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Papias von Hierapolis
#1
Über die Person des Papias ist wenig bekannt. Die fünf Bücher, die er geschrieben hat, trugen den Titel "λογίων κυριακών έξήγηαις"  (Darlegung der Herrenworte). Das Werk ist nur fragmentarisch erhalten, vornehmlich durch Anmerkungen von ↗Irenäus von Lyon (in Adversus haereses) und ↗Eusebius von Caesarea (in seiner Kirchengeschichte). Dazu sind rund 20 weitere Belegstellen zu Papias in Werken verschiedener Autoren in griechischer, lateinischer und armenischer Sprache bekannt (Körtner 170). Heute wird von den Fachgelehrten überwiegend angenommen, dass Papias sein Werk zwischen 130-140 nC verfasst hat.

Irenäus berichtet, Papias sei ein Schüler des (Apostels?) ↗Johannes und ein Freund ↗Polykarps von Smyrna gewesen1. Die Stätte seines Wirkens Hierapolis ist das heutige Pamukkale.

Papias hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Vielzahl der in seiner Zeit kolportierten Herrenworte zu sammeln und einzuordnen, das heißt, die richtigen von den falschen zu scheiden. Darüber hinaus berichtete er über Begebenheiten, die in dem Evangelium, das ihm vorlag, nicht festgehalten waren. Diesen Text bezeichnete Papias allerding nicht als Evangelium, sondern als "Buch über das vom Herrn Gesagte und Getane" (Vielhauer 254). Er ist der erste Kirchenschriftsteller, der den Text mit dem Namen Markus in Verbindung bringt und das schriftlich festhält (Vielhauer 259).

Was sein Wissen über den Markustext betrifft, beruft sich Papias auf einen πρεσβύτερος (also auf einen priesterlichen Funktionsträger, der anonym bleibt). Markus habe ↗Jesus zwar nicht persönlich gekannt, behauptet Papias, sei aber als Übersetzer des ↗Petrus über alles, was Petrus an Lehrvorträgen gehalten hat, informiert gewesen und habe es sorgfältig niedergeschrieben2

Über die Existenz eines ↗Matthäusevangeliums wusste Papias offenbar Bescheid, gekannt dürfte er es aber nicht haben. "Matthäus aber habe die Reden in Hebräisch zusammengestellt und jeder übersetzte sie, so gut er konnte" (Eus. h.e. III 39, 16)3, bemerkte er, was bis in die heutige Zeit die Grundlage für entsprechende Spekulationen bildet. Schon Eusebius hat einige Behauptungen des Papias mit Skepsis entgegengenommen4.

Dass es ein hebräisches (aramäisches) Matthäusevangelium nie gegeben hat, darüber sind sich die Fachgelehrten heute weitestgehend einig.


1) "…Papias, ein Hörer des Johannes und ein Hausgenosse des Polykarpus…" (Iren. Adv. Haer. 33, 4).
Eusebius dagegen berichtet, Papias habe den Apostel persönlich nicht gekannt. Papias habe das, schreibt Eusebius, in der Einleitung zu seiner Schrift selbst festgehalten (h. e. III, 39, 2).

2) Ohne die Papiasnotiz käme wohl niemand auf die Idee, Petrus mit dem ↗Markusevangelium in Verbindung zu bringen. Alle Theorien, die später dazu entwickelt wurden, berufen sich auf Papias. Das Evangelium selbst bietet dazu keinen Anlass. Petrus spielt in ihm eine weit weniger markante Rolle als bei ↗Matthäus oder ↗Lukas.

Irenäus lässt Markus sein Evangelium nach dem Tod des Petrus abfassen, ↗Clemens v. Alexandria noch zu dessen Lebzeiten und nach ↗Origenes hätte Petrus dem Markus das Evangelium gar diktiert. Allen diesen Behauptungen lag ausschließlich die entsprechende Papias-Notiz zugrunde. Sie sind historisch wertlos (Vielhauer 260).

3) Von den alten Kirchenschriftstellern wird ↗Hebräisch von ↗Aramäisch häufig nicht unterschieden. Papias wird wohl einem aramäischen Text gemeint haben.

4) "Obwohl er, wie man aus seinen Worten schließen kann, geistig sehr beschränkt gewesen sein muss, hat er doch sehr vielen späteren Kirchenschriftstellern, die sich auf das Alter des Mannes beriefen, wie dem Irenäus und denen, die sonst noch solche Ideen vertreten, Anlass zu ähnlicher Lehre gegeben" (Eus. h.e. III 39, 13).


Literatur:
Philipp Vielhauer. Geschichte der urchristlichen Literatur. 1978 Berlin. Verl. W. de Gruyter.
Ulrich H. J. Körtner in: Wilhelm Pratscher. Die Apostolischen Väter. 2009 Göttingen. Verl. Vandenhoeck & Ruprecht.




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MfG B.
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