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Arkadien
#1
Historische Landschaft, gebirgiges Hochland inmitten der ↗Peloponnes, Heimat des Hirtengottes ↗Pan.

Zentralheiligtum der Arkader war eine Kultstätte auf dem Lykaion, wo ↗Zeus aufgewachsen sein soll (Paus. VIII, 38, 2).  Durch die abgeschiedene Lage mancher Gebiete innerhalb Arkadiens haben sich dort lange urtümliche Zustände erhalten, insbesondere auf religiösem Gebiet.

In klassischer Zeit gehörte Arkadien zum peloponnesischen Bund unter der Hegemonie ↗Spartas.

Dichterisch verklärt wurde Arkadien bereits in der ↗Antike. ↗Vergil  hat in einem Zyklus von zehn hexametrischen Gedichten  (Bucolica od. Eklogen; Hirtengedichte) vom idyllisch-friedvollen Leben arkadischer Hirten erzählt. Die Hirtendichtung hat sich als Literaturgattung erhalten, Arkadien aber wurde dichterisch erst wieder im Übergang des ↗Spätmittelalters zur ↗Frühen Neuzeit (J. Sannazaros: Arcadia) wiederentdeckt.

Im 18. Jh. wird "Arkadien" unter Einfluss ↗Rousseaus  zum imaginären Ziel der Flucht vor der Verderbnis der Zivilisation zu einem idealisierten Ort des unschuldigen Naturzustandes (B. de Saint Pierre: "L'Arcardie").

Dieser Arkadien-Begriff wird zum Gegenstand der Kritik ↗Kants, der die ungesellige Geselligkeit dem arkadischen Schäferleben und der dortigen Eintracht, Genügsamkeit und Wechselliebe gegenüberstellt und zu dem Schluss kommt, dass in solcher Umgebung alle vortrefflichen Naturanlagen in der Menschheit ewig unterentwickelt schlummern blieben (Kant: Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht, 4. Satz).

Im Gegensatz zu Kant versucht ↗Schiller (Resignation: Auch ich war in Arkadien geboren,…) das nach Kant mit der modernen Gesellschaft unvereinbare Arkadische mit der entwickelten Gesellschaft zu harmonisieren, und zwar in einer Form, die den Sündenfall zu tilgen hätte, ohne auf die Früchte des Baumes der Erkenntnis zu verzichten (F. Schiller: Etwas über die erste Menschengesellschaft nach dem Leitfaden der mosaischen Urkunde, 1790).

Goethe, der sein Arkadien in Italien suchte und fand (Ital. Reise: "Auch ich in Arkadien"; im 3. Teil: Bericht von der Aufnahme in die Gesellschaft der Arkadier), setzte dem ↗Mythos Arkadien im Faust II, 3. Akt, ein literarisches Denkmal.


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MfG B.
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