen "Willkommensgruß des besagten Hotels" handelt, sondern, dass der Text im Grunde eine symbolhaft verschlüsselte Gesellschaftskritik am amerikanischen "Way of Life" ist.-

Das Thema "Gott" kann man keinesfalls mit der von Menschen geschaffenen "Ordnung in der Musik" vergleichen. Hierbei sind keine Tonarten oder Skalen zu beachten. Bestenfalls kann man sich etwas mit menschlicher Logik "behelfen", aber dies auch nur bis zu der Grenze, welche durch unsere Erkenntnis gesetzt wird. Icon_rolleyes

Gruß von Reklov
Zitieren
#4
(02-09-2021, 17:54)Reklov schrieb: Das Thema "Gott" ...
... gehört nicht hierher!
Bitte beim Thema bleiben!
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
Zitieren
#5
Wer glaubt dass Jazzer, auch Free-Jazzer, keine Musiktheorie brauchen irrt gewaltig. Improvisieren geht nur mit ordentlich theoretischem und praktischem Wissen/Erfahrung. Gerade im Jazz. Von ganz wenigen reinen Gefühlsspielern mal abgesehen. Tonleitern, Akkorde, Stimmungen etc. nutzt jeder Musiker. Mal komplexer (wie im Jazz), mal puristischer (wie im Punk). Jazz ist da aber sicherlich eine der Musikrichtungen mit dem umfangreichsten musiktheoretischen Background.

Und noch eine Ergänzung: Eine Akkordfolge wird vorher festgelegt um der Band ein gemeinsames Fundament zu geben, auf welchem dann die Künstler improvisieren können. Kaum eine Musik ist vollständige Improvisation.

Zitieren
#6
(02-09-2021, 17:54)Reklov schrieb: Aber auch hier gilt: Kein Musiker kann dabei einfach frei "herumdudeln", muss also schon die Gesetze der Skalen beachten,  -  welche auch immer er wählt. Deswegen stimmt er sich vorher mit seinen Kollegen ab, damit diese auch in der gleichen Skala spielen, was natürlich auch erfordert, sich über die Tonart zu einigen!

So sieht es aus. Wobei man die "Gesetze der Skalen" durchaus auch mal brechen kann. Aber eben nicht permanent, sondern nur im gewissen Rahmen. Ansonsten klingt es halt nach nix. Und der angesprochene Charlie Parker folgt auch diesen "Gesetzen".

Zitieren
#7
Ergänzung: genauso wenig wie man die Naturgesetze in der Theorie verstehen muss, um ein Gefühl für Schwerkraft zu bekommen, bedarf es natürlich auch keiner musiktheoretischen Bildung um Musik genießen zu können.

Zitieren
#8
(02-09-2021, 20:46)Gundi schrieb: . . . genauso wenig wie man die Naturgesetze in der Theorie verstehen muss, um ein Gefühl für Schwerkraft zu bekommen, bedarf es natürlich auch keiner musiktheoretischen Bildung um Musik genießen zu können.


Sehr richtig !  Eusa_clap  Eusa_clap  Eusa_clap  Eusa_clap  Eusa_clap  Heart  Heart  Heart  Heart  Heart

.
Zitieren
#9
(02-09-2021, 17:54)Reklov schrieb: im "Free Jazz" sind 2 Namen hervorzuheben JOHN COLTRANE (1926–1967) und

MILES DAVIS (1926–1991)

beide zweifellos verdiente "jazz-götter"

aber nun wirklich nicht prototypisch für free jazz

Zitat:Man kann z.B. auch ein gutes Essen genießen, ohne selbst etwas vom Kochen zu verstehen, oder Weinsorten probieren, ohne selbst Winzer zu sein. Nur werden diese Leute eben mit einem vollkommen anderen Verständnis an solche Sachen herangehen

und wenn schon?

vermindert das ihren genuß, oder dessen "wertigkeit"?

Zitat:Auf Deine Art kannst Du also "Bird" durchaus schätzen - nur, mach Dir da keine Illusionen - "verstehen" ist noch mal etwas anderes!

du also hörst musik, um sie zu "verstehen" - ich tu das, um sie zu genießen

dazu fällt mir nur noch der "sinnspruch" über dem eingang zum kz buchenwald ein

Zitat:Musik ist eine festgelegte, lang entwickelte "Tonsprache" und derjenige, der diese "Fremdsprache" nie gelernt hat, ähnelt jemandem, der zu englischen Songs laut und begeistert mitzusingen versucht, obwohl er gar kein Englisch kann

und? was wäre daran schlimm?

tut mir leid, mein freund - du magst ein ausgebildeter musiker sein, vom wesen der musik und deren genuß aber hast du rein gar nichts verstanden

Zitat:So verstehen z.B. die meisten, welche den bekannten Welt-Hit der EAGLES "Hotel California" immer nur ansatzweise beim Start des bekannten Refrains eifrig mitsingen, überhaupt nicht, dass es sich hier nicht um einen "Willkommensgruß des besagten Hotels" handelt, sondern, dass der Text im Grunde eine symbolhaft verschlüsselte Gesellschaftskritik am amerikanischen "Way of Life" ist

oh, wie interessant - wo doch sogar die eagles selbst jegliche bewußte message von sich weisen und angeben, der text lade einfach zur freien interpretation ein

wir können jetzt aber auch gerne noch eine hochakademische diskussion über die bedeutung von "pumped a lot of 'pane in memphis" in den lyrics zu "proud mary" führen und uns damit eine woche lang verlustieren - john fogerty selbst hat gemeint, er habe einfach irgendwas gesungen, was halt zu reim und rhythmus gepaßt hat

du hörst musik nur mit dem hirn, das herz (und wohl auch die ohren) schaltest du dabei ab

und mit dem glauben hältst du es offenbar genauso - nur daß du dabei intellektuell eine bauchlandung nach der anderen hinlegst
einen gott, den es gibt, gibt es nicht (bonhoeffer)
einen gott, den es nicht gibt, braucht es nicht (petronius)
Zitieren
#10
(08-09-2021, 21:19)petronius schrieb: und wenn schon? vermindert das ihren genuß, oder dessen "wertigkeit"?
"Genießen" kann auch ein Laie - - - "verstehen" ist aber nun mal mit Schulung verbunden. Dies gilt nicht nur für den Jazz!

(08-09-2021, 21:19)petronius schrieb: du also hörst musik, um sie zu "verstehen" - ich tu das, um sie zu genießen
dazu fällt mir nur noch der "sinnspruch" über dem eingang zum kz buchenwald ein 

Was mich von Dir unterscheidet ist: Ich genieße und verstehe Musik! -

Den beschämend hämischen Sinnspruch über dem Eingang zum KZ Buchenwald hier einzuflechten, ist aber nun mehr als "daneben"! Icon_frown
Musik zu lernen und gut auszuüben, erfordert zwar eine Menge (jahrelanger) Arbeit, aber diese hat nicht das Geringste mit der "Arbeit" zu tun, welche seinerzeit den KZ-Häftlingen aufgeladen wurde. (Ja geht's denn noch unpassender !?!?)

(08-09-2021, 21:19)petronius schrieb: und? was wäre daran schlimm?

tut mir leid, mein freund - du magst ein ausgebildeter musiker sein, vom wesen der musik und deren genuß aber hast du rein gar nichts verstanden

Sowohl eine Fremdsprache, wie auch die Sprache der Musik will über viele Schritte zunächst mal erlernt sein!
Von der Fähigkeit, zu komponieren, will ich hier noch gar nicht reden. (Viele Instrumentalisten können zwar sehr gut spielen, besitzen aber nur mäßige kompositorische Fähigkeiten, so wie jeder, der zwar schreiben kann, deswegen noch lange keine Weltliteratur zustande bringt.)

Tut mir leid, mein Freund - Du magst zwar Musik in vollen Zügen "genießen" können, von ihrem "Aufbau" aber hast Du nun mal keine Ahnung. Ich vermag jedoch beides - genießen und verstehen. Icon_razz

(08-09-2021, 21:19)petronius schrieb: ... und mit dem glauben hältst du es offenbar genauso - nur daß du dabei intellektuell eine bauchlandung nach der anderen hinlegst.

... wie interessant - wo doch sogar die eagles selbst jegliche bewußte message von sich weisen und angeben, der text lade einfach zur freien interpretation ein

... wir können jetzt aber auch gerne noch eine hochakademische diskussion über die bedeutung von "pumped a lot of 'pane in memphis" in den lyrics zu "proud mary" führen und uns damit eine woche lang verlustieren - john fogerty selbst hat gemeint, er habe einfach irgendwas gesungen, was halt zu reim und rhythmus gepaßt hat

... du hörst musik nur mit dem hirn, das herz (und wohl auch die ohren) schaltest du dabei ab



Ohne Ohren hört ja nun keiner Musik! Icon_razz Ich höre Musik mit Herz und Hirn.

Du kannst sie nur über Deine Ohren und das Herz erfassen. Genügt ja vielen auch vollkommen, denn sie wollen dabei hauptsächlich "unterhalten" sein und ihre Stimmungen darin spiegeln. Wenn z.B. jemand tief traurig ist, bevorzugt er entsprechende Musik.

Bei PROUD MARY heißt es an dieser Stelle:

> Cleaned a lot of plates in Memphis

Pumped a lot of tane down in New Orleans... <
Wenn Du Englisch beherrschst, wird sich Dir der Sinn des ganzen Liedes ja leicht eröffnen.

Die ersten einleitenden Gitarren-Akkorde dieses bekannten Hits, flott zu spielen, laden einem Anfänger zunächst sehr viele Übungsstunden auf. Die Akkordfolge dieser im Radio oft gehörten Einleitung wird Dir zwar nichts sagen, ich liste sie aber dennoch auf, sozusagen als Zugabe Icon_razz : C  A -  C  A  -  C  A  G  F  -  D  

Auch das Hotel California im mexikanischen Todos Santos gilt als mögliche Inspirationsquelle für den Song. Donald „Don“ Henley dementierte jedoch auch hier ausdrücklich, dass dies der Fall gewesen sei; eher habe der Erfolg des Liedes die damaligen Hotelbesitzer dazu bewogen, diese Verbindung nachträglich ins Leben zu rufen. Zwischenzeitlich hatten die Eagles die Hotelleitung wegen fortgesetzter Falschaussagen hierüber verklagt.

Die juristische Auseinandersetzung ist jedoch mit einem Vergleich eingestellt worden.


Der mehrdeutige Text hat diverse Auslegungen entstehen lassen. So soll es sich beim Hotel California unter anderem um eine Hippie-Sekte, eine Gemeinschaft von Satanisten um Anton Szandor LaVey  oder um eine geschlossene psychiatrische Einrichtung handeln, aus der kein Entkommen möglich ist.

Eine andere Interpretation sieht das Hotel California als Metapher für Drogensucht. Genau wie bei dieser scheint das Hotel jeden Wunsch zu erfüllen, doch man kann es nicht mehr verlassen, genauso wie man von Drogen abhängig wird. Die Zeilen “And still those voices are calling from far away, Wake you up in the middle of the night” verdeutliche die Sucht, die dem Protagonisten keine Ruhe mehr lässt. (Wikipedia)

Nun darf jeder seine Deutungen zu diesem vielschichtigen Text anbringen! Icon_razz

Ich "bevorzuge" nicht ohne Grund die Kritik am "American Way of Life", weil ich die kritische Einstellung von Don Henley (Sänger, Texter und Drummer der Eagles) aus mehreren Interviews "herauslesen" konnte. So prangert er z.B. eindeutig in seinem Song > No More Walks in the Wood < den Raubbau an den Wälder durch den Menschen an. Icon_exclaim

Übrigens:

Beim "Glauben" kann man intellektuell keine Bauchlandung machen, denn der "Intellekt" spielt hier keine dominierende Rolle. Was sollte dieser auch schon zu solch einem "transzendenten" Thema groß beitragen können?

Genau wie in der Musik, "spielen" hier noch andere Dinge mit: Herz, Bewusstsein, Seelenvermögen ...
Gruß von Reklov

Bitte sorgfältiger die Zitate ihrem Verfasser zuordnen. Das ist einfacher als es scheint: hier!/Ekkard
Zitieren
#11
(10-09-2021, 15:27)Reklov schrieb: "Genießen" kann auch ein Laie - - - "verstehen" ist aber nun mal mit Schulung verbunden. Dies gilt nicht nur für den Jazz!

das war nicht die frage

was hilft dir all dein akademisches verstehen, wenn du nicht in der lage bist, dich einfach mal fallen zu lassen und die musik zu genießen?

das gleiche gilt auch für "gott" - für dich ist er ein objekt akademischer kleinkrämerei, ich kann mit ihm nichts anfangen, solange er nicht erfahrbar ist

Zitat:Bei PROUD MARY heißt es an dieser Stelle:

> Cleaned a lot of plates in Memphis

Pumped a lot of tane down in New Orleans... <

Wenn Du Englisch beherrschst, wird sich Dir der Sinn des ganzen Liedes ja leicht eröffnen

der sinn des liedes ist sonnenklar, die konkrete bedeutung der bewußten zeile (woher willst du eigentlich "tane" haben?) aber bleibt unklar

aber wieder mal gehts darum ja gar nicht - du versuchst verzweifelt, mit deinem hirn eine sprachlich korrekte bedeutung herauszupressen - fogerty ging es aber nur um passende laute zum groove. welchen du komplett verpassen dürftest

Zitat:Ich "bevorzuge" nicht ohne Grund die Kritik am "American Way of Life", weil ich die kritische Einstellung von Don Henley (Sänger, Texter und Drummer der Eagles) aus mehreren Interviews "herauslesen" konnte

lieb!

noch ein - nennens wir mal euphemistisch so - "besserverdiener" hat also die umwelt als medienwirksames instrument der selbstpropaganda entdeckt...
einen gott, den es gibt, gibt es nicht (bonhoeffer)
einen gott, den es nicht gibt, braucht es nicht (petronius)
Zitieren
#12
Wozu der unnötige Zank? Ich versuche eine wertfreie Stellungnahme zu geben. Ich habe mehrere Instrumente gelernt, bin auf allen aber bloß auf Amateurlevel.

Musik bereichert mein Leben, in letzter Zeit wurde sie von mir vernachlässigt, ich möchte es aber wieder aktiver angehen. Ich höre viele Richtungen, spiele aber nur bestimmte. Ich genieße sie auch, das kann jeder, jeder dabei auf seine Art, sogar ein Schimpanse konnte das m.E.  Icon_cheesygrin

Von Musik etwas verstehen ist ein anderes Thema, ohne den Beweis dafür anzutreten, Es kommt darauf an wie sehr man sich für sie engagiert. Weiters ist Begabung nötig, wobei Begabung allein nicht alles ist und Engagement allein auch nicht. Man braucht das eine wie das andere.

Um gute Musik zu komponieren oder ein Arrangement zu erstellen ist Theorie unerlässlich. Damit geht auch das Verstehen einher. Grundlagen sind dazu unabdingbar, z.B. was ein Quinitenzirkel ist oder was ein Dur- oder Mollakkord ist und welcher Unterschied dazwischen besteht. 

Ein paar dieser Basics habe ich intus, sonst hätte ich kein Instrument spielen gelernt bzw. in einer Band oder einem Orchester mitspielen können.

Das Mal als mein Einstieg hier.
Zitieren
#13
interessant finde ich ja, daß django reinhardt noch nicht mal noten lesen konnte. wie weit er mit reklovs ehernen musikgestzen des jazz vertraut war, wage ich mal in frage zu stellen - von seinen verkrüppelten fingern ganz zu schweigen, die regelrechte gitarrengriffe unmöglich machten

wahrscheinlich handelt es sich also um einen klassischen hochstapler, der völlig unverdient als eine der jazzgrößen des letzten jahrhunderts gilt
einen gott, den es gibt, gibt es nicht (bonhoeffer)
einen gott, den es nicht gibt, braucht es nicht (petronius)
Zitieren
#14
(13-09-2021, 19:20)petronius schrieb: interessant finde ich ja, daß django reinhardt noch nicht mal noten lesen konnte.

Das können die wenigsten Gitarristen und ist eigentlich auch nur für das Nachspielen vom Blatt wichtig (zb. klassische Stücke auf der Gitarre). Freies Spiel, Improvisation etc. braucht eher die schon angesprochenen Kenntnisse von Akkorden und Skalen.

Zitieren
#15
(14-09-2021, 07:30)Gundi schrieb:
(13-09-2021, 19:20)petronius schrieb: interessant finde ich ja, daß django reinhardt noch nicht mal noten lesen konnte.

Das können die wenigsten Gitarristen und ist eigentlich auch nur für das Nachspielen vom Blatt wichtig (zb. klassische Stücke auf der Gitarre). Freies Spiel, Improvisation etc. braucht eher die schon angesprochenen Kenntnisse von Akkorden und Skalen.

Und natürlich spielt auch wie immer der "Geschmack" im Gehörgang des Zuhörers eine überaus wichtige Rolle.
Also sprach der Herr: "Seid furchtbar und vermehret euch".........
Zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste