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warum soll man überhaupt glauben müssen?
#1
ein user meinte in bezug auf die bibel

"Es wird also von Menschen auch in einem gewissen Sinne unverständlich gemacht, so dass einem nur mehr übrig bleibt, einfach blind zu glauben"

warum bleibt einem nur das übrig?

warum soll man überhaupt glauben müssen?

wenn mir was unverständlich ist und auch auf nachfrage (so die denn überhaupt möglich ist) nicht einleuchtend erklärt wird, dann pfeif ich drauf
einen gott, den es gibt, gibt es nicht (bonhoeffer)
einen gott, den es nicht gibt, braucht es nicht (petronius)
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#2
"Es wird also von Menschen auch in einem gewissen Sinne unverständlich gemacht, so dass einem nur mehr übrig bleibt, einfach blind zu glauben"

Das ist ja nun eine wirklich kühne These. Meint der Schreiber vielleicht, dass unverständliche Texte die Magie des Geheimnisvollen entfalten und damit anziehend auf alle Fans von Magie und Geheimnis wirken?

Es mag allerdings sein, dass Glaube auf gewisse Weise schon an sich und ohne biblischen "Wirrsinn" auf gewisse Weise "blind" macht.

Wie das zu verstehen ist? - Nun, viele Menschen brauchen Gott und die Hoffnung auf ein Jenseits, also Religion. Sie haben nicht die Kraft und den Mut, ihrem Leben selbst einen Sinn zu geben, sie brauchen einen höheren göttlichen Sinn und sie brauchen, vor allem als Gegenmittel gegen ihre Todesangst, die Hoffnung auf ein Jenseits.

Aber wer ist sich seines Glaubens an Gott und Jenseits schon so völlig sicher? - Jeder Gedanke daran, dass es keine Sicherheit in diesen Fragen gibt, außer einem festen Glauben, löst erneut Angst aus.

Da treten nun gar noch "Advokaten des Teufels" auf, die in treuer Liebe zu Wahrheit und Logik - fast scheint es mir, auch mit ein wenig Genuss Sleepy2 - ständig von neuem in diesen "offenen Wunden der Gläubigen herumwühlen" indem sie aufzeigen, dass Gott und Jenseits durchaus hübsche Ideen und Träume aber eben keine gesicherte Realität sind.
Ich bin allerdings insgeheim überzeugt davon, dass sogar "Advokaten des Teufels" ein wenig Verständnis für Menschen haben, die sich mühsam in den Glauben retteten, lieber auf den vom Advokaten angebotenen "Blick in den Abgrund des Nichts" gerne verzichten, also die Augen schließen, auch wenn sie dadurch "blind" werden.
Auch ich stecke gerne ab und an den Kopf in den Sand, und verbanne damit Gefahren - wenigstens aus meiner Wahrnehmung.

Es grüßt Euch
dalberg

Fußnote 1: "Advocati diaboli" gibt es auch bei den Heilig- und Seligsprechungsprozessen der katholischen Kirche. Ist diese Tatsache nicht einerseits etwas paradox und irgendwie nett zugleich?

Fußnote 2: Schließen vielleicht auch die "advocati diaboli" unter uns, hie und da, ihre Augen ein wenig, angesichts der möglichen Wahrheit von Gott und Transzendenz, um unter dem Zwiespalt zwischen ihre Rationalität einerseits und ihrem heimlichen Traum von "Geborgenheit in etwas Göttlichen" andererseits, nicht ständig und allzu schmerzlich zu leiden?
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#3
"Es wird also von Menschen auch in einem gewissen Sinne unverständlich gemacht, so dass einem nur mehr übrig bleibt, einfach blind zu glauben"
(von "anderem User" durch Petronius zitiert)


(03-03-2012, 18:58)petronius schrieb: 1. warum bleibt einem nur das übrig?
2. warum soll man überhaupt glauben müssen?
3. wenn mir was unverständlich ist und auch auf nachfrage (so die denn überhaupt möglich ist) nicht einleuchtend erklärt wird, dann pfeif ich drauf
(Nummerierung von mir)
1. Ich bin nicht davon überzeugt, dass "einem nur blinder Glaube" bleibt. Glaube ist die poetische Seite des Lebens, die unser Tun auf seinen Wert hin hinterfragt und zugleich ein Spiegel ist, der das subjektive Erleben reflektiert und zugleich vom gesellschaftlichen Umfeld geprägt wird.
Dalberg sprach die Todesangst an. Die ist ja nun erfragbar, und viele Menschen geben die unterschiedlichsten Antwort darauf. Gleichgültig, wie diese lautet (von ich schaue in den Abgrund der Nicht-Existenz bis zum Geborgenheitsgefühl in der Hand des Heiligen, Ewigen), sie sind Glaube. Aber gerade im Hinblick auf den Tod bieten die biblischen Erzählungen nichts. Das viel zitierte "Gottesreich" ist ein gesellschaftlicher Idealzustand, den es anzustreben gilt. Wiederum: Die Bibel transportiert in ihren Texten Fragen an unser Tun und Lassen - viel weitergehend als Beruhigungspillen für die subjektive Existenz. "Blinder Glaube" ist m. E. nur eine Ausrede für Denkfaulheit und Mutlosigkeit, auch unangenehme Wahrheiten, z. B. etwas nicht zu wissen, zur Kenntnis zu nehmen.

2. Wer redet von "glauben müssen"? So kann man nur fragen, wenn einem eine sehr schmalspurige auf das Heilige ausgerichtete Denkweise einfällt. Im Grunde ist die ganze Beziehungskiste, in der wir Menschen leben, geprägt von einem Haufen an Konventionen, die wir für so gut und bedeutsam halten, dass wir ihnen folgen und sie (teilweise vehement) vertreten. Wir müssen nicht glauben, sondern wir sind so gestrickt, dass wir es intuitiv tun, weil wir in unseren Gesellschaften mit ihren Konventionen überleben müssen.

3. Eine bestimmte Vorstellung, eine Konvention oder Überzeugung ablegen, das macht doch jeder früher oder später. Gleichwohl kann man nicht ständig gegen die gesellschaftlichen Konventionen (Überzeugungen) leben. Das würde sehr rasch ermüden.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#4
Meine Aussage in einem einzigen Zitat erzeugt nicht ganz die Bedeutung, die ich meinte. Hier die ganze Aussage:


Ich schrieb als Antwort zu Ekkard:

"Man sollte immer unterscheiden, was dieser Glaube sagen könnte und was die Menschen daraus machen.
Ich habe bis heute nicht verstanden, warum es unbedingt einen unfehlbaren Papst geben muss und wie die Trinität zu verstehen sein soll.
Es wird also von Menchen auch in einem gewissen Sinne unverständlich gemacht, so dass einem nur mehr übrig bleibt, einfach blind zu glauben, ohne es zu verstehen, obwohl es mMn eigtl. falsch ist, so zu glauben."


Damit bezog ich mich in dieser Aussage im speziellen auf die Trinitätslehre, die man mMn nicht wirklich verstehen kann, sondern eher nur blind glauben kann.

Zitat:warum bleibt einem nur das übrig?
Nun, wenn man denn Teil dieser Glaubensgemeinschaft sein und bleiben möchte, glaubt man eben mit.
Aber das ist eben falsch, wie ich finde.


Zitat:warum soll man überhaupt glauben müssen?

ich glaube auch, dass wir das eher intuitiv tun. sicherlich ist es auch ein gesellschaftlicher druck.
andererseits zeichnet es doch gerade uns menschen und unser bewusstsein aus, dass wir gerade dazu fähig sind an etwas zu glauben und glauben wollen. ist dieses verhalten in irgendeiner form logisch?


Zitat:wenn mir was unverständlich ist und auch auf nachfrage (so die denn überhaupt möglich ist) nicht einleuchtend erklärt wird, dann pfeif ich drauf

das wäre mir zu schade. ich versuche mir über viele dinge klar zu werden.
es ist nicht gerade einfach menschen zu finden, die dann ihr wissen teilen oder wenigstens sich fragen stellen lassen.
heutzutage ist es doch viel leichter auf fragen antworten zu finden.
man muss nur zu fragen bereit sein.
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#5
Also sagst du letztlich auch, dass man nicht blind glauben sollte. Dann sind wir uns in dieser Hinsicht doch einig? Zur Trinität gibt es bereits eine Vielzahl von Hinweisen im Forum (Suchfunktion), die ich nur wärmstens empfehlen kann. Generell kann man sagen: "Stimmt, ist schwierig!" Wenn man die Politik dahinter sieht, wird diese Lehre zumindest staatspolitisch plausibel.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#6
Ekkard, da sind wir uns einig.
Bzgl. Trinität habe ich zu letzt so als Erklärung zu verstehen bekommen:
Man stelle sich bspw den Bund einer Ehe zwischen Mann und Frau vor.
Dieser Bund ist Eins.

Ich werde aber gerne auch die Beiträge hier im Forum dazu durchlesen.
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#7
(03-03-2012, 20:43)dalberg schrieb: Nun, viele Menschen brauchen Gott und die Hoffnung auf ein Jenseits, also Religion. Sie haben nicht die Kraft und den Mut, ihrem Leben selbst einen Sinn zu geben, sie brauchen einen höheren göttlichen Sinn und sie brauchen, vor allem als Gegenmittel gegen ihre Todesangst, die Hoffnung auf ein Jenseits

"opium des volks", schon klar

(03-03-2012, 20:43)dalberg schrieb: Schließen vielleicht auch die "advocati diaboli" unter uns, hie und da, ihre Augen ein wenig, angesichts der möglichen Wahrheit von Gott und Transzendenz, um unter dem Zwiespalt zwischen ihre Rationalität einerseits und ihrem heimlichen Traum von "Geborgenheit in etwas Göttlichen" andererseits, nicht ständig und allzu schmerzlich zu leiden?

so sie denn unter heimlichen träumen leiden, möglicherweise ja. leider ist mir dieses phänomen nicht bekannt
einen gott, den es gibt, gibt es nicht (bonhoeffer)
einen gott, den es nicht gibt, braucht es nicht (petronius)
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#8
(03-03-2012, 23:49)paradox schrieb: Nun, wenn man denn Teil dieser Glaubensgemeinschaft sein und bleiben möchte, glaubt man eben mit

wohl eher: murmelt man als lippenbekenntnis mit, was man nicht glaubt, schon weil man es gar nicht versteht

(03-03-2012, 23:49)paradox schrieb: heutzutage ist es doch viel leichter auf fragen antworten zu finden.
man muss nur zu fragen bereit sein.

und bereit, antworten auch mal gelten zu lassen - selbst wenn sie nicht so ausfallen wie gewünscht
einen gott, den es gibt, gibt es nicht (bonhoeffer)
einen gott, den es nicht gibt, braucht es nicht (petronius)
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#9
Von Blind-glauben-müssen, davon kann nicht die Rede sein, eher glauben können. Wer Texte, Aussagen nicht versteht, kann doch das offen lassen, was unverständlich ist oder auch hinterfragen und so weiter.
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#10
das hört sich irgendwie an wie: "ich versteh es zwar nicht ganz, aber es wird schon richtig sein. fühlt sich auch irgendwie richtig an und die anderen sagen es ja auch."
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#11
(03-03-2012, 18:58)petronius schrieb: "Es wird also von Menschen auch in einem gewissen Sinne unverständlich gemacht, so dass einem nur mehr übrig bleibt, einfach blind zu glauben"

Nein. Blind ist das für mich überhaupt nicht. Wenn man Gottes Nähe erfährt, macht das überirdisch Icon_smile Glücklich. Die Liebe zu Gott färbt auf die Umgebung ab. Man nimmt anders wahr, schätzt das Leben anders, ist geduldiger mit sich und anderen.

Zitat:warum soll man überhaupt glauben müssen?

Keine Ahnung. Ich meine jedenfalls nicht, dass man glauben MUSS. Ich meine auch nicht, dass Gott Glauben einfordert.

Man darf, man kann glauben. Mich macht es glücklich und ich möchte es nicht missen.

Zitat:wenn mir was unverständlich ist und auch auf nachfrage (so die denn überhaupt möglich ist) nicht einleuchtend erklärt wird, dann pfeif ich drauf

Tu das. Man kann auch ohne Glaube glücklich sein.

Allerdings gibt es mir zu denken, dass du immer wieder, z.Teil polemisch den Glauben attackierst. Warum? Wenn dir der Glaube nichts bringt, dann ist es doch gut.
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#12
Ich glaube eher, Petronius geht vehement gegen Dogmen verschiedener Glaubensrichtungen vor, die Anders- bzw Nichtgläubigen Vorschriften bezüglich ihrer Lebensführung machen wollen,..
Die gefährlichste Meinung ist die Meinung der Leute, die gar keine eigene Meinung haben
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#13
(07-03-2012, 23:31)d.n. schrieb: Ich glaube eher, Petronius geht vehement gegen Dogmen verschiedener Glaubensrichtungen vor, die Anders- bzw Nichtgläubigen Vorschriften bezüglich ihrer Lebensführung machen wollen,..

Ich frage mich nur, wer hier solche Dogmen vertritt...
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#14
Einige,..auch wenn ich versuche mich neutral zu verhalten, so ist doch bei einigen Usern, die ich jetzt hier nicht namentlich nennen will, genau das herauszuhören,...

zB.: Schwulsein ist Sünde, Schwule kommen in die Hölle,...

Eine Beleidigung für jeden Homosexuellen, der vielleicht einer anderen Glaubensrichtung angehört,..
Die gefährlichste Meinung ist die Meinung der Leute, die gar keine eigene Meinung haben
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#15
Abgesehen von der Beleidigung: In der menschlichen Gesellschaft sind die verschiedenen Verhaltensweisen - auch des Gehirns, dann reden wir von Einstellung/Anschauung - stochastisch verteilt. Meistenteils handelt es sich um "Normalverteilungen" mit einem Schwerpunkt bei der Mehrheit und selteneren Randbereichen. Wenden wir uns der Sexualität zu, so sind alle Eigenarten normal verteilt. Die mehrheitliche Verhalten ist nicht vor dem der Minderheiten ausgezeichnet, schon gar nicht "besser" oder "schlechter", "gesund" oder "kank"!

Was die Gesellschaft als Ganze nur verlangen kann, ist die Vermeidung von schädigendem Verhalten. Gewalttäter oder Pädophile haben halt das Pech, dass ihr Verhalten andere nachweislich schädigt.

Für gleichgeschlechtlich Zugeneigte gilt das hingegen nicht.
Also ist Herabwürdigung des Schwulseins seinerseits ein schädigendes und damit zu vermeidendes Verhalten (Mobbing).
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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