Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Nymphen
#1
(Text in Arbeit)

Niedere weibliche Naturgottheiten der griechischen und römischen Mythologie, die in Gewässern, Bergen, Wäldern und ↗Bäumen aber auch in Höhlen oder Grotten1 wohnen.

Als Begleiterinnen (Dienerinnen) der ↗Artemis sind sie keusche, im Umfeld des ↗Dionysos, des Hirtengottes ↗Pan und der ↗Aphrodite lüsterne Wesen.

Als Hofdamen der ↗Persephone und der ↗Hekate beigesellt erscheinen sie oft furchterregend und dämonisch.

Auch ↗Demeter und ↗Hermes pflegen Gesellschaft mit ihnen.

Quellnymphen heißen Naiaden (gr. νάειν = fließen), See- oder Meernymphen Nereiden. Leben Nymphen im Wald, werden sie Dryaden genannt. Sind sie schicksalshaft mit einem Baum, vornehmlich mit ↗Eichen (δρῦς = Eiche) verbunden, heißen sie Hamadryaden (Άμαδρυάδες), Eichen-Nymphen, weil sie zusammen mit einer Eiche leben und (zugleich = gr.  ἅμα) mit dieser sterben. Aber auch andere Baumarten bewohnende Nymphen2 werden gelegentlich so bezeichnet. Als Eschen-Nymphen3 heißen sie Meliaden (gr. μελία = Esche). Als Oreaden (gr. ὄρος = Berg) leben sie in den Gebirgen4. Ständig werden diese dort von Pan und lüsternen ↗Satyrn und ↗Silenen gejagt und bedrängt. Meist sind Nymphen willig, die aus dem Umfeld der Artemis aber sind spröde, wie beispielsweise ↗Daphne, die Apollon mit Gewalt nehmen wollte und von ↗Mutter Erde (Hyg. fab. 203) in einen ↗Lorbeerbaum verwandelt wurde (nach Ovid met. 1, 540ff. war es ihr Vater, der Flussgott ↗Peneios, der die Verwandlung bewirkte), ebenso ↗Syrinx, die vor Pan flüchtete und sich von ihrem Vater Ladon, einem Flussgott, in Schilfrohr verwandeln ließ, aus dem der Hirtengott, der nur mehr das Rohr zu fassen bekam (Ovid met. 1,700ff.), die Panflöte herstellte, oder Pitys, die auf der Flucht vor Pan zur ↗Fichte (gr. πίτυς) wurde (Nonnos Dion. 42, 259ff.)5.  

Nymphen stellten ihrerseits auch Männern nach, wenn sie sich zu ihnen hingezogen fühlten6.

Liebesbeziehungen hatten Nymphen sowohl mit Göttern als auch mit Menschen. ↗Zeus, beispielsweise, zeugte mit der arkadischen Bergnymphe ↗Maia Gott ↗Hermes, König ↗Peleus mit der Meeresnymphe ↗Thetis den Helden ↗Achilles.

Eine besondere Art von Nymphen waren die ↗Hesperiden, den Nymphen verwandte mythologische Wesen sind die ↗Sirenen.

Die ↗Griechen und ↗Römer der Antike hatten sich Nymphen sowohl als unsterbliche wie auch als sterbliche Wesen vorgestellt. Unsterblich, also ewig wie das Meer und die Berge, waren in der Regel Meer- und Bergnymphen. Als langlebige, aber sterbliche Wesen hingegen dachte man sich Baum- oder Quellnymphen, deren Schicksale mit jenen Bäumen ↗Quellen (Gewässern), die sie bewohnten, verknüpft waren. Stirbt ihr Baum bzw. wird er gefällt, trocknet ihre Quelle (ihr Wasserlauf, Teich, See, etc.) aus, muss die Nymphe sterben.

In die Welt gekommen sind Nymphen dem ↗Mythos nach auf vielerlei Weisen. Die Meliaden entstanden, sozusagen als "Ur-Nymphen", aus dem Blut des Uranos, das auf die Mutter Erde tropfte. Als Eltern von Nymphen werden ↗Okeanos und ↗Tethys7, ↗Nereus und ↗Doris, aber auch die unzähligen Flussgötter Griechenlands mit verschiedenen sterblichen und unsterblichen Frauen genannt. ↗Homer nennt Nymphen Töchter des ↗Zeus (Hom. Od. 9,154.13,356). ↗Hermes gilt als Vater der Myrtennymphen (Ranke-Graves 251).

Literatur:
Robert v. Ranke-Graves. Griechische Mythologie, 17. Aufl. 2007 Hamburg. Rowohlt-Verlag.
Johann Heinrich Krause. Musen, Grazien, Horen und Nymphen. 1871 Halle. G. Schwetschke'scher Verlag.


1) Beispielsweise die korkysche Grotte bei Delphi im Parnass-Massiv, die Nymphen-Grotte auf Ithaka oder die Höhle Vari im attischen Hymettos-Gebirge.
2) Da  die Eiche ein langlebiger Baum mit eindrucksvoller Baumkrone ist, war sie als Wohnstätte von Waldnymphen besonders gut geeignet. Nun wurde Begriff δρῦς in älteren Texten ausschließlich für die Eiche verwendet, in jüngeren Texten hingegen konnte er auch die Buche, eventuell auch andere Bäume aus hartem Holz, einschließen (Krause 135f.).
3) Eschennymphen = Melische Nymphen. Diese wurden bei der Entmannung des Uranos aus den Blutstropfen, und zwar aus jenen, die nicht ins Meer, sondern auf die Erde fielen (wie die ↗Erinnyen und die ↗Giganten auch) geboren (Hes. Theog. 180ff.).
Im Geburtsmythos des Zeus waren es drei Eschennymphen, die das göttliche Kind auf ↗Kreta zur Pflege übernahmen und ihm als Ammen dienten.
4) In der mittel- und nordeuropäischen Sagen- und ↗Märchenliteratur sind solche Naturgottheiten als ↗Undinen (Rusalken), ↗Nixen, ↗Elfen und ↗Feen bekannt.
5) Nach einem anderen Mythos sollen Boreas, der Nordwind, und Pan in Pitys gleichzeitig verliebt gewesen sein. Pitys soll sich für Pan entschieden haben, wonach Boreas in Wut geriet und sie so heftig gegen einen Felsen schleuderte, dass sie leblos liegen blieb. Pan soll sie bestattet haben, und Gaia, die Mutter Erde, verwandelte sie in eine Fichte. Auf diese Weise wurde die Fichte dem Pan heilig. 
6) Beispielsweise ↗Kalypso, die ↗Odysseus sieben Jahre lang bei sich behielt, die Quellnymphen, die einen Gefährten des ↗Herakles, den schönen Jüngling Hylas, zu sich ins Wasser zogen, oder die Nymphe Echo, die sich vergeblich um ↗Narkissos bemühte und vor Kummer dahinsiechte, bis nur die Stimme mehr von ihr verblieb (Ovid met. 3, 341ff.).
7) Die bekannteste Nymphe aus dieser Nachkommenschaft ist wohl ↗Styx, die den gleichnamigen Fluss, der ins Totenreich führte, bewohnte. Außer Nymphen zeugten ↗Okeanos und ↗Thetys auch  unzählige Flussgottheiten, die ihrerseits Väter von Nymphen wurden.



● Zum Inhaltsverzeichnis des Lexikons
MfG B.
Zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste