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Das Judentum als Geschichtsreligion oder Schriftreligion
#1
Guten Abend,

warum wird das Judentum auch als Geschichts- oder Schriftreligion bezeichnet? 



Noch eine Nebenfragen, die nichts hiermit zu tun hat: 
Sind alle Zionisten Juden? Wenn nicht, warum nicht?
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#2
Alle Religionen, denen Heilige Texte zugrunde liegen (Hinduismus, Buddhismus, Judentum, Islam, Christentum, etc., etc.), werden Schriftreligionen genannt.

Kern der verschriftlichen Religion der Juden ist die Tora. Mit den Erzählungen von der Schöpfung bis zum Erreichen des verheißenen Landes wird der Gründungsgeschichte ein Schlusspunkt gesetzt. Die Erzählungen umfassen Urgeschichte, Vätergeschichte, Gesetzgebung und die Mosesgeschichte und grenzen sich von den sogen. Vorderen Propheten ab.

Die Bücher Josua, Richter, Rut, die Samuelbücher, die Königsbücher, die Bücher der Chronik, Esra und Nehemia, Tobit, Judit, Ester sowie die Makkabäerbücher, die heute ebenfalls zum Geschichtswerk gezählt werden, sind für Juden allerdings teilweise (Josua bis 2Könige, ohne Rut) auch Interpretation der Tora.

Zionismus ist eine politisch-religiöse Bewegung, die zum Ende des 19. Jhs entstanden war. Zionisten setzten sich zum Ziel, einen jüdischen Staat zu errichten. Dieses Ziel wurde bekanntermaßen erreicht. Die Gründungsväter der zionistischen Bewegung waren zum guten Teil assimilierte europäische Juden, die mit der Strenge der Gesetzesbefolgung des praktizierenden Judentums nicht viel am Hut hatten. Ethnisch waren sie natürlich alle Juden. Sie hätten es sich durchaus verbeten, wenn ihnen irgendjemand die Zugehörigkeit zum Judentum hätte absprechen wollen.
MfG B.
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#3
Hallo Glypton

Zum Unterschied zu den bis 1946 analphabetischen Papuas in Neuguinea mit ihrer mündlichen Überlieferung hat Israel eine 4000 Jahre alte schriftliche Geschichte, siehe die genauen Abstammungslisten des Abraham

Zu Deiner Nebenfrage "Sind alle Zionisten Juden?"

Ist Deine Frage wirklich so gemeint - oder wolltest Du fragen "Sind alle Juden Zionisten ?"

Bevor wir zu diskutieren anfangen, bitte um Klarstellung was Du überhaupt fragen willst.

Der zweite Teil Deiner Nebenfrage "Wenn nicht, warum nicht?" ist ebenso unverständlich.
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#4
Hallo Bion

An der Erstfrage von Glypton ist was Wahres dran.
Denn die Erzählung von Kain und Abel ist NICHT jüdische GESCHICHTE.
Weil es eben mündliche Erzählung ist und nicht Geschichte.

Laut Konvention beginnt "Geschichte" mit der Schrift, da die Schrift in jedem Volk zu einem anderen Zeitpunkt erfunden wurde, beginnt die Geschichte bei jedem Volk zu einem anderen Zeitpunkt.

Vor 3000 Jahren war im Rheintal noch schriftlose VORGESCHICHTE, während im Niltal bereits Geschichte geschrieben wurde.

Hinweis:
Die Erzählung von Kain und Abel wurde erst viele Generationen nach dem Vorfall verschriftet. Wahrscheinlich vom großen Zauberer Abram in Chaldäa
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#5
(03-05-2016, 09:21)Bion schrieb: Ethnisch waren sie natürlich alle Juden.


Unsinn! Es gibt keine ethnischen Juden.

Warst noch nie in Israel. Da steht ein schwarzhäutiger Falasha in israelischer Uniform neben einem blonden und blauäugigen Rabbiner.
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#6
(03-05-2016, 09:27)Sinai schrieb: …hat Israel eine 4000 Jahre alte schriftliche Geschichte,…

Das ist eine unrichtige Annahme.

Die Verschriftlichung der jüdischen Religion erfolgte im Wesentlichen während des Exils und auch noch danach.

(03-05-2016, 09:35)Sinai schrieb: Denn die Erzählung von Kain und Abel ist NICHT jüdische GESCHICHTE.
Weil es eben mündliche Erzählung ist und nicht Geschichte.

Laut Konvention beginnt "Geschichte" mit der Schrift,…

Das, was in der Fachterminologie "Urgeschichte" (Gen 1-11), "Vätergeschichte" (Gen 1-36.38), etc. genannt wird, sind die in der Exilzeit und danach niedergeschriebenen kollektiven Erinnerungen der Juden. Im Grunde sind das theologisch aufbereitete altorientalische Mythen. Realgeschichtlichen Hintergrund haben die Erzählungen der Tora (die Moses-Geschichten von Exodus und Landnahme eingeschlossen) kaum.  

(03-05-2016, 09:40)Sinai schrieb: Unsinn! Es gibt keine ethnischen Juden.

Dazu Zitate aus der Fachliteratur:

Auf der Versailler Friedenskonferenz verständigten sich die Großmächte darauf, die Juden als eine "religiöse oder ethnische" Minderheit zu betrachten,…

Ben-Sasson: Geschichte des jüdischen Volkes, Verl. C. H. Beck,  S. 1165

Juden aber waren in Ost- und Südosteuropa im religiösen wie im ethnischen Sinne Juden.

M. Brenner: Kleine jüdische Geschichte, Verl. C. H. Beck, S. 276

Die (jüdische) Mittelklasse lebte gern und freiwillig in jüdischen Wohnvierteln. Es herrschte eine säkulare Solidarität, ein Gefühl ethnischer Gruppenzugehörigkeit.

B. Beuys: Heimat und jüdisches Leben in Europa, Rowohlt-Verl.,  S. 669

Im Übrigen hielten die meisten Juden treu an ihrer religiösen und ethnischen Gemeinschaft fest.

M. Kaplan: Geschichte des jüdischen Alltags in Deutschland, Verl. C. H. Beck, S. 323

…, um uns jetzt ganz dem Judentum in seiner noch immer gegenwärtigen Geschichte zuzuwenden: das Judentum — eine ethnische und doch eine Weltreligion eigener Prägung,…

Das Judentum ist eine ethnische, eine Volksreligion, aber es ist zugleich eine Religion, die Welt-Geschichte gemacht und selbst eine Welt-Geschichte durchgemacht hat, eine Welt-Religion.

…die Zionisten verstanden den Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden also primär ethnisch;…

H. Küng: Das Judentum, Seiten 43, 44 u. 350

Bis in die jüngste Zeit bestand unter Juden wie Nichtjuden gleichermaßen kein Zweifel daran, dass eine jüdische Kultur, die ihre Einzigartigkeit gegen die "Regeln der Geschichte" bewahrte, nur in Form einer engen Verbindung von religiösem Glauben und ethnischer Verbundenheit erklärbar ist.

A. Rubinstein: Geschichte des Zionismus, Deutscher Taschenbuchverl., S. 315

Soviel zum Gebrauch des Begriffs "ethnische Juden".

Dass das Staatsvolk Israels eine ethnisch homogene Gemeinschaft ist, hat niemand behauptet, und zwar schon deshalb nicht, weil ein guter Teil davon Araber sind. Die orthodoxen Juden in Israel verstehen sich aber durchwegs auch als ethnisch-religiöse Gemeinschaft.
MfG B.
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#7
Danke für die ganzen Antworten. Alles verstanden außer Geschichtsreligion... Könnt ihr den Begriff definieren? Glaube es verstanden zu haben, möchte aber sichergehen. Der Glaube an den biblischen Gott hat einen Anfang und eine Geschichte - was meinen die mit Geschichte?
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#8
Der Begriff "Geschichtsreligion" wird politisch verwendet. Im Grunde ist damit ein politisch-religiöses (bzw. quasi-religiöses) Konzept gemeint, das den Anspruch erhebt, für die gesamt Menschheit gültig zu sein. Vereinfacht gesagt: Das Judentum erhebt diesen Anspruch mit dem Noachidischen Bund, den Gott mit den Menschen eingeht, das Christentum  mit dem allumfassenden  Verkündigungsauftrag, der Islam mit dem religiös-politischen Auftrag, die gesamte Menschheit dem rechten Glauben zuzuführen bzw. Juden und Christen unter der Oberhoheit des Islam zu versammeln.

Ein geschichtsreligiöses Konzept im vergleichbaren Sinn liegt auch dem Marxismus in seiner leninistischen Prägung zugrunde.

Um den Begriff richtig verstehen zu können, empfiehlt es sich, die Schrift von Moses Hess: Rom und Jerusalem zu lesen.


Moses Hess: Rom und Jerusalem (Zitate)

2. Brief

…das Ende der Tage, von welchem das Judentum seit dem Anfang der heiligen Geschichte, in seinen guten und bösen Tagen, stets geweissagt hat, ist nicht, wie andere Völker es missverstanden haben, das Ende der Welt, sondern die Vollendung der Entwicklungsgeschichte und Erziehung des Menschengeschlechts.

Wir stehen am Vorabend dieses Geschichtssabbats und haben uns auf unsre letzte Mission vorzubereiten durch das Verständnis unsrer Geschichtsreligion.
[…]
Das Judentum ist vor allen Dingen eine Nationalität, deren Geschichte, Jahrtausende überdauernd, mit jener der Menschheit Hand in Hand geht, eine Nation, die schon einmal das geistige Regenerationsorgan der sozialen Welt war, und welche heute, nachdem der Verjüngungsprozess der weltgeschichtlichen Kulturvölker seiner Vollendung entgegenreift, mit der Wiedergeburt derselben ihre eigene Auferstehung feiert.

6. Brief

So oft ein Wendepunkt in der Entwickelungsgeschichte der welthistorischen Völker eintritt, entsteht eine große Bewegung in demjenigen Volk, welches der Träger der Geschichtsreligion ist. Der Übergang, aus dem Altertum ins Mittelalter, dieses Herbstäquinoxium der Menschheit, kündigt sich an durch große Stürme innerhalb des Judentums, welche das Christentum, und innerhalb des Judentums selbst jene Sekten erzeugte, die nach der Krisis wieder spurlos verschwunden sind.
[…]
Auch die modernen Sadduzäer, Pharisäer und Essäer, ich meine die Reformisten, die Rabbinisten und Chasidäer werden wieder spurlos verschwinden, nachdem unsere kritische Epoche, die letzte Krisis der Weltgeschichte, vorüber gegangen sein wird, nachdem die Völker, welche dem Judentum  ihre Geschichtsreligion verdanken, und mit ihnen das jüdische Volk selbst, zu neuem Leben auferstanden sein werden.
[…]
Vor dem Erscheinen der germanischen Rassen auf dem Schauplatz des Welttheaters gab es überhaupt nur zweierlei Kultusarten -. einen Natur- und einen Geschichtskultus. Jener hatte in Griechenland, dieser in Judäa seinen klassischen Ausdruck gefunden.

7. Brief

Die großen Denker und edlen Charaktere haben dieses Wesen der jüdischen Geschichtsreligion auch nie verkannt; sie erblickten nicht in jeder Modifikation der Lebensanschauung eine neue Religion, und bildeten sich nicht ein, die historische Basis unsres Kultus reformieren zu können. - Sadia und Maimuni, Spinoza und Mendelssohn sind, trotz ihrer fortgeschrittenen geistigen Entwickelung, keine Apostaten geworden, obgleich es nicht an dogmatischen Ketzerrichtern fehlte, die sie ausstoßen wollten oder wirklich ausgestoßen hatten.
[…]
Jeder Schöpfung aber liegt etwas zu Grunde; aus Nichts wird nichts geschaffen. - Den zukünftigen sozialen Schöpfungen liegt das national-humanitäre Wesen der jüdischen Geschichtsreligion als Keim zu Grunde.

9. Brief

So lange noch kein andres Volk, als das jüdische, diesen national-humanitären Geschichtskultus hatte, waren die Juden allein das Volk Gottes. Seit der großen Revolution, welche von Frankreich ausging, haben wir im französischen Volke, sowie in denjenigen Völkern, die sich der französischen Nation anschließen, edle Rivalen und treue Bundesgenossen gewonnen.

10. Brief

Die Offenbarungen des heiligen Geistes weisen wirklich auf keine andre Zukunft hin, als auf die der sozialen Welt im reifen Lebensalter. – Dieses Weltalter beginnt nach unsrer Geschichtsreligion mit der Messiaszeit.
[…]
Die Messiaszeit ist das gegenwärtige Weltalter, welches mit Spinoza zu keimen begonnen hat, und mit der großen französischen Revolution ins weltgeschichtliche Dasein getreten ist.  Mit der französischen Revolution begann die Wiedergeburt der Völker, die dem Judentum ihren nationalen Geschichtskultus verdanken.

Epilog. 1. Hellenen und Israeliten

Wenn wir den Geschichtsplan, wie er uns in den heiligen Schriften der Israeliten vorliegt, mit vorurteilsfreiem Geiste erfassen, so erkennen wir in demselben nicht nur die Einheit des Menschengeschlechts, sondern das einige Wesen des ganzen kosmischen, organischen und sozialen Lebens.
MfG B.
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#9
Danke für die lange Bücherliste.        Hut ab vor Deinem Wissen!
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#10
Schalom :Icon_lol



Zitat:Die Verschriftlichung der jüdischen Religion erfolgte im Wesentlichen während des Exils und auch noch danach.
- das glaube ich eher nicht.
- es gab doch mehrere Volks-Missionen zum Thorah-Wortlaut vor dem Exil (auch wenn manche Koenige sie lieber aus dem Bewusstsein verbannten, Episoden um Koenig Joschia unnd die Auffindung des eingemauert gewesenen, noch lesbaren, Thorah-Exemplars),
- ein Staat wie unter David und Salomo wird nicht von Analphabeten organisiert,
- es gab das Schreiber-Zentrum Schilo schon vorher in der Richterzeit, und das Thorah-Gebot, dass jeder Israelit sich 1 Exemplar der Gebots-Texte der Thorah abschreiben sollte, konnte da erfuellt werden,
- die Gesetztafeln waren ausdruecklich schriftlich, 3-mal: am Sinai 1x erstellt, zerdeppert im Zorn, nochmal geschrieben, bei Ankuft im Hl Land auf einen Stein unweit von Schilo als Ur-Exemplar geschrieben. So ein Ur-Exemplar des Codex Hamurabi stand im Marduk-Tempel zu Babel, bei jedem Rechtsstreit konnten die Parteien sich dort vergewissern, was Gesetz formuliert hat oder was nicht - so ein Ur-Exemplar (des XII-Tafel-Gesetzes) stand auch wesentlich spaeter auf dem Forum in Rom)
- Vorher 250 Jahre als Gaeste im Hieroglyphen-schreibfreudigen Aegypten, bis hinauf zur Position Josefs, Sohn Jakobs, teils auch am Verwalten beteiligt, Moses als Adoptiv-Prinz in einer Schreiber-gelernten Erziehung aufgewachsen, vorher mit Abrahams Vater aus einem Keilschrift-schreibfreudigen Land (Ur Chasdim) gekommen, in der Umgebung mit Kanaans Proto-sinaitischem Alphabeth an eine weitere Schreib-Moeglichkeit gewoehnt, gab es doch auch Text-Ueberlieferungen, sowohl muendlich-wortwoertlich tradiert, wie auch zentral-offizielle Chroniken.

Waehrend des Babylonischen Exils und unter Persern (ebenfalls eine alte Schrift-Kultur) wurde lediglich alles zur Religions-Koerperschaft Relevante, was dann ja schon in mehreren Schriftarten vorlag, in 1 Schrift-Zeichen Schrift und Sprache uebertragen (man merkt es heute noch stellenweise dem Text an, aus welcher Vorlage-Schrift) und gegen Faelschungen oder Abschreib-Irrtuemer gesichert "formatiert", kanonisiert und nach Pruefung genehmigt, genau-unser konstituierendes Hl Buch zu sein. Dafuer liess man sich Zeit und ein ganzes Dauer-Konzil (Anschej Knesseth haGdolah) arbeitete mehrere Generationen lang daran.

Soviel zur "Schrift-Religion" vor dem Hintergrund von Schrift-Kulturen. - Warum sollten Juden und ihre Vorfahren dazwischen "nur, was da abwechselnd gefiel, am Lagerfeuer als Saga gesungen" haben? Eine Reihe Vaeter-Soehne ab einem 1.Namen und ein Konzept der Entstehung gehoerte dazu, und weil es im Status etwas brachte, in wievielter Generation man sich exakt seiner Vor-Vaeter erinnerte, seh ich keinen Grund, solche etwa erst zur Perserzeit erfunden zu haben.

Zur "Geschichts-Religion" - es ist im Wesentlichen ein Vertrag zwischen G0TT und den am Sinai versammelten Israeliten, formal: "Wenn Ihr haltet dies-und-dies Gebot /Verbot, passiert Euch das-und-das (Angenehmes oder Schlimmes)", an das versammelte Volk als Gesamt (inclusive ihrer Nachkommen), erlassen von Dem, den wir (Haus Abraham, Isaak und Jakob) bis dahin bescheiden fuer unser Familien-Wir-Vereins-Wesen ansahen, was jedem Gross-Familien-Haushalt damals zustand
- im Sinai-Vertrag werden Dimensionen beruehrt, die kein Mensch erwarten konnte - da geht es um einen logischen G0TTES-Beweis, der Zeit braucht, um beobachtet zu werden, ob ER das kann, ob das so passiert
Zitat:@die Erzählung von Kain und Abel ist NICHT jüdische GESCHICHTE.
- das ist sie gewiss nicht, man ist da ja erst bei den ersten "Adamiten", 1 erstes namentlich erinnertes Ehepaar mit mehreren Kindern, da stammt der fuer Juden relevante Ahnen-Zweig eben weder von Kajn noch von Abel ab, sondern vom nachher geborenen 3.Sohn Scheth. Abraham, Isaak und auch Jakob und Josef, sind so-besehn auch noch "Noachiten", aber schon naeher dran, "Israeliten", Josef heiratete in in ein Priesterhaus (die nahmen nicht jeden, seine Vorfahren muss er schon aufzaehlen gekonnt haben, so auch Moses), beim Bund des Voelker-Vaters Noah ist zu beachten, dass die Gebote an die ueberbliebene Menschheit nicht drohen, dass etwas "passiere" wenn nicht beachtet, sondern G0TT verspricht etwas - u.vor der Flut und nach der Flut heisst es, das Herz des Menschen neige von Jugend auf zum Guten und zum Boesen. "Juedisch" kann die Geschichte erst ab der Thorah am Sinai und diesem Bund genannt werden.

- Aber historisches Nacheinander liefert dem G0TTES-Beweis die Anschaulichkeiten, lediglich war schon, seit Abraham, EL ROI (aegyptisch RA /RÉ) mit verehrt worden (dessen Zentrum seit der 5.Dynastie in UNU (Heliopolis) lag, ein unsichtbarer Hirte, der auch vom "grossen" Koenig verlangt, Menschen-Wuerde zu respektieren, auch bei verurteilten Straftaetern noch, und der alle Menschen einzeln ansieht, "Der mich sieht") - daraus mag nach einiger Zeit die Erkenntnis gereift sein, dass unser G0TT auch Der ist (wir haben biblisch sogar 2 gleich klingende Schreibweisen dafuer.
- Das Tetragrammaton ("na, ER-doch", schreibt sich als Rechen-Formel, zu kommentieren mit "stimmt"), das man zwar schreibt, aber nicht als Namen spricht, weil es innerlich "gemeint" die Gewissheits-Erinnerung ist, an die Moses die Israeliten erinnern konnte, falls sie fragen, Wer ihm erschienen sei, ("na, ICH-doch !", als "Er-da des Abraham, Isaak und Jakob, unserer Vaeter", war mit den Aegyptern (diese sich ihren Vaetern verpflichtet wissend) gemeinsam verwendbar.
- Was einen "ueberkommt", der in seine Heimat zurueckkommt, EL SCHADDAJ ("Der-da meiner Berge"), auch unsichtbar-geistig und am Sozial-Verhalten und-Gefuehl wahrnehmbar, da gibt es ein sehr altes Keilschrift-Zeichen (SCHAD, NAT etc) fuer, Hiob verwendet es gern, das passt auch als Bezeichnung unseres G0TTES.
- EL 'ELJION ("Der-da, der Hoechste" vor Ort) geht bei internationalem Schwoeren und Vertrag-Abschliessen wie mit Melkhizedeq, ist neutral, jeder stellt sich sein hoechstes Geistwesen selbst vor, dem er sich im Gewissen verpflichtet fuehlt, ehrlich zu sein.
- Indem Zeit verging, Reiche und Epochen vergingen und aenderten "alles", war fuer uns an dem, wie es uns als Ganzheit erging, feststellbar, dass der Sinai-Vertrag von G0TTES Seite immer noch gehalten wurde, also ER ist ein ADON 'Olam (Ewiger HERR) und RIBONO schel 'Olam (Meister von der Ewigkeit)
- In der jued. Bibel findet sich manchmal Spott ueber angebetete nutzlose Objekte, die "Moral" richtet sich aber nicht gegen Wir-Personifikationen, die andre als "Goetter" verehren, in unserem Vertrag steht aber drin, dass G0TT uns Kriege anschaffen oder ersparen kann, was auf Seine Wirk-Macht ueber die (personell-begrenzten oder nationalen) Wir-Vereins-Geiste aufmerksam machte, "G0TT der Goetter", dann auch HERR Zewaoth ("HERR der Heerscharen", alle Geist-Personen inbegriffen, weil ein grosser Herrscher auf Erden auch von einer Geleit-Schar umgeben ist, die ausfuehren, was er verordnet, und die es ihm "gemuetlich" machen).

- All das war zu seiner Zeit vermutlich ganz einfach in einer gegebenen Situation formulierbar und wurde mit je-dieser Episode zusammen ueberliefert - historisch fortlaufend erlebt, sieht man ja in der Bibel das kritische Beobachten des Volks-Verhaltens und des Schicksals aller (sehr verdeutlicht im Richter-Buch) - die Chronisten haben dabei den Vertrag im Sinn, die Geistlichen eine Leitlinie fuer ihre Ansprachen, umso schaerfer fordern die Newiim-Propheten uns auf zum Beachten der uns angehenden Gebote in einer bunten Umwelt, die manches nicht so sieht, denn bei nur uns gehts um "Kopf und Kragen". - Wie immer menschen-ueblich, kuemmert es nicht alle, die sie ansprechen wollten - entsprechend ging es, aufs Gesamt besehen, auf und ab.

- Etwas in dieser Art moralisch an alle Mitglieder appellierendes hab ich bei keinem anderen Hl Buch gesehn (das der Roemer ist ja voellig verschollen, man weiss nur, dass es von der Gruendung erzaelte, und 2-mal erweitert wurde, der eine Text beriet Auguren). Das sind also wohl keine "Geschichts-Religionen". In deren letzter Republik-Zeit gab es das XII-Tafel-Gesetz Roms, bei Solon in Athen kennengelernt, in Latein und am Forum fuer jeden nachsehbar, das entspraeche in der Bibel dem Wochen-Abschnitt Mischpatim, ein Codex in Art des Hamurabi von Babel-Codex, der die Alltags-Rechtsprechung vvereinfachte, nicht jedesmal eine Buerger-Versammlung zum Thing einbestellen zu muessen, wenn einer mal Schafe unterschlug oder wen verletzt hatte, etc, 70 Paragraphen - da steht ja dazu-erzaehlt, dass der Schwiegervater von Moses, ein an Rechtsprechung gewoehnter Queniter-Priester, der am Horeb amtiert hatte (der auch das 1.Dank-Opfer an unseren G0TT nach Durchqueren des Schilf-Meers beitrug, weil bei den Israeliten noch keine Regeln bestanden, wer die Priester sein werden, und worin ihr Service bestehn solle) - als der mit uns 40 Jahre durch die Wildnis zogen, uebten wir das mit der mobilen Bundes-Huette als Heiligtum (ein tragbarer Horeb, wo Moses immer wieder einmal mit G0TT reden konnte) ein. Auch diese Texte, konzentriert viele in Buch Leviticus des Moses, sind ein alter und bestimmt schriftlicher Text in der Bibel - andere Voelker hinterliessen dafuer vielleicht keine schriftlichen Unterlagen, z.B. Aegypter hatten vor 3000 vdZ schon 5-600 Jahre prae-dynastischer Organisation incl Kultus. Bei uns relativ spaet die Neu-Nation proklamierenden Israeliten ging es, wie auch beim Reinheits- und-Speise-Gebot, bei Tracht-Kennzeichen, Gebets-Anlaessen, Fest-Zeiten, etc um nationale Heraldik, erst jetzt fuer die Flaechen-Staats-Gruendung relevant "eigen" sein sollend. - Da ist etliches, wovon nur geschrieben ist, dass auch wir das Ding haben (z.B. Altaere, Leuchter, Gewand-Zipfel, Kraft-Locke), manchmal ist das Material vorgeschrieben, aber nicht genauer, wie es bei uns aussieht. Das laesst offen, dass wir es im Lauf der Zeit modifizieren. Bei den Noachiten-Voelkern um uns herum gab es das auch, aber nach deren Art. (Tracht und Frisur boten einen gewissen Schutz, unterwegs nicht einfach als "Wilder" aufgegriffen und als Sklave in den Handel zu geraten).

- Bemerkungen wie die, dass ein Koenig von Kanaan sich bereits ein Bett aus Eisen leisten konnte, stehn manchmal auch ohne erkennbaren Zusammenhang mit dem Lauf der Erzaehlung in unserem Hl Buch, teils sichern sie ab, dass man das korrekte Buch vorliegen hat, denn der Abschreibende soll nicht gleich mit-denken, was er kopiert, weil es dazu verfuehrt, Texte wegzulassen oder nach eignem Gutduenken zu aendern (weil Hebraeisch-Schriftzeichen alles (22 u.4) Zahlen-Ziffern sind, wuerde jede Veraenderung sofort eine andere Zeilen-Anfangs-Summe ergeben, das vereinfachte den Unterricht spaetestens nach dem Babylonischen Exil, aber Alphabeth-Schrift hatten wir auch zu Davids Zeit, parallel zu Aramaeisch in Keilschrift).
- Wenn man das Buch dann hat, faengt es ja an, mit einem zu "leben", indem man es, allein oder mit andern zusammen, liest (G0TT, von Dem es berichtet, liest ja mit) - die kleinen tradierten Unregelmaessigkeiten (manchmal ein "sie" statt "er", oder Wechsel von Einzahl auf Mehrzahl in 1 Satz oder kurzem Abschnitt) erwiesen sich spaeter als nuetzlich zum Zitieren, Stutzen, oder Disputieren (auch Jesus als Rabbi nutzt einige davon zum Anzitieren interessanter Kapitel), als Merk-Hilfen in Zeiten des Religions-Verbotes, um die Hl Schrift exakt wieder herzustellen, sowie auch zum Unterricht-Auflockern fuer die Schueler Icon_wink

- Buch Jonah schildert, dass ein Noachiten-Volk auch reagiiert, wenn es akut gemahnt wird, und unser G0TT, wenn nur vom Jonah angerufen, auch dorthin Gnade und Verschonung lenkt (es spezifiziert ja nicht, was in Ninive als "schliesslich-unertraegliche Suenden" galt, aber die ahnten es selber und stellten es ab).

- Wir bekennen uns auch zur sogenannten "Ur-Offenbarung" des meist vorhandenen Sinns fuer Anstaendigkeit, Wahrhaftigkeit, Eintracht zwischen Menschen. Judentum bezweifelt nicht, dass dies bei allen Voelkern und Religionen anzutreffen moegllich ist, weil G0TT ja jeden einzelnen Menschen als "Stimme aus dem eignen Herzen" - relativ leise - in die geeignete Richtung "draengt".

Das ersetzt nicht eine fuer die Gemeinschaft gueltige Hl Schrift, darin liegt aber eben keinerlei Anspruch, es andren Leuten "aufzustuelpen", das alles wie wir sollen, auch zu beachten, aber ein Wissen, dass unser Beachten der uns gegebenen Regeln auch die Welt aller in den Augen unseres gemeinsamen Schoepfers, sie zu erhalten liebenswerter macht. 
- "Noachiten" ist die jued. Bezeichnung fuer Leute aus Nationen, die sich auch Recht und Gesetz erarbeitet haben, auf dieser Ebene kann man sehr viel Frieden mit der Umgebung bewirken und sich unter ihnen bewegen. Von ihnen erwartet eine jued. Siedlung, sich als Gaeste von Juden an "7-Gebote" zu halten, z.B. unseren Sabbath zu akzeptieren, dass er eine Erfrischuns-Tag fuer alle sein koenne, dass sie beim Schwoeren, ob etwas wahr sei, sich auf auch nur 1 Gott berufen (sie muessen ihn in der Groessen-Ordnung nicht an unserem messen, vergleichen oder gar tauschen) - sie sollen unsere und eigne Ehen respektieren, im Streitfall einen (egal-wessen) Richter-Spruch gelten lassen, keine Leute rauben oder erschlagen (morden) - und nicht noch-lebende-Lebewesen essen ("Blut-Verbot") - und ihre eigne Gemeinschaft als solche nicht verachten oder verhoehnen. So etwa - das ist fuer eine Strassen-Nachbarschaft oder Wohn-Gruppe m.E. nicht uebertrieben.


Schalom - Pax - Salaam
mfG (/*_*\) WiT
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#11
(07-10-2016, 21:01)WiTaimre schrieb:
Zitat:Die Verschriftlichung der jüdischen Religion erfolgte im Wesentlichen während des Exils und auch noch danach.
- das glaube ich eher nicht.

Nach allgemeinem (wissenschaftlichem) Sprachgebrauch lässt man das Judentum mit dem Babylonischen Exil beginnen. (vgl. G. Stemberger. Geschichte der jüdischen Literatur, 1977 München, Verl. C. H. Beck, S. 9).

Die Geschichte der Königreiche Israel und Juda ist nicht jüdische, sondern israelitische Geschichte.

Nicht zu bestreiten ist, dass Schriftpropheten schon früh (also vor dem Exil) auftraten. Amon beispielsweise unter Jerobeam II. Prominente Vertreter der Frühzeit sind Elija und Elischa im 9. Jh. Andererseits sind Teile von Texten anderer prominenter Propheten erst sehr spät entstanden, beispielsweise Jesaja 24-27 im 3. Jh. Auch die Salomon zugesprochenen Sprichwörter sind teilweise sehr alt (teilweise auch der 1000 v. Chr. entstandenen Weisheit des Amenemope und anderen alten Texten entnommen), teilweise lassen sich aber auch hellenistische Einflüsse festmachen, was wiederum eine relativ späte Entstehungszeit (oder zumindest Bearbeitung) annehmen lässt. Bei den David zugeschriebenen Psaltern muss das ähnlich gesehen werden. Es gibt sowohl Psalter, für die man sumerische oder ägyptische Vorlagen finden kann, als auch solche, die erst in der Makkabäerzeit entstanden waren.

Dass die alten Sagen, die prophetischen Texte und jene Texte, die in Anspruch nehmen, historische Begebenheiten zu vermitteln, erst im Exil und danach ihre theologischen Überarbeitungen und Deutungen erhalten haben und zu einem guten Teil auch erst im Exil und danach entstanden sind, sollte man dabei nicht übersehen.

Zur zeitliche Einordnung der jüdische Bibel als verbindlicher Text des Judentums ein Zitat, das ich dem oben angemerkten Buch G. Stembergers  (S. 25) entnommen habe:

Zitat:Geschichtlich können wir einige Fixpunkte im Werden der Bibel festhalten. Der Pentateuch muss schon im 4. Jahrhundert das offizielle religiöse Buch des Judentums gewesen sein: die Samaritaner, die sich damals von ihm trennten, haben ihn als Erbe mitgenommen. Jesus Sirach bezeugt in seinem "Lob der Väter" die Anerkennung fast der ganzen biblischen Sammlung für den Beginn des 2. Jahrhunderts (Sir 44-50; vgl. 39,1-3)· Allein das chronistische Geschichtswerk scheint er nicht dazuzurechnen; denn anders lässt sich kaum erklären, dass er Esra nicht nennt. Das Buch Daniel kann er noch nicht kennen, da es erst zwanzig Jahre später entstanden ist.
MfG B.
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