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"Lohn- und Preisabkommen"
#1
Da wir gerade über Österreich reden (Unterschied italienischer Faschismus und Austrofaschismus) stieß ich bei der Recherche im Internet auf
eine andere interssante Thematik: die Lohn- und Preisabkommen
Lohn- und Preisabkommen - Wien Geschichte Wiki

"Lohn- und Preisabkommen, nach dem Zweiten Weltkrieg mehrmals nach Sozialpartnerverhandlungen (Interessenvertretungen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer) von der Regierung beschlossen, um die Währungs- und Inflationsprobleme zu bekämpfen und der Bevölkerung einen vertretbaren Lebensstandard zu gewährleisten. Es wurden jeweils Prozentsätze bestimmt, um die alle Löhne und Preise steigen durften.

Folgende Lohn- und Preisabkommen wurden beschlossen:

Erstes: 1. August 1947
Zweites: 16. September 1948
Drittes: 1. Juni 1949
Viertes: 1. Oktober 1950
Fünftes: 16. Juli 1951"

Ich denke, für viele Menschen im inflationsgebeutelten Deutschland wäre es eine Wohltat, wenn so ein Preisstop zustande käme

Offenbar haben die Österreicherinnen und Österreicher damals erkannt, dass der "ungeregelte Markt" zu ihrem Nachteil ist
und dass nur eine Art von staatlicher Kommandowirtschaft die Parität zwischen Löhnen und Preisen und Mieten erzwingen kann.
Wozu hat man denn den Staat ?



--------------------------------


Und ja, in Zeiten des Überflusses (70er Jahre in Westeuropa) war das Narrativ vom freien Markt eine angenehme Erscheinung
Aber heute hat das stark an Zugkraft eingebüßt.

Wie dem auch sei (der "Oktoberstreik 1950" war zweifellos eine unschöne Eskalation) sollte nun doch endlich wieder das Märchen vom freien Markt ernsthaft diskutiert werden! Ob die Voraussetzungen für dieses Modell überhaupt gegeben sind; insbesondere die unendliche Reaktionsgeschwindigkeit für alle Marktteilnehmer.
So geht es eh nicht weiter.
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#2
Warum das heutzutage in so gut wie allen Wirtschaftsbereichen nicht funktionieren wuerde, haben wir schon in Deinem Thread von vor 8 Monaten festgestellt:
Planwirtschaft versus Marktwirtschaft

Schon damals hast Du versucht, gewisse unangenehme Realitaeten zu verdraengen, an denen populistische Preisfestsetzungsversuche immer wieder scheitern. Die Situation direkt nach dem Krieg ist mit der heutigen nicht zu vergleichen. Da kann man bestenfalls ueber die Besteuerung von Gewinnmitnahmen nachdenken.
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#3
Wo hätten wir (in D) denn "freie Märkte"? Die Regularien für den Warenverkehr sind gewaltig. Es wird ja schon heftig gegen die allzu rigiden EU Richtlinien gestänkert. Noch mehr?

Und ob Preisstopps wirklich den "Laden am Laufen" halten, wage ich zu bezweifeln. M. E. handelt man sich dadurch eine Mangelverteilung ein. Ich erinnere daran, dass Mietstopp bisher immer zu weniger Neubauten geführt hat, womit der eklatante Wohnungsmangel nur größer wurde.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#4
Sinai hat immer die Vorstellung, dass, wenn Preise wegen eines Mangelzustands steigen, eine Begrenzung der Preise auf irgendwelche magische Weise den Mangel ploetzlich abstellen wuerde, anstatt diesen zu vergroessern. Preisbremsen fuehren fast immer dazu, dass die so preisbegrenzten Waren schlicht gar nicht mehr erhaeltlich sind, ausser zu Wucherpreisen auf dem Schwarzmarkt.

Mieten sind ein etwas schwierigeres Thema. Ich halte es von politischer Seite fuer durchaus diskussionswuerdig, ob soziale Leistungen wie Wohngeld nicht eigentlich Subventionierung eines Mietniveaus darstellen, das markttechnisch eigentlich gar nicht zu erreichen waere, also letztlich ein Zuckerl fuer die Besitzer von Mietshaeusern.
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#5
(01-05-2023, 22:15)Ulan schrieb: Mieten sind ein etwas schwierigeres Thema. Ich halte es von politischer Seite fuer durchaus diskussionswuerdig, ob soziale Leistungen wie Wohngeld nicht eigentlich Subventionierung eines Mietniveaus darstellen, das markttechnisch eigentlich gar nicht zu erreichen waere, also letztlich ein Zuckerl fuer die Besitzer von Mietshaeusern.
Richtig! Die Frage ist nur: Wie anders?
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#6
(01-05-2023, 22:15)Ulan schrieb: Sinai hat immer die Vorstellung, dass, wenn Preise wegen eines Mangelzustands steigen, eine Begrenzung der Preise auf irgendwelche magische Weise den Mangel ploetzlich abstellen wuerde, anstatt diesen zu vergroessern. Preisbremsen fuehren fast immer dazu, dass die so preisbegrenzten Waren schlicht gar nicht mehr erhaeltlich sind, ausser zu Wucherpreisen auf dem Schwarzmarkt.

Mieten sind ein etwas schwierigeres Thema. Ich halte es von politischer Seite fuer durchaus diskussionswuerdig, ob soziale Leistungen wie Wohngeld nicht eigentlich Subventionierung eines Mietniveaus darstellen, das markttechnisch eigentlich gar nicht zu erreichen waere, also letztlich ein Zuckerl fuer die Besitzer von Mietshaeusern.


Also weiter so in diese Richtung ??

Nee
Das wird nicht ad infinitum so weitergehen. Wenn heutzutage ein Angestellter tatsächlich monatlich 500 € beiseitelegen kann, sind das 6000 im Jahr.
Um nun genügend Kohle für eine kleine Arbeiterwohnung zu haben (bereits 500.000 Euro), müßte er achtzig Jahre sparen !!!
Rechnet doch nach.

Und von einem Hungerlohn von 1800 Netto die Wohnungsmiete bezahlen können? Noch unmöglicher
Auch hier bitte nachrechnen

Und schaut euch doch mal das Wahlergebnis der gestrigen Landtagswahl von Salzburg an.
Die Kommunisten* ziehen plötzlich mit 10 % in den Landtag ein und die Strachepartei hat enorm zugewonnen

*) Sind allerdings das Gegenteil der Breschnjew Zeit
Sie verwenden halt die uralte Marke 'KPÖ'

----

Wie dem auch sei. Linksextrem und Rechtsextrem gewannen deutlich an Boden. Mit der derzeitigen Vogel-Strauß-Politik und Sonntagsreden ist dem nichts mehr entgegenzusetzen.
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#7
(01-05-2023, 22:25)Ekkard schrieb: Richtig! Die Frage ist nur: Wie anders?
Im Prinzip muesste der Staat wieder selbst Sozialwohnungen bauen fuer Leute, die sich Wohnungen auf dem Markt nicht leisten koennen. Die duerfen ruhig so sein, dass Leute keine Lust haben, dort auf Dauer zu bleiben; es geht erst mal um das Dach ueber dem Kopf und Grundversorgung. Ziel ist es, dass ueberteuerte Wohnungen auf dem freien Markt leer stehen bleiben, damit das Mietniveau generell sinkt. Dass es da in der Uebergangphase etwas knirschen wird, ist wohl unvermeidlich.

Im Moment ist es halt so, dass in Staedten wie Muenchen ueber Wohngeld ein Lohnniveau in vielen Dienstleistungsbereichen ueber Steuermittel gegenfinanziert wird, das zum Leben nicht aureicht. Die Alternative zu sozialem Wohnungsbau waere, einfach zu riskieren, dass niemand mehr diese Jobs macht, und dass die Loehne in den betroffenen Gebieten angehoben werden muessen.
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#8
(01-05-2023, 22:38)Sinai schrieb: Also weiter so in diese Richtung ??

Nee

Genau wie in dem anderen Thread ignorierst Du einfach die faktischen Grenzen. Genau wie damals ignorierst Du die Frage, wie Du denn den Preis von Importguetern begrenzen willst. Du kannst niemandem im Ausland vorschreiben, zu welchem Preis er Dir etwas verkauft. Das Resultat ist, dass sie Dir einfach nichts verkaufen, oder bestenfalls Ueberschuss, den sie nirgendwo sonst loswerden.

Uebrigens ist das der Grund, warum es in Grossbritannien derzeit in den Supermaerkten so viele leere Regale gibt. Grund sind in dem Fall keine staatlichen Preisgrenzen, sondern dass die Supermarktketten keine hoeheren Preise fuer Lebensmittel bezahlen wollen, als sie urspruenglich ausgehandelt hatten. Die Lieferanten liefern ihre Waren deshalb einfach woanders hin.
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#9
(01-05-2023, 23:30)Ulan schrieb: Im Prinzip muesste der Staat wieder selbst Sozialwohnungen bauen fuer Leute, die sich Wohnungen auf dem Markt nicht leisten koennen. Die duerfen ruhig so sein, dass Leute keine Lust haben, dort auf Dauer zu bleiben

(01-05-2023, 23:35)Ulan schrieb: Genau wie in dem anderen Thread ignorierst Du einfach die faktischen Grenzen.

Alles fein erklärt, super Ausreden der Regierungsparteien, aber das löst alles nicht die Probleme der Menschen
Die Armut ist wieder da! Und zwar massiv und großflächig, keine Einzelfälle mehr.
Nicht eine wehrlose Minderheit (Studenten) ist da betroffen, sondern der Mittelstand rutschte ab.

Die Politik wird sich was ausdenken müssen - sonst wird es bald ungemütlich werden.
Die Landtagswahl von Salzburg brachte der KPÖ und der FPÖ enorme Zugewinne!

Die Kommunisten sitzen nun bereits im Landtag
Und nun wollen sie auch wieder in den Nationalrat. Was ihnen zweifellos gewinnen wird.

Und Kickl will Bundeskanzler werden.

Österreich ist nicht so weit von der BRD entfernt
Salzburg kann man als Radfahrer besuchen
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#10
Ich weiß nicht, was das für Ausreden sein sollen. Das sind einfach Tatsachen. Ulan hat übrigens eine Lösung angeboten und dazu gesagt, dass auch die Einkommen zu gering sind für die Mieten.
Also, machen wir die Gewerkschaften stärker und bauen Sozialwohnungen!
Gewalt im Sinne von Straßenschlachten führt doch nicht zur Lösung der faktischen Probleme, sondern ist nur ein Aktionismus-Mäntelchen.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#11
(02-05-2023, 11:23)Ekkard schrieb: Gewalt im Sinne von Straßenschlachten führt doch nicht zur Lösung der faktischen Probleme

Sehr richtig! Damit kann man die Verarmung nicht verhindern, wenn man sich die derzeitigen Straßenschlachten in Frankreich anschaut.


(02-05-2023, 11:23)Ekkard schrieb: Also, machen wir die Gewerkschaften stärker

Dies ist wohl auch nicht die Rettung aus der Verarmung. Starke Gewerkschaften bringen zwar Lohnerhöhungen, aber das erweckt Begehrlichkeiten der Vermieter und Kaufleute: sie heben die Mieten sofort an und auch die Preise für Lebensmittel. Und die Preise für Eigentumswohnungen steigen natürlich auch, wenn die Mieten steigen.

Ich denke, da braucht es einen gesetzlichen Lohn- und Preisstop.

Unglaublich, wie die Mieten und die Preise für Eigentumswohnungen und auch die Lebensmittelpreise in den letzten 12 Jahren in die Höhe getrieben wurden. Löhne und Pensionen kommen da nicht einmal ansatzweise mit!
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#12
@Sinai: Du hast's nicht verstanden. Wenn, wie frueher schon einmal, massiv staatliche Sozialwohnungen gebaut werden, dann uebertrifft irgendwann das Angebot auf dem freien Wohnungsmarkt die Nachfrage, und das fuehrt dazu, dass die Mieten auch auf dem freien Markt sinken. Ab einem gewissen Punkt sind neue Sozialwohnungen dann nicht mehr notwendig, um ein leistbareres Mietniveau zu garantieren.

Mieten steigen nur solange, wie jemand sie bezahlt. Wenn nicht, dann sinken sie wieder.
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#13
(01-05-2023, 21:34)Sinai schrieb: Folgende Lohn- und Preisabkommen wurden beschlossen:

Erstes: 1. August 1947
Zweites: 16. September 1948
Drittes: 1. Juni 1949
Viertes: 1. Oktober 1950
Fünftes: 16. Juli 1951

und da fällt dir nichts auf?

sobald es nicht mehr darum ging, nachkriegsbedingten mangel zu verwalten, war schluß mit dirigistischen planvorgaben

aus gründen

wobei ich doch der meinung bin, daß die österreichische sozialpartnerschaft durchaus ihre vorzüge hatte und auch noch hat - wenn sie auch weder perfekt noch ein allheilmittel ist
einen gott, den es gibt, gibt es nicht (bonhoeffer)
einen gott, den es nicht gibt, braucht es nicht (petronius)
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#14
(02-05-2023, 15:52)petronius schrieb: und da fällt dir nichts auf?

Sinais Geschichtsvergessenheit ist schon grotesk. Meine Mutter und ihre Mutter z.B. verbrachten die Zeit bis 1948 in einem Fluechtlingslager, und danach wurden sie zu jemandem in dessen Wohnung in einem per Los zugewiesenen Teil Deutschlands zwangseinquartiert. Das musste uebrigens von aliierten Soldaten gegen den Widerstand der Wohnungsbesitzer erzwungen werden. Der Hass war auch damals gewaltig. Umziehen verboten.

Ich muesste noch mal nachfragen, wann sie endlich da weg durften, in einen weniger hasserfuellten Teil Deutschlands.


Die Verhaltensmuster waren uebrigens bezeichnend. Da, wo sie einquartiert wurden, hatten die Menschen durch den Krieg so gut wie nichts verloren, sondern im Gegenteil durch die Judenverfolgung noch dazugewonnen. Sie wollten nicht teilen, und die Nazi-Ideologie war ungebrochen. Da, wo sie danach hingingen, hatten die meisten Menschen fast alles verloren. Wahrscheinlich hatten die dortigen Bewohner deshalb mehr Sympathie mit Menschen, denen es aehnlich ergangen war.
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#15
(02-05-2023, 17:42)Ulan schrieb:
(02-05-2023, 15:52)petronius schrieb: und da fällt dir nichts auf?

Sinais Geschichtsvergessenheit ist schon grotesk. Meine Mutter und ihre Mutter z.B. verbrachten die Zeit bis 1948 in einem Fluechtlingslager, und danach wurden sie zu jemandem in dessen Wohnung in einem per Los zugewiesenen Teil Deutschlands zwangseinquartiert. Das musste uebrigens von aliierten Soldaten gegen den Widerstand der Wohnungsbesitzer erzwungen werden. Der Hass war auch damals gewaltig. Umziehen verboten.

Ich muesste noch mal nachfragen, wann sie endlich da weg durften, in einen weniger hasserfuellten Teil Deutschlands.


Die Verhaltensmuster waren uebrigens bezeichnend. Da, wo sie einquartiert wurden, hatten die Menschen durch den Krieg so gut wie nichts verloren, sondern im Gegenteil durch die Judenverfolgung noch dazugewonnen. Sie wollten nicht teilen, und die Nazi-Ideologie war ungebrochen. Da, wo sie danach hingingen, hatten die meisten Menschen fast alles verloren. Wahrscheinlich hatten die dortigen Bewohner deshalb mehr Sympathie mit Menschen, denen es aehnlich ergangen war.

... es gab ja nicht nur hasserfüllte Wohnungsbesitzer! - Meine Großmutter bekam z.B. damals 2 Frauen in ihre sehr große 4-Zimmer-Wohnung (mit Vorder- und Hinterbalkon) in Berlin-Steglitz einquartiert. Sie lebte dort mit ihrem Mann. Dieser starb bald nach dem 2. Weltkrieg und so war meine Großmutter froh, nicht alleine in der sehr großen Wohnung leben zu müssen, sondern Ansprechpartner zu haben, welche auch mal einen Einkauf für sie erledigten ... etc. Allein die Diele der besagten Wohnung, war so geräumig, so dass man eine Sitzbank mit Tisch darin aufstellen konnte. Von der Diele aus führten Türen sternförmig in die versch. 4 Zimmer, in Küche und Bad. Die beiden Damen (Mutter und Tochter, Vertriebene aus Ostpreußen), blieben bis zu ihrem Tode als 1-Zimmer-Untermieter in dieser Wohnung und es gab keinerlei Probleme. 

Gruß von Reklov
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