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Targum
#1
Targum (pl. Targumim; v. akkad. tirgem = Übersetzung, Auslegung)

Während des ↗Exils wurde in der jüdischen Gesellschaft ↗Aramäisch zur Umgangssprache. ↗Hebräisch war immer mehr auf den Kult beschränkt und wurde von der breiten Bevölkerung bald nicht mehr verstanden (LThK 2, 285 ). Es entstanden Übersetzungen heiliger Texte ins Aramäische, sog. Targumim. Solche Targumim waren zunächst Teil der mündlichen Tradition gewesen, wurden aber schon bald auch schriftlich festgehalten. Der frühe Gebrauch solcher Übersetzungen aus dem Althebräischen ist durch Textfunde in ↗Qumran bestätigt. Hebräisch war zur Literatur- bzw. Sakralsprache und zur Sache von Spezialisten, den sogenannten Schriftgelehrten, geworden.

Später, in der ↗Synagoge, erfolgten im Zuge der Perikopenlesung Übersetzungen (samt Erläuterungen) nach jedem Vers, bei Prophetentexten nach jeweils drei Versen durch den ↗Meturgeman ins Aramäische1. Es entstanden situationsbedingte und durch Auslegung ergänzte, in allgemein verständlicher Sprache vorgetragene Texte. Solche Übersetzungen wichen zum Teil erheblich vom hebräischen Grundtext ab (Grözinger I 228).

Es gibt aber auch Targumim, die unabhängig vom synagogalen Betrieb entstanden waren und weitgehend wortgetreue Übersetzungen sind. Beispielsweise das Targum Onkelos, eine Übertragung des ↗Pentateuchs ins Aramäische. Irgendwann zwischen dem 3. und 6. Jh dürfte der Text in ↗Babylonien seine Endredaktion erfahren haben. Seither gilt dieses Targum den Juden als verbindliche aramäische Textfassung des Pentateuchs. Es wird als "unser Targum" bezeichnet, wenn im ↗Talmud daraus zitiert wird.  

Nach jüdischer Tradition war Onkelos mit den Proselyten Aquila (Akylas) identisch. Belastbare Belege dafür gibt es nicht. Die Meinungen der Fachgelehrten dazu liegen weit auseinander. Möglicherweise war das Targum Onkelos im 2. Jh nC in ↗Palästina entstanden. 

Für ↗Griechisch sprechende Juden2 stand seit dem 3./2. Jh vC3 die später ↗Sepuaginta genannte Übersetzung, ab dem 2. Jh nC die Übersetzung Aquilas4 zur Verfügung.



1) In den bereits im ↗Frühmittelalter über die (damalige) Welt verstreuten jüdischen Gemeinschaften war Besuchern von Gottesdiensten das Aramäische bald noch weniger geläufig als das Hebräische, was zur Folge hatte, dass man nach und nach dazu überging, in die jeweilige Landessprache zu übersetzen (Mayer 440). 

2) Das waren vor allem Juden der ↗ägyptischen Diaspora, aber auch unter den im Westen verstreut lebenden Juden ging die Kenntnis des Aramäischen recht schnell verloren.

3) Der ↗Legende nach soll die Übersetzung schon im 3. Jh vC getätigt worden sein (siehe Lexikoneintrag: ↗Aristeas-Brief). In den Griechisch sprechenden jüdischen Gemeinden dürfte sie aber erst im 2. Jh vC in Gebrauch gewesen sein.

4) Die wortgetreue Bibelübersetzung Aquilas ins Griechische war in der ↗Spätantike hochangesehen und wurde von ↗Origenes in seine ↗Hexapla (3. Spalte) aufgenommen. 

Unter Juden war die Septuaginta später in Verdacht geraten, christlicherseits verfälscht worden zu sein. Die Verfälschungen soll man vorgenommen haben, um das ↗Alte Testament mit christologisch deutbaren Belegstellen auszustatten. Da viele Juden weder des Hebräischen noch des Aramäischen mehr mächtig waren und griechisch sprechende Juden heilige Texte zwar zur Verfügung hatten, aber diese nicht mehr mit den Christen teilen wollte, hatte es Aquila als nötig erachtet, eine unverdächtige Fassung der ↗Tora in griechischer Sprache herzustellen.



Literatur:
Günter Mayer. Das Judentum. 1994 Stuttgart. Verl. W. Kohlhammer.
Karl Erich Grözinger. Jüdisches Denken. 4 Bde., 2004 Frankfurt/Main. Campus Verlag



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MfG B.
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