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Leben nach dem Tod - Leben trotz Tod
#1
Wie kann man sich ein "Leben nach dem Tod" vorstellen?  Wie ist das gemeint?

Ich habe darüber viel mit Angehörigen unterschiedlichster Religionen diskutiert:

Katholiken glauben, daß die körperlose Seele im Himmel, dem Limbus (ungetauft verstorbene Neugeborene), dem Fegefeuer, der Hölle ist.
Der Aufenthaltsort ist - mit Ausnahme des Fegefeuers - statisch

Calvinisten glauben auch an die unsterbliche Seele

Aber gehen wir zur Frage: was bedeutet "Leben nach dem Tod" ?

Eigentlich bedeutet es "Weiterleben trotz Tod"  -  Das heißt streng genommen "Der Tod tritt nicht ein"  -  Dazu sagt man Unsterblichkeit
Wie die Unsterblichen der alten Griechen

Atheisten glauben an die seit Ewigkeit bestehende Materie. Auch dies setzt einen starken Glauben voraus. 
Ich persönlich kann nicht daran glauben, daß die Materie seit Ewigkeit besteht!

Zeugen Jehovas glauben ebenso wie die Atheisten, daß der Mensch keine Seele hat (wie das Tier) - außer die 144.000 die schon so etwas wie eine Seele haben, die dann bei Eintritt des Todes des menschlichen Körpers als Geistwesen in den Himmel fliegt.

Doch abgesehen von den 144.000 glauben Zeugen Jehovas an eine Neuschaffung des toten Menschen im Paradies. Es ist keine Auferstehung, sondern die Schaffung eines neuen Körpers. Zum Beispiel die vielen Toten in Hiroshima sind verdampft
Es wird von Jehova ein neuer Körper geschaffen, ein identisches Klon mit derselben DNA
Ein Zeuge Jehovas erklärte mir das so, wie wenn von einer CD eine neue CD hergestellt wird
Aber ist das noch derselbe Mensch? Ich bezweifle das. Da keine Seele vorhanden ist, ist das nur eine Kopie. Eine hundertprozentig genaue zwar, aber eben nur eine Kopie. 
Es kann doch für einen Menschen kein Trost sein, daß er zwar stirbt, aber später im Paradies eine hundertprozentig genaue Kopie von ihm herumlaufen wird. Eine philosophische Frage. Aber im Bereich der Religion darf man wohl philosophieren. 
Ich stelle mir das so vor:  Jehova liebt seine Verehrer. Wenn sie sterben, schafft sich Jehova Duplikate von seinen Lieblingsspielzeugen. Schön für ihn, aber seine Verehrer haben nichts davon!

Andererseits glauben Zeugen Jehovas wie gesagt, daß 144.000 Seelen in den Himmel fahren. Das heißt als Geistwesen ohne menschlichen Körper. Somit lehnen sie den Glauben an eine unsterbliche Seele nicht prinzipiell ab.

Daraus folgt:
Atheisten glauben nicht an die Unsterblichkeit
Zeugen Jehovas glauben (mit Ausnahme der 144.000 Geistwesen die in den Himmel fahren) ebenfalls nicht an die Unsterblichkeit.

Eigentlich haben Zeugen Jehovas zwei unterschiedliche Vorstellungen vom Tod
1.)  Eine kleine Minderheit hat das Vorrecht, als Geistwesen (sagen wir gleich "Seele" dazu) in den Himmel aufzufahren
2.)  Die große Mehrheit stirbt seelenlos, wird aber später im Paradies neu geschaffen

Nicht böse sein, aber das Vorliegen von zwei derartigen unterschiedlichen Vorstellungen dürfte ein Indiz für eine Mischreligion sein. Gerade das, was die Zeugen Jehovas gerne anderen Religionen vorwerfen - synkretistisch zu sein - dürfte eben auch bei den Zeugen Jehovas vorliegen. Und zwar in viel stärkerem Ausmaße als bei den Katholiken.
Eine Religionsgemeinschaft wie die Zeugen Jehovas, die zwei unterschiedliche Todesvorstellungen vereint, ist auffällig

Trotz aller Beteuerungen zum Trotz dürfte die Lehre der Zeugen Jehovas synkretistisch sein.

Denken wir den Gedanken weiter:  Ein Zeuge Jehovas - nennen wir ihn John - lebt brav als Farmer
Er weiß, wenn er stirbt, ist alles aus. Er hat keine Seele. Sein Körper verwest.
Er hat die Hoffnung, daß vielleicht 5 Jahre nach seinem Tod das Paradies auf Erden ausbricht, und eine exakte Kopie von ihm dann herumlaufen wird. Meines Erachtens ist das keine Hoffnung für ihn, daß da jemand anderer mit seinem Aussehen im Paradies sitzen wird. 
Doch John hat eine echte Hoffnung: wenn er sich sehr bemüht und die Lehre der Zeugen Jehovas stark verkündet, dann kann er zu den 144.000 gehören. Dann hat er plötzlich neben seinem Körper ein Geistwesen, das nach seinem Tode in den Himmel auffährt
Woher kommt dieses Geistwesen plötzlich? Kommt es von außen und fährt es in seinen lebenden Körper ein? Gibt es da Konkurrenz wischen seinem bisherigen Ich und dem Geistwesen?
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#2
(25-08-2018, 12:28)Sinai schrieb: Eigentlich bedeutet es "Weiterleben trotz Tod"  -  Das heißt streng genommen "Der Tod tritt nicht ein"  -  Dazu sagt man Unsterblichkeit

Im NT heißt es: 

"Amen, ich sage euch: Von denen, die hier stehen, werden einige den Tod nicht erleiden, bis sie den Menschensohn in seiner königlichen Macht kommen sehen." Matth 16:28  (Einheitsübersetzung)

Das dürfte bedeutet haben:
Der Menschensohn wird derart bald kommen, daß ihn einige von denen, die hier stehen, noch erleben werden
Doch es vergingen fast 2000 Jahre, ohne daß der Menschensohn kam - alle von denen sind längst tot !

Die einzige Möglichkeit, Matthäus 16:28 zu deuten, ohne dieses Versprechen aufzuheben, ist meines Erachtens die, daß "einige" eben den Tod nicht erlitten !
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#3
Ich weiss nicht, wie man so viel auf einmal falsch hinbekommen kann. Weder was Du ueber den Glauben von Katholiken noch ueber die Ansichten "der Atheisten" sagst, ist auch nur ansatzweise korrekt.

Ansonsten geht's wohl hauptsaechlich wieder um Zeugen Jehovas. Der Thread wird spaeter entsprechend verschoben.
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#4
Ich habe zu Matth 16:28 eine interessante Diskussion in bibelkommentare.de gefunden:
"Christus kann nur „einige“ von seinen Jüngern mitnehmen, gerade diejenigen, die durch ihren Dienst und ihre Hingabe eine besondere Treue immer wieder bewiesen hatten. Sie sollten den Tod nicht schmecken, bis sie den Sohn des Menschen haben kommen sehen in seinem Reich. Viele haben gerätselt, was damit gemeint sein könnte. Einige meinten, diese Jünger würden nicht sterben, bis der Herr Jesus sein Königreich aufrichtet. ( . . . ) Wir können heute sicher sagen, dass diese Auslegung falsch ist, denn alle Jünger sind gestorben. Aber weder hat das Königreich des Herrn in äußerer Machtentfaltung begonnen – und gerade davon ist hier die Rede –, noch ist der Herr Jesus wiedergekommen."
Das Matthäusevangelium - Eine Auslegung :: bibelkommentare.de

Allerdings kann ich dieser Argumentation nicht folgen. Was soll denn das heißen, "Christus kann nur „einige“ von seinen Jüngern mitnehmen"

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#5
(25-08-2018, 12:28)Sinai schrieb: Wie kann man sich ein "Leben nach dem Tod" vorstellen?  Wie ist das gemeint?
Gehen wir einmal davon aus, dass die Bibel, insbesondere  das Neue Testament, vom Sein christlich Glaubender spricht. In diesem Fall gilt, dass das christliche Sein eingebettet ist in das „Gottesreich“, also das göttliche Sein. Das bedeutet, dass „Seele“ oder „Auferstehung“ Metaphern sind, die etwas sprachlich auszudrücken versuchen, was sich dem unmittelbaren Nachdenken entzieht. Denn ohne Leben, ist das Denken verschwunden (und damit auch „Seele“ bzw. deren Auferstehung). Wir haben es mit etwas vollkommen Undenkbarem zu tun!
Alle Versuche, sich darauf einen Reim zu machen, sind zum Scheitern verurteilt. Wir können nur als Lebende und nur für den Zeitraum des Lebens nachdenken.

(25-08-2018, 12:28)Sinai schrieb: Aber gehen wir zur Frage: was bedeutet "Leben nach dem Tod" ?
Eigentlich bedeutet es "Weiterleben trotz Tod"  -  Das heißt streng genommen "Der Tod tritt nicht ein"  -  Dazu sagt man Unsterblichkeit.
Ja, das muss man wohl so sagen, wenn man die Aussagen umgangssprachlich auffasst. Aber es gibt andere Interpretationen, die sagen, dass „Unsterblichkeit“ die Vollendung des Lebens bedeutet mit dem Zusatz „in Gott“. Dies bedeutet, dass unser Menschenleben eingebettet ist in das Große und Ganze der Schöpfung. Die Vorstellung einer „Seele“ ist dazu entbehrlich.

(25-08-2018, 12:28)Sinai schrieb: Atheisten glauben an die seit Ewigkeit bestehende Materie. Auch dies setzt einen starken Glauben voraus.
Es ist zwar nicht wichtig, aber wie kommst du darauf?

(25-08-2018, 12:28)Sinai schrieb: Ich persönlich kann nicht daran glauben, daß die Materie seit Ewigkeit besteht!
Das tut sie auch kosmologisch gesehen nicht.

(25-08-2018, 12:28)Sinai schrieb: Daraus folgt:
Atheisten glauben nicht an die Unsterblichkeit.
Das folgt nicht aus deinen Ausführungen! Auch als Christ halte ich den Gedanken an ein physisches Weiterleben nicht für zwingend. Es gibt einfach nur eine Denkrichtung, die sich das Weiterleben nach dem Tode ganz real vorstellt.

Den Rest über die Zeugen Jehovas und dein zweites Statement vermag ich nicht nachzuvollziehen. Es hat bereits im Judentum zwei Denkrichtungen gegeben: Jene, die an eine Seele und deren Auferstehung glaubten und jene, die diese Vorstellung ablehnten. Gemeinsam ist ihnen nur die Sorge darum, das Leben im Sinne der Gottesvorstellung zu vollenden (rechtzeitige Vergebung aller Sünden zu erreichen!).
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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