15-06-2007, 18:56
Mandingo schrieb:Ich denke immer noch über vieles nach,
was mich auf dem Kirchentag in Köln bewegt hat. Vielleicht geht es ja anderen auch so und wir könnten uns darüber austauschen.
Im Ganzen fand ich den Kirchentag äußerst lebendig und kommunikationsfördernd für religiös Interessiert.
Über den evangelischen Kirchentag könnte ich mich nur aus der Ferne äussern und das möchte ich nicht. Ich kann dazu nur sagen, dass ich nie ein großer Freund dieser Kirchentage, katholischer wie evangelischer, gewesen bin.
Unbestreit bar bleibt jedoch, dass viele Christen sie nutzen um sich in ihrer Kirche zu positionieren und auch in einen lebendigen Austausch über ihren Glauben kommen und das ist etwas was ich durchaus zu schätzen weis.
Mandingo schrieb:Ich habe mich sofort gefragt:
Was versteht dieser Ex-TV-Pastor unter "Religiöser Erfahrung"? Wie eng muss dieser Begriff für ihn sein, wenn er dabei nur individuelle Gefühle sieht, die bei Ritualen u.ä. durch den Einzelnen rauschen?
Ich möchte nicht füt Jürgen Fliege sprechen, kann aber glaube ich erahnen was er meint.
Es ist ja unbestreit bar, dass der sehr wortlastige, durch aus nüchterne Gottesdienst der reformatorischen Kirchen nie dasselbe Potenzial mystischer Erfahrung entfaltet hat, wie die katholische Liturgie oder die sufistischen Strömungen des Islams.
Ich glaube das "religöse Gefühle", ich würde es lieber mystische Erfahrungen nennen, nicht selten durch intensive Einbeziehung des eigenen Leibes in eine Gotteserfahrung erfahrbar werden. Dafür steht natürlich der Pilgerweg exemplarisch. Nicht umsonst haben ja die Kirchenväter die Kirche immer wieder auch als pilgernde Kirche mit Christus, ihrem Haupt, als Ziel bezeichnet.
Auch die unzähligen Pilgerberichte jener Peregrini nach Santiago, Rom und Jerusalem berichten immer wieder auch, dass gerade die Mühen, die körperlichen Anstregungen, das Leid, aber auch die Hoffnung und der Glaube die Träger tiefer spiritueller Efarungen waren. Erfahrungen die oft so tief waren, dass der ganze Weg als rituelle Reinigung, als Erneuerung in Christus erfahren wurden.
Mir geht es hier nicht darum Begriffe wie Gerechtigkeit und ihre Bedeutung im Lichte des Evangeliums zu relativieren, sondern ein Gefühl dafür zugeben, dass spirtiuelle Erfahrungen eher im Kontext des eigenen hineingenommen seins in eine alle Sinne ansprechende Erfahrung des Heiles in Christus ist.
Diese vielfältigen und immer verschiedenen erfahrungen, kann man natürlich auch mit Gerechtigkeit machen. Man sehe sich nur die selige Theresia von Kalkutta an, die durch ihre selbstlose Aufopferung eine der charismatischsten Personen des vergangenen Jahrhunderts war. Aber auch gerade jene armen Missionarinnen der Nächstenliebe, wie ihr Orden kanonisch heist, werfen sich täglich vier Stunden vor dem Allerheiligsten nieder in tiefer demütiger Anbetung des eucharistischen Leibes Jesu Christi! Nicht selten haben sich viele Konvente sich auf die ewige Anbetung verpflichtet, in der die Schwestern abwechselnd jeden Tag 24h vor dem ausgesetzten Allerheigsten beten. Viele Schwestern bezeichnen es als die unentbehrliche Kraft ihrer hingebungsvollen Arbeit im Elend der Armut.
In diesem Sinne denke ich schon, dass Begrifflichkeiten und nennen wir es wortlastige Predigtgottesdienste wenig zur religösen Erbauung dienen. Ich bin überzeugt, erst wenn wir ein tiefes inneres Erfahren des göttlichen Mysteriums in uns erleben, sind wir dazu bereit jenen aufopferungsvollen Dienst in Christus zu dienen.
Vieleicht ist es daher auch ein Zeichen gelebter Ökumene, wenn die Gemeinschaftend er Reformation wieder eine Gefühl für die sinnliche Bedetung religöser Erfahrungen bekommen.
Mfg Presbyter
Omnis mundi creatura quasi liber et pictura nobis est et speculum.
-
Jedes Geschöpf der Welt ist sozusagen ein Buch und Bild und ein Spiegel für uns.
(Alanus ab Insulis, Theologe, Philosoph und Dichter)
-
Jedes Geschöpf der Welt ist sozusagen ein Buch und Bild und ein Spiegel für uns.
(Alanus ab Insulis, Theologe, Philosoph und Dichter)

