08-12-2012, 17:29
(08-12-2012, 01:39)Glaurung40 schrieb: Die Regeln des Rechtsstaates und auch unserer säkularen Gesellschaft wurzeln eben nicht in der christlichen Kultur. Diese sind eine Errungenschaft der Neuzeit, als man alte überholte Glaubens- und Aberglaubensinhalte mit der Vernunft über Bord geschmissen hat.
Dem muss ich zustimmen. Interessant wäre es jedoch zu wissen, ob die christliche Religion, der die Erneuerer angehörten, diese Entiwickung (nach über 1000 Jahren Stillstand) angekurbelt hat, oder ob es ohne Christentum noch viel eher dazu gekommen wäre. Diese Frage wird sich wohl nie wirklich klären lassen.
Bevor die Germanen zum Christentum übertraten, lebten sie (zumindest einige Stämme) jedenfalls in einer Gesellschaft, wo der (finanzielle, also wörtlich zu nehmende) Wert eines Menschen sich danach richtete, welche gesellschaftliche Stellung er hatte. Danach richtete sich nämlich die Geldstrafe, die zu zahlen war, wenn er getötet wurde. Es wurde dabei nicht zwischen Mord und Totschlag entschieden, allein der Todesfall war ausschlaggebend; handelte es sich bei dem Toten um einen Knecht, dann auch der materielle Schaden für seinen Herrn.
Das wurde alles um 510 n.Chr. in der Lex Salica (siehe: Wikipedia: Lex Salica) niedergeschrieben, unter einem germanischen König (Chlodwig I.), der gerade erst zum Christentum übergetreten war. Mit der unterschiedlichen Bewertung von Menschenleben hatte man damals (in Germanien) anscheinend kein Problem.
So gesehen war man nicht nur in Griechenland, sondern auch in Israel in ethischer Hinsicht weiter.

