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Fragen zur Frau im Islam
#16
Die von Erich vorgeschlagene Koraninterpretation lehne ich als Muslim ab.

Erstmal entspricht es keineswegs einem authentischen Umgang mit dem Koran, irgendwelche Verse aus jeglichem Kontext zu reissen, und einfach als direkte und wörtlich verstandene Handlungsvorgabe zu verwenden.

Nicht zuletzt gerade weil das Buch als 'heilig' gilt, muss man da mit höchster Sensibilität vorgehen.
Das bedeutet, immer alle Verse sowie alle Kontexte(historisch, situationsbedingt, etc.), die für eine Fragestellung von Belang sein könnten, zu berücksichtigen, und dann mit Vernunft und Menschlichkeit versuchen, Lehren daraus zu ziehen.

Das ist der wesentlich ernsthaftere und authentischere Umgang mit dem Koran als einfach mit der Axt reinzuhauen.

Aus meiner Sicht kann ich die Intention des Islam nicht mit der Unterdrückung von Frauen zusammenbringen.
Gerade aus historischer Sicht hat der Islam enorm viel für die Frauenrechte getan, so wurden Frauen vom rechtlichen 'Objekt' zum 'Subjekt'.
Viele heute noch herrschende Strukturen von Frauenunterdrückung in islamischen Ländern sind 'Stammestraditionen' aus vor-islamischer Zeit.

Dieser, im Kontext historischer sowie heutiger Realitäten betrachteten, Intention folgend, ziehe ich den Schluss, dass Frauen selbstverständlich gleichberechtigt sein sollen, und dass Gewalt gegen Frauen selbstverständlich nicht geduldet werden darf.

Und das ist keineswegs bloß meine muslimische Meinung.
Erst kürzlich hat z.B. das tunesische Parlament ein Gesetz verabschiedet, das Frauen vor jeglicher Gewalt schützen soll.
#17
Ekkard schrieb:Erich, die von dir gezogene Schlussfolgerung entspricht nicht der Threadfrage und wird von muslimischen Frauen anders interpretiert. Mit einem "abendländischen" Vorurteil (Islam = Frauenunterdrückung) kommt man einfach nicht weiter. Wichtig ist festzuhalten: Zwang soll im Islam nicht sein! Wenn man davon ausgeht, muss man vielleicht historisch argumentieren. Dazu fehlt mir allerdings das Wissen.
Leider funktionieren die in #3 angegebenen Links nicht mehr (bzw. nur noch die Homepage).

Mein Fehler bestand vielleicht darin, dass ich den Thread-Titel „Fragen zur Frau im Islam“ nicht als Aufforderung verstanden habe, Fragen zu stellen. Icon_wink Im Übrigen kann ich kein Vorurteil darin erkennen, sog. hl. Schriften zu zitieren und aus den zitierten Texten Handlungsanweisungen abzuleiten, besonders dann, wenn der Text so klar, unmissverständlich und allenfalls lediglich minimal interpretierbar ist wie die der Sure 4,34.
#18
Ich nehme mal Bezug auf das, was Mustafa geschrieben hat. Das trifft ziemlich genau das, was ich über die wörtliche Interpretation der Bibel selbst denke und von anderen gelernt habe. Die so genannten "Heiligen Schriften" waren zu ihrer Zeit fortschrittlich, wenn man sie im Kontext jener Situationen betrachtet, für die sie verfasst wurden.

Es wäre für unsere modernen Gesellschaften ein gewaltiger Rückschritt, die alten Texte wörtlich als Regelwerk zu übernehmen. Erich, dein Vorurteil besteht darin, einen alten Text ziemlich unkritisch wörtlich zu nehmen, so als sei unser Sprachverständnis und unsere Gesellschaft bereits vor 1600 Jahren gegeben gewesen. Die patriarchalen Gesellschaften haben mit Frauen bis in die Neuzeit hinein nicht viel Federlesens gemacht - stimmt. Aber das heißt nicht, dass man jegliche Emanzipation verhindern muss.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
#19
@ Mustafa,

Für diejenigen Muslime, die im Koran ein von Allah persönlich verfasstes, für alle Zeiten gültiges Werk verstehen, gelten die darin enthaltenen Handlungsanweisungen heute und morgen ebenso wie gestern – und zwar wörtlich. Sie bilden zusammen mit in der Sunna überlieferten Aussagen auch die Basis für das islamische Recht, welches im Wesentlichen in allen 4 sunnitischen und in der schiitischen Rechtsschule identisch ist. Und dieses Recht benachteiligt die Frau gegenüber dem Mann keineswegs nur im Sinn der von mir oben zitierten Sure 4,34, sondern auch im Erbrecht, im Scheidungsrecht und im Zeugenrecht. Es ähnelt darin in Manchem auch den Vorgaben, die aus den heiligen Schriften der anderen abrahamitischen Religionen gefolgert werden können. Das Christentum musste sich jedoch nolens volens der Aufklärung unterziehen, wohingegen der Islam vorhandene Ansätze einer Art Aufklärung bereits im Hochmittelalter abwürgte.  

Islamisches Recht (Scharia) gilt in weiten Teilen der islamisch dominierten Staaten in Gänze oder in Teilen (da hauptsächlich im Bereich des Familienrechts, was der Gleichberechtigung der Geschlechter extrem widerspricht - s.o.). Nur in wenigen islamisch dominierten Staaten hat die Scharia in Gänze oder in Teilen keinerlei Gesetzeskraft. Doch das Bestreben, die Scharia als Gesetz wieder einzuführen ist in vielen dieser Staaten zu beobachten. Freie Wahlen in Ägypten z.B. brachten im sog. Arabischen Frühling  islamistische Parteien an die Macht, die allerdings bald durch einen Militärputsch wieder entmachtet wurden. Der politische Islam feiert gegenwärtig fröhlich Urständ und bewirkt den Rückfall ins geistige Mittelalter.

Zu Tunesien, welches Du in Nr. 16 ansprachst, zitiere ich aus Wikipedia „Geschichte Tunesiens“:

„Frankreichs Kolonialherrschaft endete 1956, die der Beys 1957, doch übernahm bald der autoritär regierende Bourguiba, dem 1987 Ben Ali folgte, die Macht in Tunesien. Als Letzterer 2011 gestürzt worden war, fanden in Tunesien erstmals freie, demokratische Wahlen statt, um eine verfassunggebende Versammlung zu bilden. Eine gemäßigt islamistische Partei erhielt dabei die meisten Stimmen.“

Im Übrigen kann ich dem Text der Sure 4, 34 auch keinen als den offensichtlichen Sinn entnehmen, wenn ich die Sure 4 in Gänze lese. Etwas den Inhalt der Sure 4, 34 Entkräftigendes habe ich nicht gefunden.
#20
@Erich:

Deine Aussagen sind sehr einseitig und oberflächlich.
Es ist richtig, dass es fundamentalistische Strömungen im Islam gibt, und dass diese vielerorts auch politisch erfolgreich sind.
Aber es ist genauso richtig, dass es sehr wohl auch moderne, liberale und aufgeklärte Strömungen gibt, die fundamentalistische Deutungen ablehnen, und dies oft auch politisch durchsetzen können.
Und die Gründe, die für eine aufgeklärte, kontextbetrachtende Interpretationsweise und gegen fundamentalistische Wörtlichnahme ohne Kontextbezug sprechen, wurden hier schon genannt.


Ich frage mich, warum du die liberalen Muslime unbedingt unter den Teppich kehren willst, und ebenso frage ich mich, warum du gerade einer ultra-fundamentalistischen Koraninterpretation den Vorzug gibst.

Ich habe den Eindruck, dass es dir hier lediglich darum geht, den Islam pauschal als Feindbild darzustellen.

Zu Tunesien:
Bei der Parlamentswahl 2014 hat die säkulare Partei gewonnen.
Und bezüglich der Gewalt gegen Frauen wurde wie schon angesprochen erst kürzlich ein Gesetz verabschiedet:
*http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-07/tunesien-frauen-gewalt-gesetz
#21
Ekkard schrieb:Ich nehme mal Bezug auf das, was Mustafa geschrieben hat. Das trifft ziemlich genau das, was ich über die wörtliche Interpretation der Bibel selbst denke und von anderen gelernt habe. Die so genannten "Heiligen Schriften" waren zu ihrer Zeit fortschrittlich, wenn man sie im Kontext jener Situationen betrachtet, für die sie verfasst wurden.

Ich stimme Deinen Aussagen, heilige Schriften betreffend, weitgehend zu. Und es ist auch Fakt, dass die überwiegende Mehrheit des Christentums davon Abstand nahm, die Texte der Bibel wörtlich zu interpretieren. Bei den großen christlichen Konfessionen D`s gelten heute die Bibeltexte als von Gott inspiriert, nicht jedoch, wie im Islam, als von Gott persönlich verfasst. Diese moderne christliche Ansicht bietet der Vernunft einen wesentlich größeren Spielraum als die engstirnige wörtliche Interpretation, was hoffentlich in naher Zukunft auch bewirkt, dass die nur noch geringen letzten Reste christlichen Einflusses auf in Europa geltendes Recht verschwinden. Die wörtliche Interpretation der Bibel, besonders die des AT, bot sogar die Rechtfertigung von Genoziden und die Einschränkung individueller Freiheit, die teilweise sogar die im islamischem Recht vorgeschriebene Unfreiheit übertraf.

Nur ist es eben so, dass die große Mehrheit der Muslime weltweit zumindest bisher nach wie vor die Überzeugung vertritt, der Koran sei von Gott persönlich verfasst, und die Minderheit der eine andere Überzeugung vertretenden Muslime zumindest in der islamisch dominierten Welt bedroht.

Ekkard schrieb:Es wäre für unsere modernen Gesellschaften ein gewaltiger Rückschritt, die alten Texte wörtlich als Regelwerk zu übernehmen. Erich, dein Vorurteil besteht darin, einen alten Text ziemlich unkritisch wörtlich zu nehmen, so als sei unser Sprachverständnis und unsere Gesellschaft bereits vor 1600 Jahren gegeben gewesen. Die patriarchalen Gesellschaften haben mit Frauen bis in die Neuzeit hinein nicht viel Federlesens gemacht - stimmt. Aber das heißt nicht, dass man jegliche Emanzipation verhindern muss.

Auch hier stimme ich Dir weitgehend zu. Das ändert allerdings nichts daran, dass das, was heute im politischen Westen weitgehend gilt, in der islamisch dominierten Welt weitgehend keine Gültigkeit hat.
#22
Mustafa schrieb:Deine Aussagen sind sehr einseitig und oberflächlich.
Es ist richtig, dass es fundamentalistische Strömungen im Islam gibt, und dass diese vielerorts auch politisch erfolgreich sind.
Aber es ist genauso richtig, dass es sehr wohl auch moderne, liberale und aufgeklärte Strömungen gibt, die fundamentalistische Deutungen ablehnen, und dies oft auch politisch durchsetzen können.
Und die Gründe, die für eine aufgeklärte, kontextbetrachtende Interpretationsweise und gegen fundamentalistische Wörtlichnahme ohne Kontextbezug sprechen, wurden hier schon genannt.


Ich frage mich, warum du die liberalen Muslime unbedingt unter den Teppich kehren willst, und ebenso frage ich mich, warum du gerade einer ultra-fundamentalistischen Koraninterpretation den Vorzug gibst.

Ich habe den Eindruck, dass es dir hier lediglich darum geht, den Islam pauschal als Feindbild darzustellen.

Ich bestritt zu keiner Zeit die Tatsache, dass es liberale Muslime gibt. Du zählst mit Sicherheit dazu und z.B. der Theologe Khorchide, dem allerdings sogar die dt. Islamverbände ebenso widersprechen wie z.B. dem Gründer des sog. Euroislam, Bassam Tibi. Auch beweisen selbst Umfragen im europäischen Islam den großen Widerstand gegen Reformen des autoritären Islam. Und wie es in nahezu jedem islamisch dominierten Staat aussieht, mag jeder, der will, im Internet nachlesen.

Mustafa schrieb:Zu Tunesien:
Bei der Parlamentswahl 2014 hat die säkulare Partei gewonnen.
Und bezüglich der Gewalt gegen Frauen wurde wie schon angesprochen erst kürzlich ein Gesetz verabschiedet:
*http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-07/tunesien-frauen-gewalt-gesetz

Zitat zu den Wahlen:

„Die Wahlen zur Verfassunggebenden Versammlung (Tunesiens) fanden am 23. Oktober 2011 statt und stellten die ersten freien Wahlen in Tunesien dar.[68] Die meisten Stimmen erhielt dabei die als gemäßigt islamistisch geltende Partei Ennahda.“

Quelle: *https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Tunesiens

Das tunesische Parlament verabschiedete tatsächlich ein Gesetz, welches Gewalt gegen Frauen unter Strafe stellt. Damit reiht sich Tunesien in die kleine Gruppe islamisch dominierter Staaten ein, die Ähnliches bereits realisierten. Ich würde es sehr begrüßen, würde das Gesetz auch in anderen islamischen Staaten beschlossen. Gewalt gegen Frauen ist jedoch keineswegs das einzige Gesetz nach islamischem Recht, welches die individuelle Freiheit der Bürgerinnen und Bürger beschränkt!
#23
Mustafa und Ekkard haben völlig recht, wenn sie sagen, dass Koran und Bibel im Kontext der Geschichte gelesen werden müssen.
Ich verstehe dann allerdings nicht, wie Mustafa sagen kann, dass es aus dem Koran folge, dass Frauen gleichberechtigt seien und ihnen gegenüber keine Gewalt ausgeübt werden dürfe. Denn zur Zeit der Niederschreibung des Korans war derlei eben doch anders als heute und im Koran steht es nun mal auch drin.
Und zu behaupten, man müsse derlei heute anders lesen ist imho kein Argument. Denn warum sollte man? Der Koran wurde nun mal vor 1400 Jahren verfasst, er bezieht sich auf die damalige Zeit. Wir brauchen ihn heute nicht zu interpretieren und Exegese zu betreiben um ihn irgendiwe in die heutige Zeit zu katapultieren und Dinge herauszulesen die nun mal nicht drin stehen.
Stattdessen sollten wir Bibel und Koran als das betrachten was sie sind: Alte Schriften mit den Vorstellungen der damaligen Zeit. Und da es damals eben keine Gleichberechtigung gab, steht derlei auch dort nicht drin.

By the way: Heist es nicht gerade im Islam, der Koran sei das unverfälschte Wort Gottes (im Gegensatz zu den anderen heiligen Schriften)? Dann fällt es natürlich schon schwer, gegen die wortwörtliche Auslegung Partei zu ergreifen.

#24
(13-08-2017, 21:31)Gundi schrieb: Und zu behaupten, man müsse derlei heute anders lesen ist imho kein Argument. Denn warum sollte man?

Um der Intention des Islam im Bezug auf Frauenrechte gerecht zu werden.


(13-08-2017, 21:31)Gundi schrieb: Heist es nicht gerade im Islam, der Koran sei das unverfälschte Wort Gottes (im Gegensatz zu den anderen heiligen Schriften)? Dann fällt es natürlich schon schwer, gegen die wortwörtliche Auslegung Partei zu ergreifen.

Das sehe ich ganz anders. Auch als unverfälschtes Wort Gottes betrachtet heißt das doch nicht, dass man einfach Verse aus jeglichem Kontext reißen, und dann auch noch als direkte Handlungsvorgabe verwenden kann.
Wie ich schon schrieb: Gerade weil das Buch als heilig gilt, muss man da mit Sensibilität vorgehen, und alle Kontexte beachten.
Und wenn das Buch auch heute noch Gültigkeit haben soll, ist es m.E. selbstverständlich, die heutigen Realitäten in Bezug zu setzen.

Das ist die Koraninterpretation, die ich als Muslim für die richtige halte.
Wie du als Atheist den Koran interpretierst, ist deine Sache.

Falsch finde es es jedoch, wenn behauptet wird, man müsse den Koran ultra-fundamentalistisch und 'mittelalterlich' interpretieren. Mit so einer Aussage stärkt man die Position der Fundamentalisten.
#25
Das von Utman festgeklopfte Wort Allahs ist jedenfalls in erster Linie das, was der Prophet aus dem geistigen Redestrom des Ewigen entnommen hat, "gefiltert" gewissermaßen. Wenn sich Allah also derzeit nicht zu Wort meldet, dann kann das bedeuten, dass die modernen Gesellschaften auf dem richtigen Weg in die Zukunft sind. Jedenfalls bedeutet es nicht, dass moderne Gesellschaften dadurch menschlicher werden, dass sie auf alte Kulturtraditionen zurückgreifen.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
#26
(13-08-2017, 21:51)Mustafa schrieb:
(13-08-2017, 21:31)Gundi schrieb: Und zu behaupten, man müsse derlei heute anders lesen ist imho kein Argument. Denn warum sollte man?

Um der Intention des Islam im Bezug auf Frauenrechte gerecht zu werden.

Aber ich verstehe nicht, wie du derlei aus dem Koran herauslesen kannst? Vor 1400 Jahren gab es halt noch keine Frauenrechte und die Gesellschaften waren auch weit davon entfernt. Und dies spiegelt sich auch im Koran wieder. Versuchst du hier nicht etwas hinein zu interpretieren, was aufgrund des Alters des Korans gar nicht in ihm gefunden werden kann?

(13-08-2017, 21:51)Mustafa schrieb: Und wenn das Buch auch heute noch Gültigkeit haben soll, ist es m.E. selbstverständlich, die heutigen Realitäten in Bezug zu setzen.

Meine Antwort wird dich vermutlich wenig überraschen :)
Der Koran soll eben keine Gültigkeit haben. Wie könnte er auch, wurde er doch in einer ganz anderen Zeit unter völlig anderen Gegebenheiten geschrieben. Wie kommen wir dazu, daraus irgendetwas für die heutige Zeit ableiten zu wollen und sogar unsere modernen Gedanken hinterher hinein zu dichten.

(13-08-2017, 21:51)Mustafa schrieb: Das ist die Koraninterpretation, die ich als Muslim für die richtige halte.
Wie du als Atheist den Koran interpretierst, ist deine Sache.

Du wirst doch aber bestimmt zugeben, dass deine Interpretation auch durch den aktuellen Zeitgeist beeinflusst ist. Wenn das Buch in einer Zeit verfasst wurde, in der es solches Denken eventuell noch gar nicht gab (oder zumindest nicht in der Form) mutet es doch seltsam an, dies nun darin finden zu wollen.
Du sagst halt auf der einen Seite, man müsse den Koran im Kontext der Zeit betrachten, tust es aber selbst nicht, wenn du versuchst modernes Gedankengut darin zu finden.


(13-08-2017, 21:51)Mustafa schrieb: Falsch finde es es jedoch, wenn behauptet wird, man müsse den Koran ultra-fundamentalistisch und 'mittelalterlich' interpretieren. Mit so einer Aussage stärkt man die Position der Fundamentalisten.

Sicherlich muss man ihn nicht so lesen. Ich finde es aber zu einfach zu sagen, dass die fundamentalistische Interpretation keine Berechtigung hätte und quasi falsch sei. Denn die Fundamentalisten lesen ja eben nun mal auch im Koran.

#27
(13-08-2017, 22:11)Ekkard schrieb: Das von Utman festgeklopfte Wort Allahs ist jedenfalls in erster Linie das, was der Prophet aus dem geistigen Redestrom des Ewigen entnommen hat, "gefiltert" gewissermaßen.

Ja, das entnehme ich auch einem Koranvers wie diesem:

"Sprich: "Wenn das Meereswasser Tinte wäre für Gottes Worte, wäre es ausgeschöpft, noch bevor Gottes Worte zu Ende gehen, auch wenn Wir es an Masse verdoppeln würden."
(18/109)


Das alleine spricht schon gegen eine Wörtlichnahme einzelner Verse, da es niemals genug Verse geben kann, um wirklich für alle Situationen eine wörtlich zu nehmende Aussage zu machen.
#28
(13-08-2017, 22:21)Gundi schrieb: Aber ich verstehe nicht, wie du derlei aus dem Koran herauslesen kannst? Vor 1400 Jahren gab es halt noch keine Frauenrechte und die Gesellschaften waren auch weit davon entfernt. Und dies spiegelt sich auch im Koran wieder. Versuchst du hier nicht etwas hinein zu interpretieren, was aufgrund des Alters des Korans gar nicht in ihm gefunden werden kann?

Der Islam hat Frauenrechte eingeführt, und das in geradezu revolutionärem Ausmaß.
Ich interpretiere da nichts hinein, sondern wende es auf die heutige Zeit an, um dieser Intention heute noch gerecht zu werden.

(13-08-2017, 22:21)Gundi schrieb: Der Koran soll eben keine Gültigkeit haben.

Das darfst du für dich halten, wie du willst.
Wenn du damit allerdings Muslime aufforderst, von ihrem Postulat des Korans als heilige Schrift abzulassen, und womöglich doch gleich Atheisten zu werden, kannst du das zwar machen, aber damit erübrigt sich doch jegliche weitere Diskussion über Koraninterpretation.


(13-08-2017, 22:21)Gundi schrieb: Du sagst halt auf der einen Seite, man müsse den Koran im Kontext der Zeit betrachten, tust es aber selbst nicht, wenn du versuchst modernes Gedankengut darin zu finden.

Ich verstehe deinen Vorwurf nicht. Wenn ich mir die Texte des Korans im Kontext seiner Zeit ansehe, und die Aussagen und Intentionen auf die heutige Zeit übertrage, wo beachte ich da den Kontext nicht?


(13-08-2017, 22:21)Gundi schrieb: Sicherlich muss man ihn nicht so lesen. Ich finde es aber zu einfach zu sagen, dass die fundamentalistische Interpretation keine Berechtigung hätte und quasi falsch sei. Denn die Fundamentalisten lesen ja eben nun mal auch im Koran.

Von einer theologischen Existenzberechtigung spricht doch keiner.
Es geht um ein Geschmacks- bzw. Gewissensurteil darüber, welche Interpretation man für die bessere und richtigere hält.

Die fundamentalistische Interpretation ist aus meiner Sicht falsch, weil sie rückwärtsgewandt ist, riesige Bereiche der Realität ausblendet, und oft zu Unterdrückung und Gewalt führt.
#29
@Mustafa: Dem pflichte ich bei!
@Gundi: Bei der fundamentalistischen Wörtlichnahme, das gilt für die Bibel ebenfalls, handelt es sich um eine ganz bestimmte interessengeleitete Interpretation des Gesamtwerkes. Der Fundamentalist nimmt nur solche Teile wörtlich, die seinen Interessen dienen, sei dies Selbstbehauptung einer Teilgesellschaft, sei es Machtausübung.
Man sieht es ja schon an der Argumentation von 'Erich': Wenn ich den Islam als Bedrohung darstellen will, dann wähle ich Textteile, die dies (im Falle der Frauen) zeigen. Dabei wird nicht bedacht, dass selbst die Sprachauffassung heute eine andere ist, von dem kulturellen Verständnis der anderen Hälfte der Menschheit ganz zu schweigen.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
#30
(13-08-2017, 23:09)Mustafa schrieb: Der Islam hat Frauenrechte eingeführt, und das in geradezu revolutionärem Ausmaß.
Ich interpretiere da nichts hinein, sondern wende es auf die heutige Zeit an, um dieser Intention heute noch gerecht zu werden.

Hm... welche Rechte sind das denn?

(13-08-2017, 23:09)Mustafa schrieb:
(13-08-2017, 22:21)Gundi schrieb: Der Koran soll eben keine Gültigkeit haben.

Das darfst du für dich halten, wie du willst.
Wenn du damit allerdings Muslime aufforderst, von ihrem Postulat des Korans als heilige Schrift abzulassen, und womöglich doch gleich Atheisten zu werden, kannst du das zwar machen, aber damit erübrigt sich doch jegliche weitere Diskussion über Koraninterpretation.

Nein, ich fordere nicht, dass die Muslime Atheisten werden. Ich bin lediglich dagegen, unsere heutige Gesellschaft und ihre Regeln auf Grundlage eines 1400jährigen Buches zu gestalten. Privat darf jeder gerne an derlei alten Texten festhalten und sich seine Regeln rauslesen. Gültigkeit für andere soll es aber nicht haben. Grund: zu alt, nicht zeitgemäß und viel zu viel Interpretationsspielraum.

(13-08-2017, 23:09)Mustafa schrieb: Ich verstehe deinen Vorwurf nicht. Wenn ich mir die Texte des Korans im Kontext seiner Zeit ansehe, und die Aussagen und Intentionen auf die heutige Zeit übertrage, wo beachte ich da den Kontext nicht?

Eben in dieser Übertragung. Der Koran beschreibt doch eine Zeit wie sie heute nicht mehr ist. Man kann daher vieles gar nicht auf die heutige Zeit übertragen bzw. nur mit gymnastischer Exegese. Der Koran wurde nicht für die heutige Zeit verfasst. Und es bleibt auch die Frage: Warum sollte man? Wir sind doch heute mit den Menschen- und Bürgerrechten viel weiter, als es der Koran je war.

Du aber versuchst ja, die Errungenschaften der Moderne nun irgendwie auch im Koran zu finden obwohl dieser diese schlicht aufgrund seines historischen Kontextes gar nicht beinhalten kann.

(13-08-2017, 23:09)Mustafa schrieb:
(13-08-2017, 22:21)Gundi schrieb: Sicherlich muss man ihn nicht so lesen. Ich finde es aber zu einfach zu sagen, dass die fundamentalistische Interpretation keine Berechtigung hätte und quasi falsch sei. Denn die Fundamentalisten lesen ja eben nun mal auch im Koran.

Von einer theologischen Existenzberechtigung spricht doch keiner.
Es geht um ein Geschmacks- bzw. Gewissensurteil darüber, welche Interpretation man für die bessere und richtigere hält.

Die fundamentalistische Interpretation ist aus meiner Sicht falsch, weil sie rückwärtsgewandt ist, riesige Bereiche der Realität ausblendet, und oft zu Unterdrückung und Gewalt führt.

Ein Grund mehr dem Koran keine Gültigkeit im Recht zu gewähren, wenn er so verschieden ausgelegt werden kann.



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