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Paulus und die vermeidbare Zäsur
#1
Hallo liebe Forenfreunde,

... Paulus wurde von einem Propheten gewarnt nach Jerusalem zu gehen auf seiner letzten Reise.
Die Gefangennahme wäre so gesehen vermeidbar gewesen. Der Drang die christliche Botschaft nach Plan weiter zu verbreiten ist verständlich - Paulus wollte nicht wie Dr. Kimble auf der Flucht seine Zielsetzungen nicht durchkreuzen lassen.

Ab dem Tag der Regentschaft von Nero hätten alle Apostel am besten die großen Metropolen gemieden.
So gesehen waren sie auch nicht besonders geschickt vorgegangen bei Ihrer Reiseplanung, es sei denn
sie suchten tatsächlich den Freitod.

Die Gefangennahme durch die Römer war somit vorhersehbar. Sein Status schütze ihn nicht mehr, weil Nero inzw. regierte.
Dennoch ist für mich unklar, weshalb er eine "beschränkte Freigangsregelung" genießen konnte und die Gelegenheit nicht
zur Flucht genutzt hatte. Der Tod durch das Schwert war also vermeidbar gewesen.
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#2
War er müde? Wollte er Jesus folgen? War er verblendet?
Wir wissen es nicht!

Ich weis nur, auf mein heutiges Leben hätten die Antworten keinen Einfluss!
"Was ich von mir gebe kann potentiell falsch, aber auch potentiell richtig sein" 
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#3
(22-05-2019, 13:34)Kreutzberg schrieb: Ab dem Tag der Regentschaft von Nero hätten alle Apostel am besten die großen Metropolen gemieden.

Von Paulus abgesehen war kein Apostel in Rom. Die Petrusgeschichte ist eine Legende.

(22-05-2019, 13:34)Kreutzberg schrieb: Dennoch ist für mich unklar, weshalb er eine "beschränkte Freigangsregelung" genießen konnte…

Alles ist in diesem Zusammenhang eigenartig: Die Begründung seiner Gefangennahme, seine Haftbedingungen und wie er zu Tode gekommen sein soll. Die Geschichte ist legendär. Mit der historischen Wirklichkeit hat sie wahrscheinlich wenig zu tun. Die Quellenlage dazu ist dürftig und widersprüchlich. Siehe HIER (klick!) und HIER (klick!).
MfG B.
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#4
BION :
Das hört sich so an, als ob man den Paulus-Tod als Geschichte verklären wollte um den Glauben zu stärken. Das Grundsatz- Prinzip : die Ereignisse waren Bestimmung, ist der Versuch in vermeidlich Sinnlosem ein Sinn erkennen zu wollen.

Wenn ein Apostel in einer Ortschaft "Persona non grata" war hätte er einen getreuen Jünger vorschicken können um die Lage auszuloten. Das wiederum hätte aber den Eindruck gestärkt, dass ihm die Gemeinde nicht am Herzen lag. Dieser Zwiespalt könnte die Märtyrer umgetrieben haben. Ich weigere mich dem Gedanken zu folgen, dass dort eine Gruppe von todesmuten Missionaren unterwegs war, die in einem Hinrichtungstod einen Segen gesehen haben mögen.

Die Prophezeihung als Warnung an Paulus (man würde ihn binden) kann man auch als Vorahnung werten. Die Wahrscheinlichkeit dass man nach ihm (Paulus) fahndete war ja relativ hoch. Das hat mit Wahrsagerei sicherlich nichts zu tun gehabt.
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#5
Wenn ich die Paulusbriefe so lese, dann habe ich so ein Gefuehl, dass er wahrscheinlich in Jerusalem umgekommen ist. Diese bevorstehende Reise schien ihm eine ziemliche Angst einzujagen. Na ja, mehr als eine Idee ist das aber auch nicht.
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#6
(22-05-2019, 13:34)Kreutzberg schrieb: Hallo liebe Forenfreunde,

... Paulus wurde von einem Propheten gewarnt nach Jerusalem zu gehen auf seiner letzten Reise.


Bitte um Details
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#7
Apg 21, 4-14
MfG B.
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#8
(22-05-2019, 18:20)Kreutzberg schrieb: Die Prophezeihung als Warnung an Paulus …

Ich empfinde die Berichte vom Grund der Festsetzung, von der Haft, der Appellation an das Kaisergericht, von der Überstellung nach Rom und der dortigen Gefangenschaft, etc. zu konstruiert, als dass ich dahinter historische Begebenheiten vermuten würde.
MfG B.
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#9
(23-05-2019, 00:55)Bion schrieb:
(22-05-2019, 18:20)Kreutzberg schrieb: Die Prophezeihung als Warnung an Paulus …

Ich empfinde die Berichte vom Grund der Festsetzung, von der Haft, der Appellation an das Kaisergericht, von der Überstellung nach Rom und der dortigen Gefangenschaft, etc. zu konstruiert, als dass ich dahinter historische Begebenheiten vermuten würde.

Die Warnungen für die heutige Zeit sollten wir ernster nehmen!
"Was ich von mir gebe kann potentiell falsch, aber auch potentiell richtig sein" 
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#10
(23-05-2019, 00:52)Bion schrieb: Apg 21, 4-14


Ich kann jetzt nicht alle Verse wiederholen, das ist zu viel, und nehme nur folgendes heraus:

"Nachdem wir die Jünger ausfindig gemacht hatten, blieben wir sieben Tage bei ihnen. Auf eine Eingebung des Geistes hin warnten sie Paulus davor, nach Jerusalem zu gehen." Apg 21,4 (Einheitsübersetzung EÜ)
( . . . )
"Wir blieben mehrere Tage. Da kam von Judäa ein Prophet namens Agabus herab und besuchte uns. Er nahm den Gürtel des Paulus, band sich Füße und Hände und sagte: So spricht der Heilige Geist: Den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden in Jerusalem ebenso fesseln und den Heiden ausliefern." Apg 21,10f (EÜ)

Die Apostelgeschichte schreibt, daß es eine Warnung - oder zwei Warnungen? - gab.
Das ist nicht klar erkennbar

In Apg 21,4 wird eine Warnung "auf eine Eingebung des Geistes hin" genannt; in Apg 21,10f ist von einem ominösen "Propheten namens Agabus" die Rede.

Waren das nun zwei Warnungen oder ist ein und die selbe gemeint ?

Vor allem: Wer war dieser ominöse "Prophet namens Agabus" ?
Agabus - Wikipedia hilft uns auch nicht weiter

Das Wort [b][Prophet/b] in der Apostelgeschichte macht mich stutzig
Paßt dieses Wort überhaupt in die Apostelgeschichte hinein ?
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#11
Der fehlerhafte Titel des vorliegenden Threads lautet "Paulus und die vermeidbare Zesur"

Meinst Du nun "Zensur" oder "Zäsur" ?
Oder ist das eine absichtliche Wortspielerei ? Die Schöpfung eines Kunstwortes das dazwischenliegt ?

Laut Apg 21,13 (EÜ) sagte Paulus: "Warum weint ihr und macht mir das Herz schwer?"
Paulus wollte nicht, daß die Leute weinen - eine Art von Zensur

Bitte um Mitteilung, welches Wort Du meinst

Oft setzen Theologen unrichtig geschriebene Begriffe und/oder unklare Sätze als stilistische Mittel ein, um die Menschen aus der Reserve zu kitzeln. Das mag manchmal interessant sein, verschiebt aber die Diskussion vom Kopf in den Bauch (bzw in das Herz) - was oft sogar beabsichtigt sein dürfte

Eine Art des Brainstorming Icon_cheesygrin

Hier in diesem Thread wäre es halt zielführend, wenn Du als Threadstarter genau sagst, was Du diskutieren willst.

Wer hätte was nach Deiner Ansicht vermeiden können ? Oder gar vermeiden sollen ?

Mir war der Titel von Anfang an unklar, aber jetzt ist er mir noch unklarer

Willst Du auf den rätselhaften "Propheten" Bezug nehmen ?
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#12
Mir geht es konkret darum einmal festzustellen ob die Apostel nicht gelegentlich rationale Grundsatzentscheidungen gefällt haben.
Die Aussagen von Paulus deuten darauf hin, dass er seine Präsenz in Jerusalem für Alternativlos gehalten hat. Das Problem wenn nur eine Person als Glaubensvermittler anerkannt wird hat er sicherlich gespürt.

Ich zweifele jedoch daran, dass er die Lebensgefahr tatsächlich ernst genommen hatte. Er musste aber doch wissen, dass die römische Staatsangehörigkeit als Schutzschild nicht ausreichen konnten auf Dauer. Im Ernstfall stand dann der Schutzengel nicht bei Fuß.

Es aber auch die Frage, ob er in seinem Wirkungskreis hätte untertauchen können und über den Korrespondenz seine Aktivitäten hätte fortsetzen können. Die Erfolgsstory seines Schriftverkehrs lässt diese Vermutung allerdings zu. Diesen wihctigen Punkt hat er wohl unterschätzt.

Ich habe den Eindruck, dass es jemanden stets schmeichelt wenn er unentbehrlich geworden ist. An die Zukunft hat Paulus da wohl gar nicht gedacht - dennoch haben dann wohl seine Gefolgsleute nach seinem Tod mitgedacht, so dass Paulus Lehre nicht in Vergessenheit geraten konnte.
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#13
Die Sache mit der roemischen Staatsbuergerschaft steht auch auf wackeligen Fuessen. Er selbst erwaehnt sie nie in seinen eigenen Schreiben, und er war in mehrere Situationen, wo er sie haette einsetzen koennen, sich aus einer schwierigen Lage zu befreien, was er aber nicht tat.

Wir koennen nicht mehr genau sagen, wer genau das Erbe des Paulus weitergegeben hat. Die Kirchenvaeter des 2. und 3. Jahrhunderts zeigen immer noch ein zwiespaeltiges Verhaeltnis zu ihm. Er war der Apostel (der einzig anerkannte) der Markioniten, und seine Briefe waren (als einzige) Teil des markionitischen Neuen Testaments. Justin der Maertyrer (um 160) zitiert Paulus zwar oefter, aber er erwaehnt nie seinen Namen; von Markion spricht er aber. Noch Tertullian (um 200) nennt Paulus den "Apostel der Haeretiker". Seine endgueltige Akzeptanz mag sich laenger hingezogen haben.
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#14
(24-05-2019, 12:16)Kreutzberg schrieb: Ich zweifele jedoch daran, dass er die Lebensgefahr tatsächlich ernst genommen hatte.


Möglicherweise war für Paulus die Möglichkeit zu sterben gar keine "Gefahr"  
Durch einen Schwerthieb aus dem irdischen Jammertal mit all seinen Schlechtigkeiten, Mühen, Krankheiten in den Himmel zu Jesus zu kommen, in die ewige Glückseligkeit, war doch kein Schreckensbild

Viele suchten den Tod als Märtyrer

Vielleicht ahnte Paulus, daß er gefangen und geköpft werden wird - und suchte bewußt die Erlösung  

Ich will die Leistungen Paulus keineswegs schmälern - aber hing er am irdischen Leben ?
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#15
Der alternative Gedankengang betrifft die angebliche Alternativlosigkeit für die Missionierung.
Wenn Paulus im Herbst seines Lebens stand wollte er wenigstens mit einem stolzen Missionserfolg
sein Lebenswerk krönen. Das hat aber mit dem eigenen Ego nichts zu tun.

Es ist natürlich schwierig zu sagen ob Paulus lebensmüde war. Die letzten Darstellungen in der
Apostelgeschichte deuteten nicht auf eine Suizidgefahr hin. Er rannte wohl nicht freiwillig in
den Tod weil er des Lebens überdrüssig war.
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