20-06-2007, 10:56
Hallo Karla, Danke für Deine ausführliche Stellungnahme.
Solange es um menschliche Ausdrucksformen geht, und diese Tatsache klar ist, z. B. bei Romanen, dann habe ich nichts dagegen. Aber ich habe sehr wohl etwas gegen Ausdrucksformen, die im Kleide von Tatsachenfeststellungen daherkommen und kein Pfarrer den Mut aufbringt, zu sagen, dass es sich um (altertümliche) Ausschmückungen von Glaubensbekenntnissen handelt.
Glück ja, aber nicht aufgrund von Phantasiewelten, die nicht als solche zu erkennen sind! Genau solche Vorstellungen können zu sehr einseitigem Gedankengut führen, z. B. was Wahrheit zu sein scheint – und subjektiv ist, Stichwort: "Lynchcharakter".
Karla schrieb:"Gefühl" ist ein schwieriges Wort. …Ich beziehe das Wort Gefühl im Allgemeinen nicht auf die Freude an kreativem Schaffen. Im Kontext ging es wohl eher um Innerlichkeit, Abkehr von der Welt und ihren komplexen Problemen, um Schwärmerei, um vom Mythos geprägte Scheinwelten – selbst dann, wenn sie den biblischen Mythen entsprechen.
Solange es um menschliche Ausdrucksformen geht, und diese Tatsache klar ist, z. B. bei Romanen, dann habe ich nichts dagegen. Aber ich habe sehr wohl etwas gegen Ausdrucksformen, die im Kleide von Tatsachenfeststellungen daherkommen und kein Pfarrer den Mut aufbringt, zu sagen, dass es sich um (altertümliche) Ausschmückungen von Glaubensbekenntnissen handelt.
Glück ja, aber nicht aufgrund von Phantasiewelten, die nicht als solche zu erkennen sind! Genau solche Vorstellungen können zu sehr einseitigem Gedankengut führen, z. B. was Wahrheit zu sein scheint – und subjektiv ist, Stichwort: "Lynchcharakter".
Karla schrieb:Flieges Wurzelbeispiel… ist eine Art des Erkennens, die zum Menschen gehört wie Essen und Eros.Ich war nicht dabei. Ich kann das nicht nachvollziehen, und es ist mir suspekt.
Karla schrieb:Wenn wir dies aus dem "christlichen Auftrag" ausschließen, dann muss man auch Philosophen oder tiefveranlagte Menschen aus dem Akt der Nächstenliebe ausschließen, wenn sie ihr Leben zum Beispiel dem Bücherschreiben widmen.Nein, natürlich nicht. Das wäre eine Engsicht, die tatsächlich dogmatischen Charakter hätte. Es ist tatsächlich so, dass Nächstenliebe den/die Nächste/n so anerkennt, wie er/sie ist. Dieses Verhalten erfährt erst dann eine Einschränkung, wenn die unveräußerlichen Rechte anderer berührt werden.
Karla schrieb:Ich möchte nur um Verständnis werben für so viele menschliche Aktivitäten, die nicht in "tätiger Nächstenliebe" im bislang beschriebenen Sinn geschehen, sondern lediglich im Vollzug des Allgemeinmenschlichen.Kein Problem. Ich weise nur darauf hin, dass Nächstenliebe und Vollzug des Allgemeinmenschlichen keine Widersprüche sind. So ist Dir zuzustimmen, wenn Du schreibst:
Karla schrieb:Denn jeder Mensch muss nach seiner Begabung oder nach seinem Vermögen sein Leben führen. Und nur eine bestimmte Tätigkeit als christliche anerkennen, alle anderen davon ausschließen - das kann es nicht sein.Deine nächsten Ausführungen beziehen sich auf das Entstehen von Religion und die dogmatische Fixierung. Ich stimme Dir zu, dass Religion etwas ist, was möglicherweise zwangsläufig als Gruppeneffekt in einer kommunikativen Gesellschaft entsteht. Wie im Einzelnen sei dahingestellt. Schließlich entsteht dabei aus verschiedenen Kommunikationssträngen ein (im Wesentlichen mythischer) Überbau, mit dem auch ich einige Probleme habe zumal er sich gegenüber Kritik zu immunisieren trachtet – aus verständlichen Gründen seiner Entstehungsgeschichte übrigens! Ich bleibe bei "Überbau". Die Grundlage sind nicht Regeln, sondern eingeübte Entscheidungen, die in der betreffenden Gesellschaft meist in gleicher Art und Weise getroffen werden: "Das macht man eben so!" Und natürlich brauchen die Menschen dazu eine (erzählende) Geschichte früher mehr, heute Weniger, die kräftig ausgeschmückt wird. Verloren wird die Tatsache, dass sich Menschen diese Geschichten erzählt haben, bis sie die heutige Gestalt hatten.
Karla schrieb:… die dogmatische Fixierung bis hin zu bestimmten Formulierungen des Glaubensbekenntnisses (ist) ziemlich in die Mitte gerückt …. Diese Dinge scheinen mir von Jahr zu Jahr absurder.Ich gehöre der protestantischen Tradition an. Infolgedessen bin ich offen für Kritik und übe sie selbst.
Aber mir scheint eben auch, dass Christen selber (wohl auch die Kirchen) den Überbau als Überbau zunehmend erkennen. Rückfälle eingeschlossen.
Karla schrieb:Die Heiligung von Texten und Ritualen ist das, was die Religion meistens ausmacht und im Christentum zweitausendjährige Tradition hat. Siehst Du denn in diesem Punkt Ansätze der "Lockerung"?Möglicherweise geht es mir hier, wie dem (männlichen) Liebhaber, der die Schattenseiten seiner Geliebten nicht so deutlich sieht. Deshalb: ein zögerliches: "Ja!"
Karla schrieb:Das Göttliche ist ja nicht unbedingt für jeden etwas Heiliges, sondern für viele etwas ganz Einfaches, schlichtweg immer Vorhandenes.Das ist ja kein Gegensatz. Gerade das Alltägliche, nicht Hinterfragte ist ja das nicht Berührbare, das Heilige. Der Volksmund spricht in diesen Fällen ja auch von "heiligen Kühen", die man nicht schlachten darf (in Anlehnung an hinduistische Mythen).
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
Ekkard

