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Kirchenaustritt und Kirchensteuer
#1
Ich möchte gerne folgendes Phänomen diskutieren:
Ich kenne schon mehrere gläubige Katholiken, die aus der Kirche ausgetreten sind, und ihren katholischen Glauben weiter aktiv praktizieren. 
Der Grund für den Kirchenaustritt war der, die horrend hohe Steuerpflicht zu beenden.
Sie gehen weiterhin jeden Sonntag zur Messe, singen mit, hören Bibellesung und Predigt, gehen zur Kommunion. Sie sind ja nicht durch eine Schleife gekennzeichnet.
Jedes Jahr zahlen sie eine freiwillige Spende in einer Höhe, die sie für die Leistungen der Kirche angemessen finden.

Ihre Argumentation lautet wie folgt:
Als die prächtigen Kathedralen gebaut wurden (Kölner Dom, Alter Peter, Stephansdom, Karlskirche, Notre Dame, Petersdom) war die Handwerkerstunde noch billig, und es gab noch keine Zerstörung des Sandsteins durch industriellen Sauren Regen und keine laufende Schwärzung der Skulpturen und Fresken durch Dieselruß der international agierenden Lkw-Flotten die übrigens keine Nahversorger sind.

Heute nimmt ein Handwerker in einer Stunde so viel, wie ein Richter an einem ganzen Vormittag.
Handarbeit ist unerschwinglich teuer geworden!
Die Gründe sind eigentlich egal, sie sind politisch und daher ohnehin nicht zu ändern, aber die Preise sind einfach unleistbar geworden. 

Heute ist die Erhaltung dieser Bauwerke eine Last geworden, die aus unerfindlichen Gründen den Gläubigen aufgebürdet wird. Wenn die Tourismusindustrie ihre Attraktionen braucht, soll sie für deren teuren Erhalt zahlen. 

In Indien geht das ja auch. Wer den Tadsch Mahal besichtigen will, zahlt dafür durch einen saftigen Aufschlag auf den Hotelpreis im Radius von 100 Km

Und wer die Cheopspyramide besichtigen will, zahlt dafür durch eine hohe Tourismusabgabe die vom Reiseveranstalter auf die Buchung aufgeschlagen und dann an den Staat abgeführt wird. Eine Frechheit wäre es, die Einheimischen zum kostspieligen Erhalt der Cheopspyramide zur Kasse zu bitten.

Wichtig: das Ganze ist gesetzlich geregelt, damit keine Ausreden vorgebracht werden können. Da zahlen alle die in der Region nächtigen, und wenn einer behauptet daß er nur zufällig in der Region nächtigt (als Handelsreisender etc) dann zahlt er trotzdem. Man sagt "Härte" dazu. Härten im Gesetz sind bedauerlich, aber leider nicht vermeidbar.

In Europa ist es prinzipiell nicht anders. Der Katholik in Köln braucht zu seiner sonntäglichen Religionsausübung nicht die Skulpturen an der Außenfassade des Doms. Abgesehen davon geht nur ein kleiner Bruchteil der Kölner in den zentralen Dom, in den Außenbezirken sind andere Kirchen

Hier sollte rasch agiert werden. Die Kirche sollte sich und ihre Mitglieder schleunigst aus der drückenden Geiselhaft des Kulturerhalters befreien.
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#2
(11-08-2018, 20:36)Sinai schrieb: Der Grund für den Kirchenaustritt war der, die horrend hohe Steuerpflicht zu beenden.

Gut wäre, zuerst einmal Strukturen zu schaffen für eine Nachweismöglichkeit, wofür diese Gelder genau verwendet werden und wohin sie fließen. Ich bin ein mündiger Bürger und möchte auch von der Kirche wissen, was sie damit anstellt. Das würde dann auch ihrem Eigenschutz vor Missbrauch dienen.
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#3
(11-08-2018, 21:10)eddyman schrieb: Ich bin ein mündiger Bürger und möchte auch von der Kirche wissen, was sie damit anstellt.

Das wird wohl nie wirklich transparent sein. Als mündiger Bürger hast Du nicht einmal die Chance zu wissen, was der Staat mit Deinen Steuergeldern anstellt. 

Bis das so weit ist, daß ein wasserdichtes transparentes Kontrollsystem installiert ist, vergeht sehr viel wertvolle Zeit.
Als Sofortmaßnahme wäre es daher erstrebenswert, wenn die Kirche sofort alle Zahlungen für Gebäuderenovierungen und Kunstsanierung stopt. 

Der Gläubige will schließlich nicht Kunstmäzen sein !

Kleines Gedankenexperiment: die kath Kirche viertelt die Kirchensteuer, dreht den Geldhahn bei den Domrenovierungen zu und wartet ab. 
Zuerst einmal wird gar nichts geschehen. In vielleicht 5 Jahren wird der Tourismus Alarm schlagen, daß die Dome unansehnlich schwarz geworden sind und eine Schande für Deutschland (oder Frankreich etc)
Na und? Um in der Kirche drinnen zu beten braucht es keine hellblitzende Außenfassade.

Die Gaudi Kathedrale in Barcelona wird auch keine Touristenmassen mehr anziehen, die Umsätze der dortigen Tourismusindustrie werden abstürzen
("in den Keller fahren" - um im dramatischen und blumenreichen Börsenchargon zu reden).
Na gut, dann werden eben Tourismusabgaben eingeführt!

Die Gläubigen haben endlich Ruh und die Tourismusindustrie soll zahlen
. . .  für die protzig-häßliche Gaudi Kathedrale 

Oder soll die UNESCO zahlen! Die hat dieses Bauwerk ja vollmundig zum "Weltkulturerbe" ernannt
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#4
Eines muß aber einmal gesagt sein.

Wenn die Notre Dame nicht von den Katholiken erhalten werden kann, dann soll die Grande Nation vor die Wahl "Abriß oder Sanierung" gestellt werden. 

Der Bestand dieser großen Kathedrale ist keineswegs das Einzelinteresse der Katholiken. Da sollen wenn schon alle zahlen. Wie beim Eiffelturm
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#5
(11-08-2018, 20:36)Sinai schrieb: Ich möchte gerne folgendes Phänomen diskutieren:
Ich kenne schon mehrere gläubige Katholiken, die aus der Kirche ausgetreten sind, und ihren katholischen Glauben weiter aktiv praktizieren. 
( . . . )
Sie gehen weiterhin jeden Sonntag zur Messe, singen mit, hören Bibellesung und Predigt, gehen zur Kommunion. Sie sind ja nicht durch eine Schleife gekennzeichnet.


Ich wollte eigentlich primär das Phänomen diskutieren, daß immer mehr gläubige Katholiken aus der Kirche austreten aber dann weiter ihren katholischen Glauben aktiv praktizieren. 

(Ein nur äußerlicher Austritt, um eine gewünschte Rechtswirkung - Ende der Kirchensteuerpflicht - zu erreichen, aber dennoch praktizierende Katholiken bleibend)

Diese Menschen verbleiben offenbar trotz formellem Austritt ihrem katholischen Glauben, so wie sie ihn als Kind kennengelernt haben, eng verbunden.

Das Gegenteil von "Papierchristen" eigentlich.
Während es früher viele Papierchristen gab (Leute, die längst nicht mehr glaubten, aber aus gesellschaftlich/beruflichen Gründen in der Kirche verblieben) sind die "Papieraustritte" das genaue Gegenteil:
Aus steuerrechtlichen Gründen unterschreiben sie einen Zettel "Kirchenaustritt" und haben von nun an Ruh von der Kirchensteuer, sind aber aktiv praktizierende Katholiken geblieben. 

Das ist ein spannendes Phänomen.

Abgesehen davon kenne ich tatsächlich mehrere Leute aus dem Osten (Polen etc) die vor 20 Jahren in den Westen kamen, längst hier wohnen, brav hier arbeiten, gläubig sind, jeden Sonntag in die Kirche gehen, aber auf amtlichen Formularen die Religionszugehörigkeit verschweigen, bloß um nicht kirchensteuerpflichtig zu werden.

Wenn man so will, sind das liebenswürdige "Schwarzfahrer", die ohne zu zahlen die Sonntagsmesse besuchen, die Orgelmusik hören, mitsingen, Bibellesung und Predigt genießen, zur Kommunion gehen

Ich denke, sie sind eigentlich wertvoller als die zahlenden "Papierchristen"

Meines Erachtens ist es nicht mehr zeitgemäß, die Kirche durch eine Kirchensteuer zu finanzieren.
Denn die Steuerbehörde kann das religiöse Verhalten / den wöchentlichen Meßbesuch nicht kontrollieren.

Der politische Katholizismus (Einfluß auf die Gesetzgebung im Familienrecht) hat sich vor Jahrzehnten selbst aufgegeben und die Kirche wurde eine reine Event-Veranstaltung für die immer weniger Leute bereit sind, so viel zu zahlen, wenn auch gratis geht.

Dieses Phänomen beobachte ich zunehmend auf Schritt und Tritt. Ich weiß nicht, ob ich mich verständlich ausgedrückt habe. Es geht mir nicht um die Frage der Kontrolle was mit dem Geld geschieht.
Das ist ein anderes Thema, das wahrscheinlich in 20 Jahren noch immer ungelöst sein wird. 

Es geht mir um die prinzipielle Frage, daß nicht wenige praktizierende Katholiken offiziell längst aus der Kirche ausgetreten sind, sich nichts anmerken lassen und gläubig in der Messe sitzen. 

Während es das meine Erachtens vor zehn Jahren noch nicht gab, sind es heute schon einige in meinem Umfeld und die Zahl steigt

Früher gab es auch Kirchenaustritte, aber diese Leute waren dann der Kirche feindlich gesinnt, gingen nie mehr in die Messe. 

Heute gibt es Kirchenaustritte, wo die Leute fröhlich weiter in die Messe gehen

Zusammenfassung:
Früher gab es aus finanziellen Gründen "Papierchristen", heute gibt es aus finanziellen Gründen das Gegenteil "Papieraustritte"
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#6
(12-08-2018, 15:25)Sinai schrieb: Ich wollte eigentlich primär das Phänomen diskutieren, daß immer mehr gläubige Katholiken aus der Kirche austreten aber dann weiter ihren katholischen Glauben aktiv praktizieren. 
Bei mir auch so. Ich besuche die Messe, und nutze wann immer moeglich diese wunderschoenen oeffentlichen Raeume um in entsprechender Atmosphaere zu praktizieren. Dann spende ich vor Ort, in der Hoffnung, dass das Geld auch genau dort Verwendung findet. Steuer erst wieder bei Transparenz.
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#7
Danke für Deine Antwort.
Deine Antwort deckt sich ziemlich genau mit meinen Beobachtungen.
Allerdings sagen die mir bekannten Leute nicht, daß sie bei "Transparenz" wieder in die Kirche eintreten werden, um wieder steuerpflichtig zu werden. 

Ihnen ist die Steuer zu hoch bemessen - egal ob mit oder ohne Transparenz.

Und was hättest Du eigentlich von einer absolut transparenten und verständlichen Auflistung (die es ohnehin nie geben wird) wenn Du mit den Zwecken der Ausgaben nicht einverstanden bist?

Wenn beispielsweise gigantische Summen in den Erhalt von historischer Bausubstanz aus der verspielten Barockzeit draufgehen ?
Damals war die Handarbeit billig und es gab keinen Sauren Regen und keinen fetten Dieselruß

Heute ist der Erhalt dieser Museumsbauten extrem kostspielig und etliche Gläubige wollen nicht dafür aufkommen.

Anderes Beispiel: ich war vor einigen Jahren in Wien und habe Grinzing und den Kahlen Berg besucht.
Dabei fuhr ich mit dem Autobus auf die Höhenstraße
Dies ist eine Prachtstraße auf den Kahlen Berg, sie wurde vom Diktator Dr. Engelbert Dollfuß im Jahre 1934 errichtet.
Damals war eine Rekordarbeitslosigkeit aufgrund der Weltwirtschaftskrise von 1929
Um wenigstens irgend eine Arbeit zu schaffen, entschloß er sich zum Bau dieser Bergstraße. Und zwar aus Katzenpflaster. Lauter Steinwürfel mit einer Seitenlänge von 8 cm liegen da
Extrem arbeitsaufwendig !
Aber das war ja auch beabsichtigt, um die Arbeitslosen zu beschäftigen. Und die mußten ohnehin für einen Hungerlohn schuften. Zahllose hungernde Akademiker mußten mit ihren zarten Händen diese Steine dort auflegen

Nun wurde diese Höhenstraße sanierungsbedürftig, wie ich hörte. Die derzeitige Stadtregierung will aber kein neues Katzenpflaster haben.
Heute baut man so nicht !
Das wäre bei den heutigen Löhnen viel zu teuer und außerdem menschenverachtend. Kein Österreicher will kniend dort schuften, um eine Höhenstraße mit Katzenpflaster zu sanieren.
Daher wird diese Straße angeblich mit Asphalt übergossen werden.

Und die Chinesische Mauer wurde von Sklavenhänden gebaut und alle Generationen renoviert.
Es wäre irrsinnig, dieses Bauwerk heute erhalten zu wollen. Man kann nicht zu sklavereiähnlichen Zuständen zurückkehren, nur um derartiges zu erhalten. Soll es halt verfallen! 
Fünf Kilometer dieser Mauer wird man wohl aus musealen Gründen erhalten, mehr aber nicht.

Oder die City of London
Ein riesiges Baudenkmal mit verspielten Fassaden aus einer Zeit, als ein Heer von Restauratoren für ein Butterbrot arbeiten mußte.
Diese Zeiten sind Gott sei Dank vorbei

Bei den alten Domen ist es ähnlich. Um diese verspielten Fassaden zu erhalten, gäbe es zwei Möglichkeiten:

1.) Man finanziert das wie bisher durch die Kirchensteuer. Hier geht aber langsam die Bereitschaft verloren
Denn die Zahl der Katholiken sinkt, die meisten wohnen in Außenbezirken und nicht in der unerschwinglich teuren Altstadt, besuchen daher nie Messen in diesen Domen, außerdem haben die Jungen schlechte Gehälter und müssen hohe Wohnungsmieten zahlen. Die fetten Jahre sind vorbei!

2.) Man schafft wieder eine Gesellschaft, in der ein Heer von Handarbeitern für einen Hungerlohn schuften muß.
Das ist unerwünscht


Wenn man sich einen Handwerker wegen einer kleinen Reparatur des verstopften Abflusses des Waschbeckens in die Wohnung ruft, kommt das sehr teuer. Da kann man sich vorstellen, was es kostet, auch nur einen einzigen Wasserspeier in 20 Meter Höhe auf der Fassade eines Domes fachgerecht zu renovieren. Fachgerecht heißt, daß kein Stein durch Frost herunterbrechen kann und einen Fußgänger erschlägt. Und das auf Jahre. Da darf nicht der geringste Harriß bleiben, der dann in zehn Jahren wenn das Baugerüst längst weg ist und keine Inspektion durchgeführt werden kann, durch Frostschäden zur Gefahr werden kann. Da muß sehr verantwortungsvoll gearbeitet werden (Meisterarbeit) und das kostet. Und ein Dom hat zahllose Wasserspeier, Skulpturen, Zinnen, Säulen
Eine astronomisch teure Liebhaberarbeit alle paar Jahre

Diese schönen alten Baudenkmäler sind längst eine Bürde für die Katholiken geworden
Die Selbstverständlichkeit, mit der Katholiken dafür zu zahlen bereit sind, geht allmählich verloren

Der Katholik will nicht Kunstmäzen sein und ist mit der Höhe der Kirchensteuer zunehmend uneins
Viele zahlen noch murrend, aber murren tun schon alle!
Immer mehr treten aus der Kirche aus, um der Steuerpflicht zu entgehen.

Man soll den Teufel nicht an die Wand malen, aber hohe Baukosten waren schon einmal der Grund für eine Kirchenspaltung.
Der Bau des Petersdoms in Rom verschlang derartige Summen, daß die Kirche daran zugrunde ging.

Damals finanzierte man durch Ablaßhandel. Das Geschäft mit der Angst. Mit der Angst vor Höllenstrafen.
Wohin dieses Geschäft mit der Angst führte, wissen wir.

Heute operiert man mit der Steuerbehörde
Und immer mehr Katholiken treten aus der Kirche aus, um der sonst unentrinnbaren Steuerpflicht zu entgehen.
Und besuchen dennoch die sonntäglichen Gottesdienste und singen dort mit, hören Bibellesung und Predigt und gehen zur Kommunion

Sie treten nicht aus innerer Feindschaft zur katholischen Religion aus, sondern lediglich aus steuerrechtlichen Gründen

Ich bin gespannt, wie die Kirche auf dieses anwachsende Phänomen reagieren wird

a) Wird sie Mitgliederlisten beim Kirchentor auflegen? Und jeder der die Messe besuchen will, muß sich mit Lichtbildausweis legitimieren? Ein Ding der Unmöglichkeit. Denn wenn die Messe um 10 Uhr beginnt, kommen 90 % der Meßbesucher in den zehn Minuten von 9:58 und 10:08
Da kann man keine Menschenschlangen vor dem Kirchentor provozieren, wo dann der letzte erst um 10:20 in die Kirche darf

b) Abgesehen davon - was passiert mit den Touristen, die am Urlaubsort zur Messe gehen wollen ?
Oder mit Familien die zu Weihnachten zur Oma reisen ?
Sie dürften nicht hinein, weil sie nicht in der Liste der Pfarre aufscheinen. 
Sie müßten sich durch einen Mitgliedsausweis legitimieren, der aber nur durch eingeklebte Mitgliedsmarken gültig ist, denn sonst können ja auch die Leute nach dem Kirchenaustritt hinein. Extremer Verwaltungsaufwand mit den Mitgliedsmarken. 

Ein administrativer Wahnsinn, wie man es auch betrachtet.
Wird die Kirche in den Atavismus der Drohung mit Höllenstrafe drohen ?
Wer austritt bekommt kein kirchliches Begräbnis und landet in der Hölle ?
Die Hölle als Druckmittel hat aber schon beim Ablaß zur Finanzierung des Petersdoms die Kirche ruiniert 

Dazu kommt, daß heute die meisten Katholiken nicht mehr an die Hölle glauben. Da müßte die Kirche einen massiven Paradigmenwechsel machen und jahrelang massiv Höllenängste schüren. 
Ein heute schwer vorstellbarer Atavismus, der die moderne Kirchenpraxis in Frage stellen würde, ein Richtungswechsel um 180 Grad
Da wäre ein Drittes Vatikanum erforderlich

Alles unvorstellbar, somit wird alles bleiben wie es ist.
Wer nicht zahlt, kann trotzdem am Gottesdienst teilnehmen

Hier geht die Kirche einem nicht zu unterschätzenden neuen Problem entgegen:
Neu insofern, daß nicht unchristliche Leute austreten, sondern neuerdings auch gläubige Katholiken die freudig weiter regelmäßig die Sonntagsmessen besuchen

Solange das ein ganz kleiner Prozentsatz ist, kann darüber hinweggesehen werden - aber wenn einmal ein kritischer Prozentsatz erreicht ist, werden die zahlenden Katholiken auch das Handtuch werfen

Niemand hat Zahlen, nicht einmal Schätzwerte. 
Schließlich weiß niemand, ob der liebe Herr mit Schnurrbart und Brille mit dem weißen Hemd in der 3. Reihe links ein Zahler ist oder nicht. Er kann ja auch zu einer anderen Pfarre gehören, aber aus irgendwelchen Gründen die Messe hier besuchen.
Aus Gründen der Uhrzeit (zu früh / zu spät), wegen der Rhytmischen Messe die er liebt oder verabscheut, wegen der üppigen Geigenmusik die er liebt oder verabscheut, Predigt und Liturgie zu konservativ oder zu progressiv, wegen des Vorhandenseins oder des Nichtvorhandenseins weiblicher Ministranten, wegen des ihm sympathischen oder unsympathischen Pfarrers etc etc etc
Viele Leute gehen regelmäßig zu Sonntagsmessen in anderen Pfarren, zu denen sie eigentlich distriktmäßig nicht gehören. Aber jeder Mensch hat das Recht selbst zu entscheiden wo er die Messe besucht, und das ist auch sehr im Interesse der Pfarren, daß niemand dort sitzen muß wo er sich nicht wohl fühlt und womöglich zu kritisieren beginnt. Kein Mensch hat den Überblick wer der vielen Anwesenden Zahler ist und wer ausgetreten ist.
Sind derzeit 0,5 oder 1,5 Prozent der Gottesdienstbesucher Nichtzahler ? 

Und wo wird die kritische Grenze sein ?  Bei dreieinhalb oder erst bei fünf Prozent ??
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#8
Ob das alles so stimmt - auch noch in permanenter Wiederholung?

Der Kölner Dom bzw. seine Erhaltung oder Renovierung wird definitiv nicht durch die Kirchengemeinde getragen sondern ist Landes- oder Bundessache (Nachfolger Preußens). Es ist von einer "Kulturstiftung" die Rede, welche ihre Einnahmen dem Erhalt des Doms widmet. Mag sein, dass einige Personalkosten aus Kirchensteuermitteln getragen werden.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#9
Der Koelner Dom gehoert nicht mal der Kirche.
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#10
(11-08-2018, 20:36)Sinai schrieb: Ich möchte gerne folgendes Phänomen diskutieren:
Ich kenne schon mehrere gläubige Katholiken, die aus der Kirche ausgetreten sind, und ihren katholischen Glauben weiter aktiv praktizieren. 
( . . . )
Sie gehen weiterhin jeden Sonntag zur Messe, singen mit, hören Bibellesung und Predigt, gehen zur Kommunion. Sie sind ja nicht durch eine Schleife gekennzeichnet.


Ich wollte eigentlich primär das Phänomen diskutieren, daß immer mehr gläubige Katholiken aus der Kirche austreten aber dann weiter ihren katholischen Glauben aktiv praktizieren.

Dabei möchte ich mich nicht in Detailfragen verlieren (wer steht beim Kölner Dom im Grundbuch; wer zahlt welchen Prozentsatz), sondern es geht mir um die Thematik, daß Glaube auch ohne Kirchensteuer möglich ist

Ich denke, das ist möglich. Kirchenrechtlich und steuerrechtlich wird das zwar abgelehnt werden, aber Glaube ist kein Rechtsbegriff und kann nicht verboten werden.

Wenn Leute aus der Kirche austreten, aber dennoch täglich ihre Gebete verrichten und sich an den Sonntagen in die Messe setzen um dort andächtig mitzufeiern, kann weder Kirche noch Fiskus etwas dagegen tun
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#11
Ich habe einen interessanten Artikel zu Spanien gefunden:

"Finanziert wird die katholische Kirche vom spanischen Staat auf Grundlage eines Vertrages mit dem Heiligen Stuhl und nicht aus direkt entrichteten Kirchensteuern ihrer Mitglieder, weshalb ein Kirchenaustritt keine finanziellen Vorteile bringt."
Spanien - Wikipedia
Religionen und Weltanschauungen

Der katholischen Kirche in Spanien geht es gut, sie hat viel weniger Kirchenaustritte zu beklagen als in Deutschland.

Ich denke, das spanische Modell wäre für die Katholische Kirche in Deutschland die Rettung.
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#12
(22-09-2018, 15:38)Sinai schrieb: Der katholischen Kirche in Spanien geht es gut, sie hat viel weniger Kirchenaustritte zu beklagen als in Deutschland.

Diese Aussage stuetzt sich auf was?

Spanien ist ein saekulares Land, genau wie Deutschland. Zwar bezeichnen sich 66,3% der Spanier als Katholiken, aber 62,5% davon gehen so gut wie nie zur Kirche (einmal pro Jahr oder seltener). Von den Mitgliedern gehen auch nur 14,3% wenigstens einmal pro Woche (meist sonntags) in die Kirche. Alle anderen Religionen und Konfessionen summieren sich uebrigens auf 2,5%, fallen also nicht weiter ins Gewicht. 28,5% sind religionslos, und generell finden sich Mehrheiten in der Bevoelkerung fuer gesellschaftlich progressive Positionen. Die moralischen Vorschriften der Kirche werden in der Bevoelkerung allgemein ignoriert. Das Priesteramt hat auch in Spanien schon seit Jahrzehnten die Schwindsucht, und das Durchschnittsalter der Gemeindepriester liegt mittlerweile (Stand 2018) bei 65,5 Jahren.
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#13
(22-09-2018, 16:19)Ulan schrieb: Zwar bezeichnen sich 66,3% der Spanier als Katholiken, aber 62,5% davon gehen so gut wie nie zur Kirche (einmal pro Jahr oder seltener).


Und nun stell Dir vor, die würden nun in Spanien die Kirchensteuer einführen . . .
Glaubst Du, daß die Vielen, die "so gut wie nie zur Kirche" gehen, dann bei der Kirche bleiben würden ?

Der Satz im Wikipedia ist eben schon sehr plausibel:

"Finanziert wird die katholische Kirche vom spanischen Staat auf Grundlage eines Vertrages mit dem Heiligen Stuhl und nicht aus direkt entrichteten Kirchensteuern ihrer Mitglieder, weshalb ein Kirchenaustritt keine finanziellen Vorteile bringt."
Spanien - Wikipedia
Religionen und Weltanschauungen
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#14
Und was bringen die ganzen Karteileichen? Katholische Priester gibt's ja anscheinend in Spanien bald auch keine mehr. Sie versuchen zwar, die Loecher mit Auslaendern zu stopfen, aber das funktioniert nur zum Teil, und nur in den Ballungszentren an der Kueste.
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#15
(22-09-2018, 16:30)Ulan schrieb: Und was bringen die ganzen Karteileichen?


Was heißt "Karteileichen" ?
Wenn jemand zwar nur alle zwei oder drei Jahre zur Kirche geht, aber sich dennoch als Katholik deklariert (kein Moslem, kein Buddhist, kein Atheist) dann wird er eben zur katholischen Mehrheit gezählt und stärkt sie dadurch.

Das ist so wie bei den Wahlen. Der Bürger macht auch nur alle paar Jahre sein Kreuzerl am Wahlzettel, und das war's schon

---

Und wie ich schon sagte: nicht alle Ausgetretenen in Deutschland sind wegen Verlust des Glaubens ausgetreten; im Gegenteil, viele sind gläubige Katholiken - und traten nur aus steuerlichen Gründen aus, um der Kirchensteuer zu entgehen.

Ein rein äußerlicher Austritt, eigentlich ein Steuerbetrug
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