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Jesus und der Zöllner
#1
Jesus und der Zöllner

Jesus liebte demonstrativ die Ausgegrenzten. Doch war das überhaupt immer sozial wünschenswert?
Waren nicht so manche der "Ausgegrenzten" zu recht ausgegrenzt? Weil sie schlechte Menschen waren und vom Unglück anderer reich wurden

Wenn Jesus zu Kranken lieb war, dann war das sehr schön und wertvoll. Wenn er aber böse Menschen verhätschelte, so war das eben nicht in Ordnung und wurde zurecht kritisiert

Lukas 19,1-10 schildert die Begebenheit "Jesus und der Zöllner"
"Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein." Lk 19,5

Ich habe mich immer gefragt, was die "Zöllner" waren. Das waren nicht Zollbeamte an der Grenze, wie man aufgrund des Wortes fälschlich annehmen könnte.

Ich suchte nun im engl. Wörterbuch Zöllner = publicans

Und fand diesen Begriff in der Jewish Encyclopedia (New York, 1906)

PUBLICAN:
". . . The Romans were accustomed to farm out, generally for five years, the customs dues on exports. ( . . . ) Echoes of this ill repute are found in the New Testament, where publicans are coupled with sinners (Matt. ix. 10; Luke v. 30, vii. 34), and even with the most degraded persons (Matt. xxi. 31). Taxes were levied on pearls (Kelim xvii. 15), slaves (B. B. 127b), and boats ('Ab. Zarah 10b). Tax-farmers were not eligible as judges or even as witnesses (Sanh. 25b), and it was even regarded as undesirable to exchange moneywith them, as they might be in possession of stolen coin. If one member of a family was a publican, all its members were liable to be considered as such for purposes of testimony (Sheb. 39a)."

Steuern wurden auf Perlen, Sklaven und Boote erhoben.
Das heißt, diese Leute lebten auch vom Sklavenhandel
Erschlagen durften sie nicht werden, da sie unter dem Schutz der Besatzungsmacht standen. Aber sie wurden zurecht geächtet.
Daß solche Leute nicht Richter oder Zeugen sein konnten, war doch gut.
War doch gut, daß ihre Familienmitglieder ausgegrenzt wurden - der Mann sollte spüren, daß seine Kinder Parias waren und daß seine Frau trotz allem Reichtum nicht die große Dame spielen konnte. ha ha

Ein Kind eines reichen Asozialen soll nicht besser gestellt sein als ein Kind eines ärmlichen braven Mannes.

Heute gibt es Drogenhändler, die vor den Schulen stehen. Sie leben vom Unglück anderer Leute, ruinieren Jugendliche und deren Familien. Und da sie klugerweise immer nur kleine Rationen eingesteckt haben (sog. "Tagesration") ist das leider derzeit noch straffrei. Doch sie werden zumindest ausgegrenzt. Ist doch gut so!

Es ist nicht die Aufgabe von Christen, solche Leute zu lieben und zu unterstützen (Thema Strafrechtsreform), wie sie es neuerdings immer öfter tun . . . sonst machen sie sich mitschuldig und gehören auch geächtet
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#2
Was ist jetzt genau das Thema? Dass Du die Botschaft Jesu ablehnst?

Die Leute, um die es bei τελώνης ging, trieben generell die Steuern ein. Sklaverei war nicht mit einem negativen Stigma versehen (auch in Deutschland durften Juden unter kaiserlichem Privileg noch lange Sklaven halten, solange die Sklaven keine Christen waren, und diese Sklaven durften sich nicht durch Taufe der Sklaverei entziehen). Keiner zahlt halt gerne Steuern, und die Steuereintreiber waren unter anderem wegen ihres dauernden Umgangs mit Nichtjuden kultisch unrein, weshalb man sich als Jude von ihnen fernhalten sollte. Nicht mal ihre Sachen durften angefasst werden.

Keine Ahnung, was daran jetzt prinzipiell eine Aechtung berechtigen wuerde (im Unterschied zum Einzelfall, wo persoenliche Bereicherung im Spiel ist). Da ist's wohl wie heute mit Gerichtsvollziehern, die auch keiner mag, die aber im Prinzip eine normale staatliche Aufgabe wahrnehmen.
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#3
(30-12-2018, 00:51)Sinai schrieb: War doch gut, daß ihre Familienmitglieder ausgegrenzt wurden - der Mann sollte spüren, daß seine Kinder Parias waren und daß seine Frau trotz allem Reichtum nicht die große Dame spielen konnte. ha ha

Ein Kind eines reichen Asozialen soll nicht besser gestellt sein als ein Kind eines ärmlichen braven Mannes.

Heute gibt es Drogenhändler, die vor den Schulen stehen. Sie leben vom Unglück anderer Leute, ruinieren Jugendliche und deren Familien. Und da sie klugerweise immer nur kleine Rationen eingesteckt haben (sog. "Tagesration") ist das leider derzeit noch straffrei. Doch sie werden zumindest ausgegrenzt. Ist doch gut so!

Es ist nicht die Aufgabe von Christen, solche Leute zu lieben und zu unterstützen (Thema Strafrechtsreform), wie sie es neuerdings immer öfter tun . . . sonst machen sie sich mitschuldig und gehören auch geächtet


Ausgrenzung von Familienmitgliedern ist meist eine schlechte Vorgehensweise.
So wie ich die christliche Theologie verstehe, sollen auch die 'Ausgegrenzten' als Menschen akzeptiert, und dann (wenn wirklich unfriedlich) mit Liebe möglichst auf den Weg der Besserung geführt werden.

'Drogenhändler, die vor den Schulen stehen' sind sicherlich ein Problem, aber die christliche Theologie hat mit Drogen (z.B. Wein) doch eher weniger Probleme.
Und da es Drogen in jedem Supermarkt und in jeder Form auch im Internet gibt, ist da 'Ausgrenzung' auch fraglich, und mit christlicher Theologie nicht zu begründen, und 'Zöllner' haben damit auch wenig zu tun.
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#4
(30-12-2018, 01:37)Ulan schrieb: Was ist jetzt genau das Thema? Dass Du die Botschaft Jesu ablehnst?

Deshalb weil jemand das eine oder andere Gleichnis nicht akzeptiert, lehnt er nicht die ganze Botschaft Jesu ab.
Niemand kann von der Menschheit verlangen, sich bedingungslos und unkritisch an allen Episoden Jesu zu orientieren.
Die Menschen haben wohl das Recht zu sagen, dieser oder jene Weg ist mir zu viel, ich will ihn nicht nachmachen


(30-12-2018, 01:37)Ulan schrieb: Sklaverei war nicht mit einem negativen Stigma versehen

Aber für uns heute schon
Jemand, der sich mit schmutzigen Leuten einließ (die am Sklavenhandel gut mitverdienten), ist in dieser Hinsicht nicht mein Vorbild. Hier geht die Feindesliebe zu weit
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#5
Dir scheint's mal wieder gar nicht um die Bibel zu gehen, sondern um Dein Hadern mit dem heutigen Strafrecht. Und ja, wie Mustafa sagte, Sippenhaft ist heutzutage zum Glueck abgeschafft, da sie grundlegenden Gerechtigkeitsueberlegungen widerspricht.

Fuer die Kirche hat ein Zoellner das erste Evangelium verfasst. Du dagegen scheinst die christliche Grundbotschaft abzulehnen, die Solidarisierung mit den Ausgegrenzten verlangt. Was mich dabei wundert, ist, dass Du trotzdem noch so oft irgendwelche Bibeltexte in ihrer woertlichen Wahrheit verteidigen willst. Da ist ein gewisser gedanklicher Bruch zu spueren.

Es gibt aber viele Christen, die vergessen, dass ein Grossteil der christlichen Botschaft gegen Selbstgerechtigkeit gerichtet ist.
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#6
(30-12-2018, 15:49)Ulan schrieb: . . . die Solidarisierung mit den Ausgegrenzten verlangt.

Solidarisierung mit ausnahmslos allen "Ausgegrenzten" ohne nach dem konkreten Grund ihrer Ausgrenzung zu fragen, wäre eine unerfüllbare Forderung

Solidarisierung mit Kranken ist sehr lieb, aber:

(30-12-2018, 13:15)Sinai schrieb: Jemand, der sich mit schmutzigen Leuten einließ (die am Sklavenhandel gut mitverdienten), ist in dieser Hinsicht nicht mein Vorbild. Hier geht die Feindesliebe zu weit

Was Jesus als Sohn Gottes tat, muß wohl nicht alles von seinen Schülern nachgemacht werden
Christen können ja auch nicht übers Wasser gehen - und sollen es gar nicht probieren
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#7
Das ist eine ausweichende Antwort, wie so oft bei Dir. Zoellner, wie es laut Identifikation durch die Kirche der Evangelist und Apostel Matthaeus gewesen sein soll, gibt's ja heute nicht mehr. Das Ziel Deines Zorns liegt also wohl nicht bei Leuten wie Matthaeus, sondern irgendwo im Heute. Auch bei Christen gewinnt halt oft genug der Egoismus, waehrend vom Geist der Bergpredigt oder gar dem sozialen Engagement des Lukasevangeliums nichts zu spueren ist.
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#8
(30-12-2018, 16:33)Ulan schrieb: Zoellner, wie es laut Identifikation durch die Kirche der Evangelist und Apostel Matthaeus gewesen sein soll . . .


Ich habe noch nie gehört, daß Matthäus ein Zöllner war

Bei Markus ist von einem "Levi, den Sohn des Alphäus" die Rede, Matthäus ist offenbar ein Namenskollege "Matthäus" aufgefallen
Männer mit Namen Levi gab es damals nicht wenige, Männer mit Namen Matthäus (hebr. מתתיהו Matitjahu) ebenso.
Wäre der im Matthäusevangelium erwähnte Zöllner der Evangelist Matthäus gewesen, dann hätte er "ich" geschrieben  oder hätte einen anderen Hinweis dazu gegeben. Er hätte nicht geschrieben "Da stand Matthäus auf und folgte ihm." Es gibt im ganzen Text von Matthäus 9,9 keinen Hinweis, daß der Zöllner der Schreiber war.

Auch in der Wissenschaft gilt die Theorie, daß Matthäus früher Zöllner war, als nicht nachvollziehbar

Matthäus (Evangelist) - Wikipedia
Wissenschaftliche Beurteilung
"Ferner sei die Namensänderung des Zöllners Levi zu Matthäus in Mk 2,14 EU→Mt 9,9 EU ein sekundärer Prozess und für einen Augenzeugen nicht nachvollziehbar."
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#9
Religioese Texte wurden im Nahen Osten prinzipiell anonym geschrieben. Eine Autorenzuschreibung galt als wertmindernd, weil das Werk dann subjektiv wurde und keine allgemeingueltigen Wahrheiten mehr verkuendete. Ansonsten habe ich geschrieben, dass die christlichen Kirchen den Zoellner und Apostel Levi/Matthaeus mit dem Evangelisten Matthaeus identifizieren. Dass die Religionswissenschaft das ablehnt, ist klar.

Ich finde es interessant, dass Du ploetzlich irgendetwas auf die historisch-kritische Textbeurteilung gibst, obwohl Du die sonst ablehnst. Sonst erzaehlst Du mir doch immer, die Evangelien waeren von Aposteln geschrieben. Welcher Apostel hat denn nun das Matthaeus-Evangelium geschrieben, wenn nicht der Zoellner dieses Namens? Oder bist Du jetzt endlich zur Meinung uebergetreten, dass die Autoren der Evangelien unbekannt sind?

Nach Beantwortung dieser Frage koenntest Du dann immer noch zur Kenntnis nehmen, dass ein Zoellner unter den Aposteln war.
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#10
(30-12-2018, 21:27)Ulan schrieb: Religioese Texte wurden im Nahen Osten prinzipiell anonym geschrieben. Eine Autorenzuschreibung galt als wertmindernd, weil das Werk dann subjektiv wurde und keine allgemeingueltigen Wahrheiten mehr verkuendete.



Das glaube ich aber wirklich nicht. Siehe die 5 Bücher Mose

Und der Evangelist Matthäus schrieb natürlich das nach ihm benannte Evangelium. Laut der von mir vor ca 40 Minuten in Beitrag #8 zitierten wissenschaftlichen Beurteilung war er kein Zöllner gewesen:
(30-12-2018, 20:58)Sinai schrieb: Matthäus (Evangelist) - Wikipedia
Wissenschaftliche Beurteilung
"Ferner sei die Namensänderung des Zöllners Levi zu Matthäus in Mk 2,14 EU→Mt 9,9 EU ein sekundärer Prozess und für einen Augenzeugen nicht nachvollziehbar."
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#11
Du musst mich nicht ueberzeugen, dass keins der Evangelien von Aposteln geschrieben wurde. Das habe ich ja schon immer gesagt. Wer war denn dann dieser Evangelist Matthaeus? Die Kirche sagt, das war der Apostel. Wer, meinst Du, war das?

Was ist mit dem Zoellner als Apostel? Das steht jedenfalls explizit so in allen drei synoptischen Evangelien.
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#12
(30-12-2018, 00:51)Sinai schrieb: Ich habe mich immer gefragt, was die "Zöllner" waren.
[...]
Erschlagen durften sie nicht werden, da sie unter dem Schutz der Besatzungsmacht standen. Aber sie wurden zurecht geächtet.
Daß solche Leute nicht Richter oder Zeugen sein konnten, war doch gut.
War doch gut, daß ihre Familienmitglieder ausgegrenzt wurden - der Mann sollte spüren, daß seine Kinder Parias waren und daß seine Frau trotz allem Reichtum nicht die große Dame spielen konnte. ha ha

Die in den Evangelien genannten "Zöllner" waren wohl ortsansässige Angestellte von Pachtgesellschaften gewesen.

Die Teilhaber an den Steuerpachtgesellschaften waren in der Regel vermögende römische Bürger gewesen. Sie konnten auch dem Ritterstand angehören. Nur jene, die über genügend Vermögen verfügten, konnten gemeinschaftlich(!) die enormen Summen aufbringen, die für die Steuerpacht im Voraus auszulegen waren.

Den ortsansässigen Helfern der Steuerpächter schlug nicht nur die Abneigung, die arbeitende Menschen gegenüber Steuereintreibern empfinden, sondern auch Hass entgegen, zumal diese "Zöllner" mit der Besatzungsmacht kollaborierten.
MfG B.
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