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Sueton
#1
Gaius Suetonius Tranquillus. Über seine Lebensdaten ist wenig bekannt. Aus seinen Texten weiß man, dass er 20 Jahre nach ↗Neros Tod, also im Jahre 88 nC, als junger Mann (adulescens, Nero Kap. 57) vom Auftreten eines falschen Nero gehört habe und ein weiteres Mal (↗Domitian Kap. 12), dass er als sehr junger Mann (adulescentulus) bei einem Ereignis zugegen war, das sich in den 90er-Jahren zugetragen hatte. Beide Anmerkungen lassen den Schluss zu, dass er etwa um das Jahr 70 nC herum geboren worden sein könnte. Seine Familie betreffend bemerkt er, dass sein Vater dem Ritterstand angehörte und dieser unter Kaiser ↗Otho gegen ↗Galba gekämpft habe (Otho Kap. 10).

Ein Geburtsort für ihn lässt sich nur spekulativ ausmachen, wenngleich ein solcher fallweise mit ↗Hippo Regius (Nordafrika) mit Bestimmtheit behauptet wird. Kindheit und Jugend dürfte er in ↗Rom verbracht haben. Über seine Erziehung erfahren wir, von einer dürftigen Bemerkung abgesehen (Einleitung zu den Grammatikern), nichts. Was wir über seine späteren Tätigkeiten und Neigungen wissen, muss seine Ausbildung vielseitig und umfassend gewesen sein.
 
Aus ↗Plinius' d. J. Briefen ist bekannt, dass er Sueton gefördert hatte. Die Offiziersstelle, die Plinius für ihn erbat (III 8), nahm er nicht an. An einer militärischen Karriere war Sueton offenbar nicht interessiert. Seiner Bitte, man möge die Offiziersstelle doch seinem Verwandten, Caesennius Silvanus, übertragen, wurde entsprochen.  Neben anderen Vergünstigungen erwirkte Plinius für Sueton das ↗Dreikinderrecht (X 94,95, Briefwechsel mit ↗Trajan). Neben schriftstellerischer und wissenschaftlicher Arbeit war er als Advokat tätig.

Der Höhepunkt der Karriere des Sueton war seine Ernennung zum kaiserlichen Kanzleisekretär (ab epistulis) unter ↗Hadrian. Zuvor bekleidete er die Ämter a studiis1 und  a bibliothecis2. Das Amt ab epistulis, das er wohl durch Fürsprache seines Förderers, des ↗Prätorianerpräfekten Gaius Septicius Clarus, übertragen bekommen hatte, verschaffte ihm Zutritt zu den kaiserlichen Archiven und war seinen historischen Arbeiten in hohem Maße dienlich. Dem  G. Septicius Clarus hatte er dann auch seine Kaiserviten gewidmet.

122 nC schied Sueton aus dem kaiserlichen Dienst. Infolge einer Hofintrige verloren viele hohe Hofbeamte ihre Ämter. So auch G. Septicius Clarus und sein Schützling Sueton.

Danach gibt es keine Nachrichten zum Leben und Wirken Suetons mehr. Dem Umfang seines Werks nach zu schließen, dürfte er wohl noch zwei, drei Jahrzehnte in Zurückgezogenheit gelebt und gearbeitet haben.

Bemerkenswert ist seine Neigung, ↗Anekdoten und Skandalöses mitzuverarbeiten. Seine Texte gewinnen dadurch an Unterhaltungswert. Bei der historischen Einordnung von ihm geschilderter Sachverhalte muss das berücksichtigt werden.

Die Lebensbeschreibungen der ersten zwölf Kaiser (De vita Caesarum) sind nahezu vollständig handschriftlich überliefert. Von den Berichten über berühmte Männer (De viris illustribus) ist der Abschnitt über Grammatiker (und Rhetoren) zu einem guten Teil erhalten. Der Rest des Werks ist leider nur lückenhaft in Auszügen und über Fragmente, Zitate, etc. auf uns gekommen. Zum Beispiel durch ↗Hieronymus, der viele Anmerkungen aus verlorengegangenen Werken Suetons in seine Weltchronik aufgenommen hat (Diehle 270; Albrecht 2, 1096). Angelehnt an Sueton schafft Hieronymus (unter dem in der ↗antiken Literatur öfter auftretenden Werktitel De viris illustribus) die erste christliche Literaturgeschichte (Albrecht 1, 375).

Auskunft über den enormen Umfang seines Werks gibt uns neben anderen Quellen das gegen Ende des 10. Jhs in Konstantinopel entstandene ↗Suda-Lexikon, in dem eine große Anzahl Titel verlorengegangener Schriften Suetons vermerkt sind. 


1) Mit welchen Aufgaben das Amt verbunden war, ist nicht überliefert. Der jeweilige Amtsinhaber scheint eine Art kaiserlicher Berater in wissenschaftlichen Fragen gewesen zu sein.

2) Oberaufsicht über die kaiserlichen Bibliotheken


Literatur:
Albrecht Diehle. Die griechische und lateinische Literatur der Kaiserzeit. 1989 München. Verl. C.H. Beck.
Michael von Albrecht. Geschichte der römischen Literatur. 2 Bde. 1994 München. Deutscher Taschenbuch Verlag.



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MfG B.
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