16-06-2007, 12:01
Lea schrieb:...Gerechtigkeit kann und muß auch Ziel jeder x-beliebigen, demokratischen Regierung bzw. Staates sein, die ein Fortkommen und gesellschaftliches Wachstum anstrebt. Dazu braucht es keine Kirche und Religion. Eine gut funktionierende Staatsform genügt beileibe.Dann lies dir noch einmal
die Bergpredigt Jesu durch (Matthäus 5-7), dann weißt du, was die Gerechtigkeit Gottes von der "Gerechtigkeit "jeder x-beliebigen demokratischen Regierung" unterscheidet.
Schade, dass du nicht Drewermann auf dem Kirchentag gehört hast, der hat genau diesen Punkt pointiert auf die Spitze getrieben.
Gerechtigkeit aus Liebe bis zur Selbstaufgabe (Kreuz!) scheint mir fundamental anders als Gerechtigkeit, wie wir sie von unseren Regierungen erleben.
Mir ist immer noch offen,
wie sich "religiöse Erfahrungen" klar als "Gottes-Erfahrungen" legitimieren.
Für mich erlebt jeder, der versucht, solche Erfahrungen zu machen, das, was in seiner Kultur als "religiös" oder "göttlich" dargestellt wird, d.h. er sieht in den Spiegel seiner Vorstellungen und Gottesbilder, die er von Kindheit an als solche eingespeichert hat.
Bei Jesus im NT findet er dazu rein gar nichts, dagegen Ethik in Fülle. Was also sind christliche "Gotteserfahrungen"?
Die Begegnung Gottes mit Einzelnen im AT
sind i.d.R. alle Vorbereitungen auf Sendungen an das Volk, allein auf den Einzelnen bezogen findet man auch da nichts.
Also bleiben solche "Gottes-Erfahrungen" im "Allgemein-Religiösen" und damit im Rahmen allgemeiner Gottes-Bilder.
Noch einmal ganz konkret und nicht spöttisch:
Wie kann man die Gotteserfahrung eines Oscar Romero, der im Einsatz für die Entrechteten El Salvadors geschmäht, des Kommunismus verdächtigt, von seiner eigenen Kirche im Stich gelassen, sich selbst hingibt und so weit geht, dass er am Altar erschossen wird, vergleichen mit einem, der im Wald eine Wurzel aus dem Boden zieht und sich in der Betrachtung derselben einbezogen fühlt in die göttliche Schöpfung (Beispiel von Fliege)?
Ich möchte damit nichts gegen die Mystik sagen,
sofern sie im Alltag mündet und Menschen fähig für die Ethik Jesu macht. Wichtig finde ich z.B. die Mystik von Dorothee Sölle. Sie ist aber ziemlich unabhängig von kultischen Ritualen, die Fliege ja gerade vermisste und für wichtiger als Gerechtigkeit hält.
"Tradition ist die Weitergabe des Feuers, nicht die Anbetung der Asche!" (Gustav Mahler nach Thomas Morus)


