Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Goldene Studentenzeit
#1
"Friedrich Schiller war der einzige Sohn eines auch als Wundarzt tätigen württembergischen Offiziers und wuchs mit seinen fünf Schwestern in Schwäbisch Gmünd, Lorch und später in Ludwigsburg auf. Dort besuchte er die Lateinschule und begann nach viermaligem Bestehen des Evangelischen Landesexamens am 16. Januar 1773 das Studium der Rechtswissenschaften auf der Karlsschule. Drei Jahre später wechselte er zur Medizin und wurde 1780 darin promoviert."
Friedrich Schiller - Wikipedia

Wenn man das liest, und das Studentenleben mit der heutigen Zeit vergleicht:

Schiller begann 1776 das Medizinstudium und wurde bereits vier Jahre später promovierter Mediziner

Damals war es wirklich attraktiv zu studieren. Friedrich Schiller wurde laut Wikipedia im November 1759 geboren und wurde schon als 21-Jähriger bereits im Jahre 1780 zum Mediziner promoviert!

Und das trotz verhautem Jurastudium
Zitieren
#2
Zum Glück ist Schiller längst verwest und als Mediziner vergessen.
Also sprach der Herr: "Seid furchtbar und vermehret euch".........
Zitieren
#3
(30-08-2023, 22:06)Geobacter schrieb: Zum Glück ist Schiller längst verwest und als Mediziner vergessen.

... dem Mann aus Bozen sei gesagt: F. Schiller ist zwar als Mediziner, aber nicht als Dichter vergessen! - Wer bei uns im Land eine höhere Schule besucht, lernt  im Deutschunterricht einige seiner "unsterblichen" Gedichte kennen, wie z.B. >Das Lied von der Glocke<  -  >Der Taucher<  - >Die Kraniche des Ibykus<  -  >Der Ring des Polykrates<  -  >Die Bürgschaft<

Ich kann dazu anmerken: Schillers Körper ist zwar verwest, "zum Glück" sind aber seine Werke erhalten geblieben und so bleibt er, zumindest als Dichter, - unvergessen.

Ob man solches aber je von Dir wird sagen können ... ? Icon_frown

Gruß von Reklov
Zitieren
#4
(30-08-2023, 21:33)Sinai schrieb: "Friedrich Schiller war der einzige Sohn eines auch als Wundarzt tätigen württembergischen Offiziers und wuchs mit seinen fünf Schwestern in Schwäbisch Gmünd, Lorch und später in Ludwigsburg auf. Dort besuchte er die Lateinschule und begann nach viermaligem Bestehen des Evangelischen Landesexamens am 16. Januar 1773 das Studium der Rechtswissenschaften auf der Karlsschule. Drei Jahre später wechselte er zur Medizin und wurde 1780 darin promoviert."
Friedrich Schiller - Wikipedia

Wenn man das liest, und das Studentenleben mit der heutigen Zeit vergleicht:

Schiller begann 1776 das Medizinstudium und wurde bereits vier Jahre später promovierter Mediziner

Damals war es wirklich attraktiv zu studieren. Friedrich Schiller wurde laut Wikipedia im November 1759 geboren und wurde schon als 21-Jähriger bereits im Jahre 1780 zum Mediziner promoviert!

Und das trotz verhautem Jurastudium

Hallo Sinai,

F. Schiller wurde am 10. Nov. 1759 in Marbach am Neckar geboren. Der beschauliche Ort liegt nur 25 km von meinem Wohnort entfernt und man kann noch heute das Geburtshaus Schillers (ein restauriertes schlichtes Fachwerkhaus) betrachten. Das romantische Dorf Marbach hat sich seinen altertümlichen Look erhalten können und nicht nur dessen imposanter Torturm, ein Ortseingang, wird von vielen Besuchern fotografiert.
Man vermutet, dass Marbach um 700 n. Chr. als fränkischer Königshof gegründet wurde. Die heutige Altstadt entstand ab dem späten 12. Jahrhundert.
Ein Besuch dort lohnt sich allemal, wenn man in der Gegend vorbeikommt.
Schiller verband zu dem eine legendäre Freundschaft mit Goethe in der Weimarer Klassik. Man besuchte sich fast täglich und tauschte sich nicht nur literarisch, sondern auch philosophisch und naturwissenschaftlich miteinander aus, half und motivierte sich gegenseitig, obwohl man auch konkurrierte.

F. Schiller glänzte nicht als Jurist oder Mediziner, sondern wurde durch seine historischen Bühnendramen und Gedichte berühmt.

Im Gegensatz zu I. Kant vertrat F. Schiller das Ideal einer Moralität, in welcher sich Neigung und Pflicht verbinden können. Diese Möglichkeit sah er im Bereich des Ästhetischen. Durch die Kunst sollten sich die geistigen und sinnlichen Kräfte harmonisch ausbilden und so war für den schwäbischen Dichter die Ästhetik der Weg, über den der sinnliche Mensch vernünftig gemacht werden kann ...

Leider wurde der Poet durch eine Lungenentzündung viel zu früh aus dem Leben gerissen und starb im Alter von 45 J. in Weimar. Einige seiner Gedichte hatte ich auf dem Gymnasium zu lernen und habe es nie bereut, denn deren Themen und die damit einhergehende Sprachkunst stellen dem Leser zeitlose Muster, Werte und Ideale als Gedankengut vor ...  

Gruß von Reklov
Zitieren
#5
Danke für die reichliche interessante Information zu Friedrich Schiller und Goethe !

Kehren wir nun wieder zum Thema zurück: Die "Goldene Studentenzeit" die kurz nach 1770 begann und vor 1790 in Blüte kam!
Auch die Sturm und Drang Zeit begann damals. Laut Wikipedia hatte sie ihre Blüte "etwa von 1765 bis 1785"
Schiller und Goethe waren wie Du schreibst, befreundet und besuchten einander in Weimar

Doch ich will hier keinen Spezialthread über Friedrich Schiller führen (Du kannst gerne einen eröffnen und wir werden viel und interessant diskutieren dort).

Schiller war nur ein prominentes Beispiel das ich brachte, um die damalige Goldene Studentenzeit, die bis zu den gesellschaftlichen Verwerfungen durch die durch den Liberalismus hervorgerufene Industrialiserung ab 1870 dauerte - mit der heutigen Studentenschaft zu vergleichen.

Zur Zeit von Schiller wurde man mit 21 promoviert - und heute befinden sich 3 Millionen Studenten an deutschen Universitäten !!!

Das klingt nach Abstellgleis für eine ganze Generation
Zitieren
#6
(31-08-2023, 20:28)Sinai schrieb: Zur Zeit von Schiller wurde man mit 21 promoviert - und heute befinden sich 3 Millionen Studenten an deutschen Universitäten !!!

Das klingt nach Abstellgleis für eine ganze Generation

Ich sehe nicht, weshalb aus dem oberen Satz der untere folgen sollte. Wo ist da der Zusammenhang?

Ansonsten ganz interessant: Schillers Überreste wurden nie gefunden. In der Fürstengruft in Weimar befindet sich daher neben den Gebeinen Goethes ein leerer Sarg für Schiller.
Zitieren
#7
Es ist mal wieder die Sehnsucht nach der verklaerten "alten Zeit", in der angeblich alles besser war. Dass das Studium der Medizin damals kuerzer war, weil man schlicht nicht viel Medizinisches wusste und bei ernsthaften Krankheiten nur selten helfen konnte, wird dabei verdraengt. Erinnerungen werden ja gerne um alles Unangenehme bereinigt.

Dass dabei wahrscheinlich eine persoenliche Note des beruflichen Scheiterns mitschwingt, draengt sich natuerlich als Vermutung auf.
Zitieren
#8
(30-08-2023, 21:33)Sinai schrieb: Schiller...begann nach viermaligem Bestehen des Evangelischen Landesexamens am 16. Januar 1773 das Studium der Rechtswissenschaften auf der Karlsschule.

Schiller begann 1776 das Medizinstudium und wurde bereits vier Jahre später promovierter Mediziner

Damals war es wirklich attraktiv zu studieren. Friedrich Schiller wurde laut Wikipedia im November 1759 geboren und wurde schon als 21-Jähriger bereits im Jahre 1780 zum Mediziner promoviert!

Und das trotz verhautem Jurastudium

Nichts hat Schiller "verhaut".

Die Schule (zunächst Militär-Pflanzschule, später Karlsschule, ab 1781 Hohe Karlsschule) wurde erst 1774 mit einer juristischen und 1775, nach Übersiedlung der Schule nach Stuttgart, mit einer medizinischen Abteilung ausgestattet. Die Rechte studierte Schiller nicht aus eigenem Antrieb, sondern auf Befehl seines Herzogs, mit dessen Erlaubnis er später (im November 1775) zur Medizin wechselte.
MfG B.
Zitieren
#9
(31-08-2023, 21:35)Bion schrieb: Die Rechte studierte Schiller nicht aus eigenem Antrieb, sondern auf Befehl seines Herzogs

Also viele Menschen würden sich wünschen, von einem Herzog den Befehl zu bekommen, die Rechte zu studieren

Aber mir geht es um etwas anderes: Damals war es offenbar nicht unüblich, mit 21 zum Mediziner promoviert zu werden
Zitieren
#10
(31-08-2023, 20:28)Sinai schrieb: Schiller war nur ein prominentes Beispiel das ich brachte, um die damalige Goldene Studentenzeit, die bis zu den gesellschaftlichen Verwerfungen durch die durch den Liberalismus hervorgerufene Industrialiserung ab 1870 dauerte - mit der heutigen Studentenschaft zu vergleichen.

Zur Zeit von Schiller wurde man mit 21 promoviert - und heute befinden sich 3 Millionen Studenten an deutschen Universitäten !!!

Das klingt nach Abstellgleis für eine ganze Generation

Hallo Sinai,

heute müssen  Studenten:innen weit mehr Stoff in ihrem Fach aufnehmen/erlernen, als es zu Zeiten Schillers nötig war! - Der Geheimrat W. Goethe konnte z.B. deswegen auch als einer der letzten Universalgelehrten durchs Leben gehen. - Das Heute kennt nur die sog. Spezialisten, welche im Idealfall mit ihrem Wissen auch ihren Lebensunterhalt gut bestreiten können.

Ein Studium darf/sollte aber nicht nur als Möglichkeit zum Gelderwerb betrachtet werden, sondern als ein Vertiefen von speziellem Fachwissen, welches die Studierenden bewegt und interessiert. Weil dabei aber auch ein Teil des menschlichen Bewusstseins geschärft wird, ist ein Platz an einer Universität auch keinesfalls mit einem Abstellgleis zu vergleichen.  Icon_rolleyes  Davon mal abgesehen, - der nach Wissen strebende Mensch war und ist stets weit mehr, als nur ein nützlicher Arbeitnehmer in einer Produktionsgesellschaft!

Ein Wechsel von einem Studienfach zu einem völlig anderen ist übrigens nicht so außergewöhnlich, sondern markiert die Biografie von vielen Menschen.

Gruß von Reklov
Zitieren
#11
(31-08-2023, 20:28)Sinai schrieb: Schiller war nur ein prominentes Beispiel das ich brachte, um die damalige Goldene Studentenzeit, die bis zu den gesellschaftlichen Verwerfungen durch die durch den Liberalismus hervorgerufene Industrialiserung ab 1870 dauerte - mit der heutigen Studentenschaft zu vergleichen

was weißt du denn schon von einer "Goldene Studentenzeit" der altvorderen oder gar "der heutigen Studentenschaft"...
einen gott, den es gibt, gibt es nicht (bonhoeffer)
einen gott, den es nicht gibt, braucht es nicht (petronius)
Zitieren
#12
(31-08-2023, 21:47)Sinai schrieb: mir geht es um etwas anderes: Damals war es offenbar nicht unüblich, mit 21 zum Mediziner promoviert zu werden

ulan hats dir erklärt

aber du kannst dich bei gesundheitlichen beschwerden natürlich gern (gegen bares, das war damals so üblich) von mir behandeln lassen. das medizinische wissen von damals hab ich locker drauf, und doktor bin ich auch...
einen gott, den es gibt, gibt es nicht (bonhoeffer)
einen gott, den es nicht gibt, braucht es nicht (petronius)
Zitieren
#13
Man kann im übrigen auch heute mit Mitte 20 promovierter Arzt sein: Studienbeginn mit 18, Regelstudienzeit 12 Semester, Promotion nebenbei, ist man 24, 25 Jahre alt. Natürlich ohne Facharztausbildung und mit deutlich mehr Stoff als zu Schillers Zeiten.
Zitieren
#14
Beitrag #10
(01-09-2023, 12:21)Reklov schrieb:
(31-08-2023, 20:28)Sinai schrieb: Schiller war nur ein prominentes Beispiel das ich brachte, um die damalige Goldene Studentenzeit, die bis zu den gesellschaftlichen Verwerfungen durch die durch den Liberalismus hervorgerufene Industrialiserung ab 1870 dauerte - mit der heutigen Studentenschaft zu vergleichen.

Zur Zeit von Schiller wurde man mit 21 promoviert - und heute befinden sich 3 Millionen Studenten an deutschen Universitäten !!!

Das klingt nach Abstellgleis für eine ganze Generation

Hallo Sinai,

heute müssen  Studenten:innen weit mehr Stoff in ihrem Fach aufnehmen/erlernen, als es zu Zeiten Schillers nötig war! - Der Geheimrat W. Goethe konnte z.B. deswegen auch als einer der letzten Universalgelehrten durchs Leben gehen. - Das Heute kennt nur die sog. Spezialisten, welche im Idealfall mit ihrem Wissen auch ihren Lebensunterhalt gut bestreiten können.

Ein Studium darf/sollte aber nicht nur als Möglichkeit zum Gelderwerb betrachtet werden, sondern als ein Vertiefen von speziellem Fachwissen, welches die Studierenden bewegt und interessiert. Weil dabei aber auch ein Teil des menschlichen Bewusstseins geschärft wird, ist ein Platz an einer Universität auch keinesfalls mit einem Abstellgleis zu vergleichen.  Icon_rolleyes  Davon mal abgesehen, - der nach Wissen strebende Mensch war und ist stets weit mehr, als nur ein nützlicher Arbeitnehmer in einer Produktionsgesellschaft!

Ein Wechsel von einem Studienfach zu einem völlig anderen ist übrigens nicht so außergewöhnlich, sondern markiert die Biografie von vielen Menschen.

Gruß von Reklov

Hallo Reklov - Du hat ja recht, dass ein Studium nicht nur als Möglichkeit zum Gelderwerb anzusehen ist, es ist die höchste Stufe der Bildung und soll neben Fachwissen auch sehr stark den Charakter des Menschen formen. In der Mehrzahl der Fälle gelingt das auch. Ja, deiner Argumentation kann man prinzipiell folgen. Goethe war noch ein Universalgelehrter.

Wie dem auch sei - die seelische, psychische, hormonelle (Pubertät), körperliche (Beginn des Bartwuchses) Entwicklung des jungen Mannes bis 30 hat sich in den letzten 200 Jahren nicht geändert.

Es ist schön und ehrenvoll, bis 21 Jahre - so wie der junge Schiller - auf der Hochschule zu studieren. Man ist in guter Gesellschaft von anderen gebildeten Scholaren, hört interessante Vorlesungen von manchmal kauzigen Professoren, lächelt über die Handwerker und deren üppiges Essen und genießt als Kennzeichen des Studenten das karge Käsebrot, nimmt viel Wissen auf und reift heran.

Aber irgendwann muss Schluss damit sein!

Schiller erhielt mit 21 den Doktorgrad. Klar ist das medizinische Wissen seither explodiert (Organische Chemie, Entdeckung der Hormone, Genforschung, Elektrizität, Röntgen, UV-Licht, Magnetresonanz, Computertomographie, Blutgruppen, Rhesusfaktor, Anatomie bis ins letzte Detail, Medizinethik, Medizinrecht und vieles mehr) - aber das kann doch nicht ad infinitum in der unbezahlten Freizeit des Studenten geschehen!

Ist ja klar, dass die Bevölkerung Interesse hat, den Studenten alles mögliche an Lernstoff reinzubuttern - aber mit 21 gehört promoviert, und dann soll der junge Doktor dafür bezahlt werden, dass er diese WEITERBILDUNG IM INTERESSE DER ALLGEMEINHEIT macht. Und er soll eine kostenlose staatliche Wohnung bekommen und die Möglichkeit haben zu heiraten, und eine Familie zu gründen. Und wenn die Familie wächst, soll er eine entsprechend größere Wohnung kostenlos erhalten. Bei den Flüchtlingen hat man ja auch das Geld dafür.
Dann studiert der Herr Doktor weiter, und wenn es bis 35 ist, macht es ihm auch nichts. Dann wird die Allgemeinheit schon darauf achten, dass er kein unnötiges Zeug lernt

In der Sowjetunion war der Student kein Bewohner eines Studentensilos, er wurde bezahlt, weil Studieren ja ein wertvoller Dienst für die Allgemeinheit ist, und bekam eine kostenlose Wohnung. Und zwar eine echte, und keine WG

Natürlich wurde der Student auch zwei Tage in der Woche für Arbeit herangezogen. Nicht als Erntehelfer (dies wäre eine Vergeudung von wertvollen Ressourcen gewesen), aber als Lehrer
Zitieren
#15
Beitrag #7
(31-08-2023, 21:25)Ulan schrieb: Es ist mal wieder die Sehnsucht nach der verklaerten "alten Zeit", in der angeblich alles besser war.

Es gibt ein - allerdings österreichisches - Buch über Studentengeschichte. Sehr interessant!
Peter Ferdinand Krause schrieb das Buch: O Alte Burschenherrlichkeit
Krause ist Vorsitzender des Österreichischen Vereins für Studentengeschichte (Peter Ferdinand Krause - Wikipedia) und Beamter im Höheren Dienst
Warum zur Studentengeschichte kein österreichisches Buch lesen?
Der in Wien regierende Joseph II. war ja Römisch-deutscher Kaiser (Wikipedia) und das zu Österreich gehörende Prag war die älteste deutsche Universität, dann kam Wien
Bis 1848 war Österreich im Deutschen Bund kulturell führend und Metternich hielt alles zusammen. Die Preußen und die Bayern waren bei den Universitäten nicht maßgeblich

Und ja, für die Studenten war es bis etwa 1870 eine Goldene Zeit
Zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 3 Gast/Gäste