28-12-2012, 23:09
(28-12-2012, 21:52)Sangus schrieb: enn man "Wissenschaft" betrachtet als den Versuch, Ursache-Wirkungs-Verhältnisse zwischen den Erscheinungen der Welt zu beschreiben, dann muss man m.E. folgende Prinzipien (meinetwegen auch "Dogmen") akzeptieren:
1. Es gibt eine von der Wahrnehmung des Menschen unabhängig existierende, objektive Wirklichkeit
das ist aber kein dogma, sondern das axiom eine außerordentlich erfolgreichen modells
(28-12-2012, 21:52)Sangus schrieb: 3. Die "natürliche Welt" ist kausal geschlossen: Jedes Phänomen in dieser Welt kann hinreichend kausal erklärt werden durch ein oder mehrere andere Phänomene, die ebenfalls Teil dieser Welt sind.
Im dritten Satz steckt nun m.E. in der Tat ein Dilemma
diesen dritten satz hast du imho darüber hinaus grade erst erfunden
wer soll ihn denn aufgestellt haben?
ich kann mir nicht vorstellen, daß ein wissenschaftler solche generellen aussagen macht über dinge, die weit über seine wissenschaft hinausgehen und epistemisch außerordentlich fragwürdig erscheinen. die aussage "Jedes Phänomen in dieser Welt" erstreckt sich auch auf unbekanntes, und über unbekanntes kann keine aussage getroffen werden, die mehr als bloße spekulation wäre
ich z.b. wäre keinesfalls bereit, z.b. der wirtschaft strenge kausalität und damit völlige berechenbarkeit zu unterstellen - man sehe sich doch nur mal die kläglichen ergebnisse der wirtschafts"wissenschaften" an
kontingenz einfach für nichtexistent zu erklären,halte ich ausdrücklich nicht für einen wissenschaftlichen ansatz
(28-12-2012, 21:52)Sangus schrieb: Ist der Satz hingegen falsch, dann fehlt uns eine essentielle Grundlage für wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn, weil wir nie sagen könnten, ob wir ein bestimmtes Phänomen einfach noch nicht verstehen oder aber prinzipiell nicht verstehen können
wen soll das stören und warum?
grade einem wissenschaftler fällt es sehr leicht, nichtwissen zuzugeben. es ist ein typisches merkmal des gläubischen, zu glauben, alles "wissen" zu müssen - und der grund für das ständige herbeifabulieren von "glaubenswahrheiten" und letztbegründungen
(28-12-2012, 21:52)Sangus schrieb: Das Problem des "weltanschaulichen" Naturalismus' besteht nun m.E. darin, dass man versucht, das beschriebene Dilemma durch eine Variation des 2. genannten Prinzips zu umgehen: In dieser Variante ist uns nicht mehr nur ein Teil , sondern die ganze Wirklichkeit (zumindest "prinzipiell") zugänglich. Es gäbe demzufolge keine "zwei Welten" (den uns zugänglichen Teil und den Rest), sondern nur eine; wir hätten also das Problem der kausalen Abgrenzung eliminiert, allerdings wären damit Dinge, die uns prinzipiell nicht zugänglich sind, auch nicht Teil der "natürlichen" Welt und damit nicht existent
dann bin ich eindeutig kein "weltanschaulicher Naturalist"
denn ich maße mir nicht an, über existenz oder nichtexistenz von nicht bekanntem ("zugänglichen") zu spekulieren, sondern sage schlicht: wenns für uns nicht zugänglich ist, spielt es für uns auch keine rolle - und ist damit von gleichem stellenwert wie nicht existentes
(28-12-2012, 21:52)Sangus schrieb: Wir haben sehr gute Gründe anzunehmen, dass es eine prinzipelle Grenze menschlichen Erkenntnisvermögens gibt, die nicht identisch mit der Grenze der Wirklichkeit "an sich" ist
und welche gründe wären das?
ich bin nun doch etwas von mir selbst enttäuscht, daß ich sie nicht kenne, wo sie doch "sehr gut" sind...
einen gott, den es gibt, gibt es nicht (bonhoeffer)
einen gott, den es nicht gibt, braucht es nicht (petronius)
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