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"Religiöse" Erfahrung ???
#41
Hallo Karla,
hinsichtlich der Offenlegung der Wertung und ihrer "Implikationen" haben wir uns zwar richtig verstanden – denke ich. Ich hätte nur statt "Implikation" den Ausdruck "axiomatische Konvention(en)" oder Prämissen vorgezogen. Aber ich bin kein Fachmann auf diesem Gebiet. 'Implikation' ist für mich die (möglicherweise nicht beabsichtigte) Folge von Aussagen oder Handlungen. In Nach deinem Text sind es die Wertungsschemata, an denen wir uns bei unseren Aussagen entlang hangeln.
Karla schrieb:Wenn man von einem Menschenbild ausgeht, das besagt, dass der Mensch aus Verstand und Gefühl besteht (nehmen wir mal an, fifty:fifty), dann ist das Ablehnen von Gefühl eine Ablehnung der menschlichen Existenz. Denn wenn man ihm die Hälfte seiner Existenz nicht zubilligt, dann hat man ihn schon zerstört.
Du missverstehst mich, Karla. Ich lehne die von Dir aufgezählten Betätigungen nicht ab, sondern ich versuche, skeptisch zu bleiben. Klar kann ich die Ästhetik der Musik nachempfinden, aber im Wesentlichen geht es darum, sich nicht das Hirn vernebeln zu lassen. Es geht um (un/gerechte) Strukturen in der Welt. Und diese werden nicht durch Gefühle verändert, sondern durch konsequentes Handeln. Wir können unsere Verantwortung nicht einfach an der Garderobe abgeben wie bei Konzerten oder beim Theater. Selbstverständlich haben Menschen psychische Bedürfnisse, die von den entsprechenden Berufsgruppen befriedigt werden (müssen). Worauf ich hinaus will: Wir dürfen uns nur nicht dabei beruhigen. Dass dabei 'Familienmütter' weniger nach außen hin auftreten werden, ist gut und richtig. Und die von Dir angesprochenen Förster, die ihren Wald lieben, wirken genau auf jene Strukturen ein, die diesem Wald schaden. Nur dazu reicht es nicht, fröhlich pfeifend durch den Wald zu laufen, sondern da geht es um harte, vernunftbetonte Verbandsarbeit. (Genau die geschieht ja auch!).
Karla schrieb:Das Schlechte-Gewissen-Einreden ist leider immer eines der Merkmale des Christentums gewesen. Entweder Masturbation war Sünde (was nicht wenige junge Menschen tief verstört hat) oder der Lippenstift war Sünde (was viele vom Christentum weggebracht hat) oder bestimmte Lebensformen waren Sünde. Auch wenn das Wort "Sünde" hier im Thread nicht benutzt wird, so ist doch das Absprechen des Christseins, wenn man nicht den (physisch) Armen hilft, letztlich das Gleiche.
Das hast jetzt aber nicht Du getan, ich möchte nur das Prinzip dabei klar bekommen.
Karla, Du verwechselst "Verkehrssitte"  - also das, was man tut und die christliche Lehre. Man onaniert nicht, man hat keinen Verkehr vor der Ehe, man takelt sich nicht auf, man esse freitags Fisch, man macht dies und unterlasse jenes. Das mag im Zusammenleben im christlichen Abendland gang und gäbe gewesen sein, macht aber nicht die christliche Lehre aus. Im Gegenteil: Diese Verkehrssitten sind kleinlich und widersprechen der Nächstenliebe, sind also zutiefst unchristlich und widersprechen der Vergebung der Sünden. Verkehrssitten können teilweise zu den strukturellen Problemen unserer Gesellschaft gezählt werden (z. B. der Umgang mit Homosexualität).
Umgekehrt: Wer sich als Christ nicht um die ungerechten Strukturen kümmert, hat ein Problem mit dieser Lehre – und wenn er Papst sein sollte.
Deinen Ausführungen hinsichtlich der Gefühlsduselei im Zusammenhang mit Nächstenliebe kann ich nur zustimmen. Ungerechten Strukturen ist nur mit politischer Vernunft beizukommen.
Karla schrieb:Mein Grundempfinden so ziemlich allen Dingen gegenüber ist dialektischer Natur. ich kann nichts schaffen, nichts tun, was nicht in sein Gegenteil gekehrt werden kann. Es ist sogar schon während der Handlung selber doppelgesichtig. Es gibt keine klar "gute" Handlung.
Das genau hatte ich darstellen wollen. Wir können uns nicht allein an subjektiven Erfahrungen und ihrer Ästhetik festhalten. Die negativen Erscheinungen z. B. dass überhaupt strukturell bedingte Armut auftritt, bedarf des aktiven Engagements. Das muss natürlich nicht die Armenküche sein. Gerade das Försterbeispiel zeigt, dass das Engagement auch Verbandsarbeit bedeuten kann, Konzerte mit eindeutigem Anspruch und vieles andere.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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"Religiöse" Erfahrung ??? - von Mandingo - 14-06-2007, 18:09
RE: Kirchentagsnachlese: "Religiöse Erfahrung" - von Karla - 15-06-2007, 13:36
RE: Kirchentagsnachlese: "Religiöse Erfahrung" - von Karla - 15-06-2007, 21:45
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RE: "Religiöse" Erfahrung ??? - von Ekkard - 20-06-2007, 10:56
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RE: "Religiöse" Erfahrung ??? - von Karla - 23-06-2007, 15:15
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RE: "Religiöse" Erfahrung ??? - von Mandingo - 28-06-2007, 11:22
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RE: "Religiöse" Erfahrung ??? - von Ekkard - 29-06-2007, 18:49
RE: "Religiöse" Erfahrung ??? - von Lhiannon - 11-07-2007, 00:02

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